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KURZKRITIKEN:

HELLRAISER: Das Tor zur Hölle
HELLRAISER 2: Hellbound
HELLRAISER 3: Hell on Earth
HELLRAISER 4: Bloodline


von Christian Mester

Ursprünglich sollte der erste Film
SADOMASOCHISTS FROM BEYOND THE GRAVE heißen

HELLRAISER - DAS TOR ZUR HÖLLE
HELLRAISER (1987)
Regie: Clive Barker
Cast: Doug Bradley, Ashley Laurence

Anmerkung: Kritik bezieht sich auf die gekürzte, nicht indizierte Fernsehfassung

Story:
Bad Boy Frank (Sean Chapman) erwirbt eines Tages eine kleine Puzzlebox, die unheimliche, Lederkluft tragende Sadomaso-Dämonen herbeiruft und ihn in zum ewigen Leiden in der Hölle verdammt. Als das Blut seines Bruders seine sterblichen Überreste versehentlich wiederbelebt, bringt der zunächst relativ fleischlose Untote seine untreue Schwägerin Julia (Clare Higgins) dazu, ihm Menschenopfer zur Genesung zu bringen. Es gilt zu fliehen, bevor die Kutten des Bösen seine Abkehr bemerken und auch die Schwiegertochter (Ashley Laurence) Verdacht schöpft...

Kurzkritik:
Pinhead und seine Lederfreunde sind seit jeher das Markenzeichen der "Hellraiser" Filme, doch so sehr sie auch Poster, T-Shirts und Bettwäsche zieren mögen, tauchten sie im ersten Teil der Reihe selbst nur sporadisch auf. Im Vordergrund steht die bizarre Liebesgeschichte Julias mit ihrem untoten Lover, die sich recht spannend entwickelt. Gespannt fragt man sich, wie lange die beiden ihr Treiben wohl geheim halten können - meucheln sie doch munter auf dem Dachboden ihrer Familie, und, wie man sich trotz der 80er mit dieser Fönfrisur nach draußen wagen konnte. Ihr Miteinander ist interessant, erreicht aber nie die Stärken der Buchvorlage "The Hellbound Heart", da Chapman, Higgins und Laurence nicht die fähigsten Darsteller unter der Sonne sind. Sie sind nicht schlecht, aber es wird Barkers hervorragender Schreibe nicht gerecht.

Außerordentlich gelungen ist dafür Christopher Youngs Score, der "Hellraiser" majestätisch untermalt und die Ereignisse gleich zehnmal bedeutender wirken lässt (Young würde später noch "Love Happens" und "When in Rome - Fünf Männer sind vier zuviel" vertonen). Ebenso gut ist die Effekt-Crew, die für die blasse Million Dollar schier Erstaunliches leistet; die Auferstehung Franks von den Toten darf fraglos zu den besten Genreszenen aller Zeiten gezählt werden, auch die Schlussszene ist legendär. Barker selbst zeigt sich hier als passabler Regisseur, teilweise sehr gut, teilweise abfallend. Da zwei (dieser und "Cabal - Die Brut der Nacht") seiner drei Filme (der andere ist "Lord of Illusions") gut waren, hätte er ruhig noch weitere versuchen sollen.

Dann wären da natürlich noch die Smacks der Milchschüssel, die Zenobiten. Pinhead, der im ersten Film übrigens noch keinen Namen hatte und nur "Chef-Zenobit" genannt wurde, zeigt sich als intelligente, erhaben wirkende Horrorikone die zwar nur am Rande erscheint, dafür aber mächtig Eindruck hinterlässt. Er, der weibliche Zenobit und Butterball, der leicht übergewichtige Moppelkopf, der auch nachts Sonnenbrille trägt, sind Dienstleister der Hölle. Im Gegensatz zum "Wishmaster" legen sie ihren Spieler allerdings nicht mit Tricks herein, sondern sehen jeden Boxdrücker als Kunden, der unendliche Qualen in der Hölle bestellt (ein Premium-Service für jeden S&M-Fan, dem Auspeitschen nicht mehr genügt). Sie sind so gesehen keine Bösewichte, nur eine übernatürliche Macht, mit der man offensichtlich nicht spielen sollte. Eine, die in den Sequels dann gnadenlos ausgeschlachtet wurde...

Fazit:
"Hellraiser" langt nicht ganz an Genrespitzen wie "Halloween - Die Nacht des Grauens" heran, ist aber dennoch einer der wichtigsten Horrortitel der 80er und ein Meilenstein des Genres.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

 

Tobin Bell am Set von SAW 7?

HELLBOUND: HELLRAISER 2 (1985)
Regie: Tony Randel
Cast: Doug Bradley, Ashley Lawrence

Anmerkung: Kritik bezieht sich auf die gekürzte, nicht indizierte Fernsehfassung

Story:
Mit Hilfe einer blutigen Matratze erweckt Psychiater Dr. Channard (Kenneth Cranham) Julia wieder von den Toten auf. Derweil kommt die in Channards Anstalt eingelieferte Kirsty einen Hilferuf aus der Hölle, der sie vermuten lässt, dass ihr Vater fiese Pein erleidet. Als die Zimmernachbarin aus Versehen dort landet, folgt sie ihr...

