BG Kritik:

Hercules


von Christian Westhus

Hercules (USA 2014)
Regisseur: Brett Ratner
Cast: Dwayne Johnson, Ian McShane, John Hurt, Rufus Sewell, Ingrid Bolsø Berdal, Aksel Hennie u.a.

Story:
Hercules, der legendäre Krieger und Zeus-Sohn, soll den König von Thrakien unterstützen, als das Land von einem bösen Tyrannen bedroht wird.

Der zweite Hercules-Film des Jahres und ein erneuter Versuch, den aktuellen Superheldentrend durch Filme der antiken Vorbilder aufzugreifen. Brett Ratners „Hercules“ forscht nach der Wahrheit hinter Heldensagen und Mythen. Obwohl die Abenteuer, Dramen und Tragödien der griechischen Mythologie zu den ältesten überlieferten Schriften der Menschheitsgeschichte gehören, positioniert sich „Hercules“ fast perfekt im zeitgenössischen Mainstreamkino.

Johnson wurde ohnmächtig bei der Szene, als Hercules sich aus den Ketten befreit.


Neue alte Superhelden; Götter, Abkömmlinge der Götter oder übernatürlich starke und kampffähige Männer, die als Retter zur Tat schreiten, häufig aber auch an sich oder ihren Aufgaben scheitern. Basierend auf der „Hercules“ Comicreihe von Steve Moore greift Ratners Film zudem die aktuelle Tendenz auf, hinter die Maske des Helden zu blicken, hinter Mythos und Legende, um den menschlichen Helden als kleines Zahnrad größerer Vorgänge zu zeigen. So wie Christopher Nolan Batman als Idee, nicht als Person, abstrahierte, so wie der neue Spider-Man nur noch ein Testobjekt von Oscorp und seinem eigenem Vater ist, so ist auch Dwayne Johnsons Hercules nicht der antike Held, wie man ihn eigentlich kennt. Obwohl mit reichlich Fantasy-Elementen beworben, zeigt uns nur das Intro Ausschnitte aus den berühmten 12 Arbeiten des Herak… pardon, Hercules. Die lernäische Schlange (Hydra), der erymantische Eber und natürlich die Königstat, die Erlegung des nemeischen Löwen; all dies entpuppt sich als Folklore, als verbal verbreitete Legendenbildung, die den angeblichen Zeus-Sohn zu einem gefürchteten Gegner oder ruhmreichen Krieger macht. Es ist Hercules‘ Neffe Iolaos, der die Reden schwingt, der seinem Onkel den roten Teppich der mythologischen Erwartungshaltung ausbreitet, ehe angekündigter Heros mit seinen treuen Söldner-Freunden im Team zu Werke geht, um Ruhm und insbesondere Gold zu erhalten.

Es ist diese Dekonstruktion des Mythos, die „Hercules“ eine Zeit lang interessant macht und damit nicht nur mit Leichtigkeit über den anderen Hercules Film des Jahres hievt, sondern als Exkurs in Heroismus und Heldenidealen auch vielen aktuellen Kino-Superhelden die Stirn bieten kann. Auch Hercules wird zu einer abstrakten Idee, zu einem Symbol, das gleichzeitig Macht und Gefahr bedeuten kann. Der film stellt und beantwortet die Frage, ob der legendäre Zeus-Sohn auch ein Held sein kann, wenn er bloß ein kräftiger Sterblicher ist. Das ist nicht ohne Reiz, aber natürlich liegt dort nicht das Hauptinteresse des Films. Fetzen soll es und tut es auch – reichlich sogar. Doch die Entmystifizierung des Helden und seiner Welt, bei der plötzlich sogar die historische „vor Christus“ Zeitverortung halbwegs Sinn macht, raubt dem Film auch Unterhaltungspotential. Wenn sämtliche übernatürlichen Elemente nur noch fantastisch aufgeladene Geschichten sind, nur noch Tricks, Täuschungen und Einbildung, enttäuscht der Film häufiger den Unterhaltungswunsch, als dass dafür der angedeutete Ruf nach intellektuellen Themenzusammenhängen befriedigt wird. So wird aus „Hercules“ bald schon „nur“ ein antikes Schlachtengetümmel und ein Kampf gegen einen Tyrannen, in den sich Hercules und Konsorten stürzen. Ein zuweilen arg martialisches und nicht immer zimperliches Gekloppe und Gehacke, das nicht immer perfekt zur eigentlichen Grundaussage des Films passt.

Die Comic Vorlage von Steve Moore heißt "Hercules: The Thracian Wars"


Je länger wir damit zubringen „Team Hercules“ zu beobachten, wie sie König Cotys (John Hurt) beim Kampf gegen den finsteren Unbekannten namens Rhesus helfen, desto mehr irritieren die Flashbacks zur dunklen Vergangenheit des Hercules. Zunächst vage und finster, dann konfus und überhastet blicken wir auf das Schicksal von Hercules‘ Familie, das sich Film (und Comicvorlage) wohl nur aufgehalst haben, weil es irgendwie dazu gehört. Zumindest der Film weiß nicht wirklich, was er mit diesen Hintergründen machen soll, außer dem Hünen emotionale Wunden zu verpassen. Diese trägt Dwayne Johnson mit Stolz, der hier zwar nicht ganz sein volles Charisma ausspielen kann, aber so Unmengen davon hat, dass es für den Großteil des Films reicht. Hercules und seine verhältnismäßig greifbar entworfenen Kollegen machen Spaß, auch wenn Humor nicht jede Szene füllt. Nahezu alle weiteren Figuren sind wahlweise plump, eindimensional oder unwichtig, stören die Mindestanforderungen an Unterhaltung aber kaum.

Das ist auch ein Verdienst des vielfach und vielfach zu Recht kritisierten Regisseurs Brett Ratner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, gefahrlose Durchschnittsware mit Action, Protz und Effekten knapp über Durchschnitt zu inszenieren. Der überwiegend gut getrickste und gut ausgestattete Film langweilt jedenfalls kaum. Weil Team Hercules unterhält, weil Ratners Inszenierung und das Script die meisten Grundvoraussetzungen erfüllen, aber auch weil die interessanten thematischen Ansätze irgendwann der Action die Bühne überlassen und kaum mehr tiefergehend behandelt werden, sondern banaler und oberflächlicher Hintergrund werden. Ein Hintergrund, den dennoch nicht jeder Heldenfilm, ob antik oder „super“, überhaupt versucht aufzubauen.

Fazit:

Unterhaltsames Antik-Gekloppe mit sympathischer Hauptfigur. Überwiegend ordentlich inszeniert und sogar mit ein paar reizvollen Ideen zum Mythos Hercules, macht sich der Film aber auch selbst ein bisschen kleiner und langweiliger als nötig, weil weniger Mythenfantasy drinsteckt, als zuvor suggeriert wurde.

6 / 10
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