BG Kritik:

Heathers


von Christian Westhus

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Heathers (USA, 1988)
Regisseur: Michael Lehman
Cast: Winona Ryder, Christian Slater, Kim Walker, Shannen Doherty

Story:
Veronica (Ryder) versucht zur High School Clique der drei angesagten Heathers zu gehören, die ihre Klassenkameraden von oben herab beobachten und verspotten. Nach einem als Selbstmord getarnten Unfall lösen Veronica und ihr latent psychopathischer neuer Freund JD (Slater) eine Selbstmordwelle in der Schule aus, doch Schüler, Lehrer und Eltern reagieren nicht so wie erhofft.

„Heathers“ ist ein Autorenfilm. Das heißt – zumindest in diesem Fall – es ist ein Film, dessen Drehbuch besser und wichtiger ist als die Regie. Drehbuchautor Daniel Waters träumte damals wohl mit gezieltem Augenzwinkern davon, niemand Geringeres als Stanley Kubrick sollte sein Drehbuch verfilmen, denn dessen „Dr. Seltsam“ sei vom Ton her der nächste Verwandte. Regisseur Michael Lehmann erledigte einen routinierten Job, aber vielleicht war es dieser unscheinbare „80er High School Comedy“ Stil, der dafür sorgte, dass „Heathers“ heute nicht mehr den Bekanntheitsgrad hat, den der Film eigentlich verdient.

"You know what I want? Cool guys like you out of my life."


„Heathers“ ist die schwarzhumorig-zynische Antwort auf die optimistischen und Lebensgefühl zelebrierenden 80er Jahre High School Filme der Marke John Hughes. Doch wer „Breakfast Club“, „16 Candles“ oder „Pretty in Pink“ mag (wie beispielsweise dieser Autor), braucht sich nicht attackiert fühlen. „Heathers“ ist die Kehrseite der Medaille, zeigt eine andere Perspektive und ist als gallige Farce ebenso überzeichnet, wie die traumwandlerisch-coolen John Hughes Filme. Schule ist die Hölle. Jugendliche im schlimmsten, d.h. schwierigsten Alter werden zusammengeworfen, Gruppen formieren sich, Stereotypen und Klischees werden herausgestellt und fortan prügeln die Gruppen aufeinander ein, werden geprügelt oder versuchen sich unbeschadet aus allem herauszuhalten.

Die Heathers sind die angesagteste Clique der Westerburg High School. Drei junge Frauen namens Heather (Chandler, McNamara, Duke), die in hübsch-hässlichen Jacken mit Schulterpolstern herumstolzieren, besonders gerne Croquet spielen und sich natürlich als Königinnen der High School sehen. Veronica hat es geschafft zu den Heathers zu gehören und opferte dafür ehemalige Freundinnen und ihr Gewissen, da sie für die Streiche und den Spott, den die Heathers ihren Kameraden mitgeben, eigentlich nichts übrig hat. Der undurchschaubare und von außen betrachtet übermäßig selbstbewusste JD hat seinen Einfluss auf die hin und hergerissene Veronica, die nach einer Party so eine Wut auf Heather#1 (Chandler) hat, dass sie sich im Eifer des Gefechts ihren Tod wünscht. Als die Ärmste dann kurz darauf durch eine halb gewollte, halb unglückliche Verkettung von Zufall, Unaufmerksamkeit und wörtlich genommener Ironie wirklich tot daliegt, inszenieren Veronica und JD den Tod als Selbstmord, um Zimtzicke Heather blöd dastehen zu lassen. Doch die High School hat ihre eigenen Regeln. Egal was man ihnen unterstellt, die populären Kids kommen mit allem durch, während die Außenseiter für jede Kleinigkeit einstecken müssen.

"Veronica, you look like hell." - "Yeah? I just got back."


Es bleibt natürlich nicht bei dem einen Todesfall, denn insbesondere JD scheint tatsächlich ein Psychopath zu sein und in Veronica die ideale Ideengeberin gefunden zu haben, die im jugendlichen Überschwang gerne mal zu viel sagt und dann unterbewusst überhört oder nicht sehen will, was sie damit in Gang setzt. Slater und insbesondere Winona Ryder waren selten besser als hier. Ryder hat ein wunderbares Gespür für den sarkastischen Ton von Veronica, die ungläubig beobachtet, wie die Welt auf die inszenierten Selbstmorde reagiert. Slaters Quasi-Psychopath ist angemessen undurchschaubar und zumindest zu Beginn doch sympathisch-cool. Die Szenen, in der JD in vertauschten Rollen mit seinem Vater spricht, machen JD noch geheimnisvoller. Überhaupt sind die erwachsenen Autoritäten erwartungsgemäß nicht zu gebrauchen und dadurch äußerst amüsant. "We have to talk, whether to kill yourself or not is one of the most important decisions a teenager has to make", lautet einer von vielen wunderbar scharfsinnigen Kommentaren, die Waters den Erwachsenenfiguren in den Mund legt. Besonders amüsant, weil besonders naiv und weichbirnig, sind Veronicas Eltern, die mehrere erinnerungswürdige Szenen haben.

Daniel Waters Drehbuch ist gallig und schwarzhumorig, ohne angesichts der Mord-/Selbstmord Thematik und dem unterschwelligen Schüler-Hass unnötig finster und boshaft zu werden. Augenzwinkernd oder mit „tongue in cheek“, wie es im Englischen heißt, seziert das scharf beobachtende Drehbuch die Machtstrukturen der Schule, wie Eitelkeit, Machtkämpfe und insbesondere Heuchelei die zerstörerischen Strukturen nur noch weiter festigen. Und das Script ist verspielt. So hören wir bei einer Beerdigungsszene die Gedanken der „Trauernden“, die am Sarg knien und über den Toten spotten, Witze reißen oder beim seltenen Gespräch mit dem Herrgott für sich selbst ein gutes Wort einlegen. Mineralwasser ist gleichbedeutend mit einem Outing und für die „coolen Kids“ ist Kuh-Schubsen ein 1A Date. Die Nebenfiguren sind schön schrill und durchweg toll besetzt, die Musik ist sehr hörenswert und auch wenn das Finale im Vergleich zum Rest ein wenig zu geradlinig und durchschaubar wirkt, macht es weiterhin Spaß. Und genau den garantiert auf grelle und erleuchtende Weise der restliche Film, den man nicht noch weiter ins Niemandsland der Filmgeschichte abrutschen lassen sollte.

Fazit:

Schwarzhumorig-clevere Antwort auf „Breakfast Club“ und Co.

7,5 / 10
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