Kurzkritik:
Nach dem ersten Film hat man natürlich viele Fragen: Wie sieht die Hölle aus, wie wird man zum hauptberuflichen Zenobit, wer ist der Höllenchef und wie kamen überhaupt die Nägel in Pinheads Kopf? Fragen über Fragen, die im Sequel leider alle beantwortet werden. Leider, da jede angeführte Erklärung den Erstling ein Stückchen entmystifiziert und fast jede Antwort eine schwache ist: die Hölle ist ein ewiges Labyrinth graugrüner Wände, das Sagen hat ein fliegender Stein ohne Gesicht (Sean Connerys "Zardoz" lässt grüßen), Pinheads Verwandlung wird schon in den ersten Sekunden gezeigt. Dass Werdegänge einer Horrorikone noch nie wirklich funktionierten, bewiesen zuletzt "Hannibal Rising", "The Texas Chainsaw Massacre 2: The Beginning" und "Rob Zombie's Halloween"; es hilft auch "Hellraiser" in keinster Form, die mysteriöse Figur Pinhead oder ihre Beweggründe genauer erklärt zu haben. Im Gegenteil, es nimmt dem Ganzen an Anspruch und wird im Filmverlauf noch verschlimmert, denn Pinhead wird plötzlich zum geläuterten Helden und zusammen mit seinen S&M Amigos aus dem ersten Teil (und einem Neuzugang: dem augenlosen Zähneklapperer Chatterer) von einem aufstrebenden Neuling traktiert (was in etwa so ist, als wäre der Hai in "Der weiße Hai 2" von einem Orca gemampft worden und nicht anders herum).

"Hellraiser 2" ist dennoch kein schlechter Film, nur einfach keine gelungene "Hellraiser" Fortsetzung. Hickox' Teil 2 verlängert die Love-Story des ersten Teils, fokussiert sich jedoch mehr auf den verrückten Doktor der Anstalt und die bereits bekannte Kirsty und ihre Nachforschungen. Da diese zu vielen (ungewollten) Antworten führt und der Film zum großen Teil in der Hölle spielt, ist das Sequel kein echter Mystery-Film mehr; es stützt sich auf die Fantasy-Aspekte des Erstlings und wird damit fast zur Gruselvariante der "unendlichen Geschichte".

Während Clare Higgins im zweiten Teil wesentlich besser als im ersten ist, hat Laurence nichts dazu gelernt. Es hilft hier auch nicht, mit einem stummen Mädchen zusammengelegt zu werden, die vollkommen charakterlos durch die Gänge eiert und wohl eine leicht ältere Fassung von Newt aus "Aliens" darstellen soll. "Hellbound" sieht aufwendiger als der letzte Teil aus und genießt zudem wieder Christopher Youngs Score, der das höllische Geschehen zum Spaß macht.

Fazit:
Ob man "Hellraiser 2" gelungen findet oder nicht, kommt ganz auf den persönlichen Geschmack an. Will man möglichst viel über die Hintergründe erfahren ist es ein hervorragendes Sequel, das nahezu alle offenen Fragen beantwortet. Tappt man lieber im gruseligen Dunkeln, ist es eine unnötige Offenlegung aller Geheimnisse. Nichtsdestotrotz ist es ein kompetent inszenierter, guter Genrestreifen.

6 / 10

HELLRAISER vs. New York, wie in
FREITAG DER 13TE: TODESFALLE MANHATTAN

HELLRAISER 3: HELL ON EARTH (1990)
Regie: Anthony Hickox
Cast: Doug Bradley, Terri Farrell

Anmerkung: Kritik bezieht sich auf die gekürzte, nicht indizierte DVD-Fassung

Story:
Eine Reporterin (Terri Farrell) ermittelt in einem mysteriösen Krankenhausfall und erfährt, dass ein stupider Discothekenbesitzer die kürzlich in eine Steinsäule verbannten Höllenwesen wieder befreit hat... 

Kurzkritik:
Aufmerksame Augen stellen fest, dass das Covermotiv des dritten Films dreist vom ersten Teil geklaut wurde: es ist tatsächlich das gleiche Pinhead-Foto mit ausgetauschtem Hintergrund. Ein schlechtes Omen, das auf Schlechtes gefasst machen sollte. "Hellraiser 3: Hell on Earth" ist der Action-"Hellraiser", da Pinhead und seine Freunde dieses Mal Clubs und Straßenzüge aufmischen. Es gibt gleich fünf neue Partner: der CD-Player Zenobit wirft mit tödlichen CDs, ein Kameramann-Cenobit schlägt mit Linsen, ein Wirt Zenobit macht tödliche Shakes, ein anderer hat einen Kolbenkopf und eine neue weibliche Zenobitin raucht mit offenem Hals. So meschugge die neuen Einfälle klingen mögen, desto alberner sind sie im Film selbst. Umso alberner ist es, wenn diese plötzlich gegen Polizisten kämpfen und Autos in die Luft jagen.

Anthony Hickox, der später diverse Lundgren und Seagal Filme drehen sollte, versucht "Hellraiser 3" zum actionreichen Trilogieabschluss zu machen, verkaspert sich jedoch in jeder Hinsicht. Es reicht nicht, dass er neue, blödsinnige Zenobiten einführt, er muss einen der größten Mängel des letzten Teils noch einmal wiederholen und ausweiten: Pinheads gutes Gewissen anzupeilen und wieder auf seine menschlichen Hintergründe einzugehen. Pinhead selbst hat nichts mehr von der vorherigen Erhabenheit; im Versuch, auf den zeitgleichen Erfolg der "A Nightmare on Elm Street" Reihe aufzuspringen wird er zum Oneliner reißenden Showmaster, der sich charakterlich sehr von seinen vorherigen Inkarnationen unterscheidet.

Hickox' Regie schwächelt, da sich die hanebüchene Handlung viel zu ernst nimmt, fällt aber für 80er Jahre gut gemacht aus (bis auf die Tatsache, dass der Angriff der Hölle auf die Erde auf eine handvoll Wesen beschränkt wird, die dann relativ wenig machen). Darüber hinaus ist Terri Farrell eine der schwächsten Hauptdarstellerinnen der ganzen Reihe und hat zudem eine der langweiligsten Geschichten. Ein neuer Komponist versucht Youngs Noten nachzuahmen, greift im Pompösen jedoch manches Mal zu tief ins Klangkabinett; die Musik malt dem Film eine Epik, die der Film nicht mal ansatzweise erfüllen kann.

Fazit:
"Hellraiser 3: Hell on Earth" ist Hellraisers eigene Hölle, denn strauchelte Pinheads Ansehen schon im zweiten Teil, wird er im dritten kompromisslos in den Abgrund getreten. Was ihn vor tieferen Regionen bewahrt, ist kompetente Umsetzung und ein stetig charismatischer Bradley... von hier fehlte nicht mehr viel bis zu einer Pinhead Tanzszene.

3,5 / 10

Regisseur Kevin Yagher erfand
CHUCKYs Look

HELLRAISER 4: BLOODLINE (1996)
Regie: Kevin Yagher
Cast: Doug Bradley

Anmerkung: Kritik bezieht sich auf die gekürzte, nicht indizierte DVD-Fassung

Story:
In der Zukunft ruft Wissenschaftler Paul Merchant (Bruce Ramsey) Pinhead und die Zenobiten zu sich auf ein Raumschiff, um sie ein für alle Mal zu vernichten. Sein Urahn hatte die Schöpfung der Puzzlebox beobachtet, jetzt will er als Nachfahr dafür sorgen, dass sie nie wieder entkommen können. Dumm nur, dass mitten im Experiment Soldaten auftauchen und sein Werk bedrohen...

Kurzkritik:
"Hellraiser im Weltraum". Die Logline lässt schon nichts Gutes erahnen, zeigten sich andere Abstecher in die Tiefen des weiten Raumes ("Leprechaun 4: Space Platoon", "Dracula 3000", "Critters 4")  abgesehen von "Freitag, der 13. X: Jason X" bereits als gewaltige Fehltritte. Jetzt auch noch Höllenhorror in Schwerelosigkeit?

Beim zehnten "Freitag" funktionierte das sehr gut, da sich der Film nicht ernst nahm und über sich selbst lachen konnte, "Hellraiser 4: Bloodline" hingegen nimmt sich nach dem albernen dritten Teil wieder voller, was überraschender Weise sogar funktioniert. Die in drei Epochen spielende Handlung ist ambitioniert und erzählt eine interessante Geschichte. "Bloodline" krankt jedoch unter Produktionskonflikten, denn die Producer griffen erheblich in Yaghers Pläne ein und waren der Meinung, Pinhead müsse plötzlich schon früher auftreten. Die Eingriffe in seine kreative Arbeit wurden so störend, dass er bald aufgab und den Film vorzeitig verließ; Joe Chappelle "Halloween 6: Der Fluch des Michael Myers" sprang für ihn ein, musste jedoch hastig den Rest zusammenkitten.

"Hellraiser 4: Bloodline" führt drei neue Zenobiten ein: Angelique wird als Prinzessin der Hölle beschrieben, die Twins sind zwei verwachsene Zwillinge, Chatter Beast die Hundevariante des bereits bekannten Chatterers. Das neue Team ist besser als das letzte, vor allem Angelique zeigt sich als eine der besseren Schöpfungen. Es enttäuscht jedoch, dass´dem Film offensichtlich der letzte Schliff fehlt. Viele Szenen wirken nicht optimal ausgeleuchtet, wodurch das Raumschiff-Setting manchmal billig aussieht und mit weniger als 90 Minuten eilt man viel zu schnell durch die Kapitel.

Fazit:
"Hellraiser 4: Bloodline" ist besser als es sein Konzept verdient hätte und auch besser als sein verlachter Ruf. Schade ist, dass die Probleme der Produktion offensichtlich sind und eine genauere Überarbeitung ein besseres Ergebnis erzielt hätte.

4,5 / 10


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