Kritik:
Hereafter
Das
Leben danach
von
Christian Mester
HEREAFTER
(2011)
Regie: Clint
Eastwood
Cast: Matt Damon, Cecile de France
Story:
"Hereafter - Das Leben danach" handelt von drei Menschen, die jeweils
auf unterschiedliche Weise mit dem Sensemann konfrontiert werden. Die
Reporterin Marie Lelay (Cecile de France) erlebt eine Todeserfahrung,
als sie bei einem Tsunami-Unglück ertrinkt und rasch
wiederbelebt wird; ein sensibler Junge sieht den tragischen Tod seines
Zwillingsbruders, und das
Medium George Lonegan (Matt Damon), der mit den Toten sprechen kann und
dementsprechend ständig von seinen Mitmenschen gefragt und
gefordert ist, versucht verzweifelt, ein normales
Leben zu führen.
Kritik:
Was passiert, wenn man stirbt? Erstrahlt der berüchtigte
Tunnel
mit dem gleißenden Licht? Gibt es einen Himmel mit
harfenspielenden Engeln, die auf Wolken sitzen? Den Olymp oder Walhalla
mit muskelbepackten Göttern? Vielleicht den
versprochenen Harem mit 342 Jungfrauen? Oder wird man gar als
schmuckes Schnabeltier wiedergeboren? Niemand weiß es fest,
Nachweise gibt es keine, nur Behauptungen, und auch in
Eastwoods neuem gibt es keine klaren Antworten. "Hereafter"
beschäftigt sich mit drei Einzelschicksalen, die jeweils mit
dem Tod zu tun haben und zeigt, wie diese Menschen nachfolgend damit
umgehen. Dafür ist er in drei separate
Geschichten aufgeteilt, die erst am Ende zusammenfinden.
In der ersten Geschichte erlebt Cecile de France ("High Tension") einen
kurzen Augenblick aus Roland Emmerichs "2012", denn beim
Touri-Souvenier Shoppen in Thailand wird sie eines Tages unerwartet von
fiesen CGI-Flutwellen überschwemmt, die ihr kurzzeitig den
Atem
rauben. Die Katastrophe ist keine nach
Hollywood-Maß; sie ist nicht schlecht gemacht, wenn auch
völlig
ungerechtfertigterweise mit einer Oscar-Nominierung versehen,
aber kurz und nicht auf Effekthascherei ausgelegt. Was folgt,
ist ein
melodramatischer Selbstfindungstrip, denn einmal
tot gewesen lässt das Totsein Marie nicht mehr los. Sehr zum
Unverständnis all ihrer Freunde und Kollegen will sie ein
Buch über ihre Erlebnisse schreiben und damit andere
erreichen, die vergleichbares durchmachen mussten. Bis auf den Tsunami
ist Maries Filmgeschichte
jedoch kaum sehenswert, denn de France macht nichts aus ihrer Figur und
schafft es nicht, die Zerissenheit ihrer Gefühle, die
Faszination mit dem Tod, die Notwendigkeit ihres Vorhabsn
emotional so darzustellen, dass man mit ihr fühlt. Dass sie
bei ihrem Vorhaben auf Skepsis stößt, wird
überdies noch mit belanglosen Beziehungsproblemen
verwässert.
Die Geschichte
des Jungen (Frankie McLaren) ist schon ein wenig interessanter,
da sein schwerer Verlust tiefer trifft. Auch aus dieser
Geschichte macht Eastwood nur
wenig; so wie Maries Erlebnis "2012" referenziert, beinhaltet die des
Jungen ein Stück von "Final Destination 3" - auch hier wieder
ohne Action, Spannung, mit Verzicht, und in Dramenform ohne
näheren Grip. Bedauerlich ist, dass sich sein Schicksal
ebenfalls langweilig entwickelt und mit einem Kitschende abgeschlossen
wird, wie es sonst nur in Sonntagnachmittagsfilmen zu sehen ist. Last
but not
least gibt es natürlich noch die Geschichte mit dem 'Star' der
Besetzung, Matt Damon.
Für Damon ist die Rolle des schüchternen, widerwillig
paranormal talentierten George Lonegan ein Klacks, da er sein Talent
kaum beanspruchen muss. Ständig wird er von
verschiedenen Rastlosen belagert, die seine Superkräfte
ausnutzen wollen, doch George hat genug davon, da er selbst darunter
leidet und es ihm vieles erschwert. Was er
schließlich erlebt, wird zur stärksten und einzig
wirklich funktionierenden Szene des Films (auch diese findet
Verwandtschaft, in "The Sixth Sense"). George verguckt sich beim
Kochkurs in seine liebreizende Partnerin (Bryce Dallas Howard) und
nimmt sie entgegen seiner Erwartungen sogar recht früh mit
nach Haus. Was jedoch als bescheidener Abend, als Anfang einer
möglichen süßen Beziehung beginnt, endet in
Tränen. Damon und
Howard spielen ihre Momente gut, doch auch bei ihnen fehlt es an
wirklicher Resonanz. Lonegan funktioniert noch am ehesten, da sein
schwerster Moment erst später kommt,
erst nachdem eine Sympathie aufgebaut wurde. Bei dem Jungen und der
Reporterin kommt die prägnante Tragödie direkt zu
Anfang, noch bevor man sie kennen und mögen lernen
könnte; demzufolge
sind ihre Schicksale weit weniger ergreifend, da man sie als Zuschauer
nur so kennt.
"Hereafters" größtes Problem ist, dass er sich nicht
entscheiden kann, welchen Weg er nun einschlagen will. Für ein
Charakterdrama sind die Rollen zu schwach geschrieben und
insgesamt auch zu schwach gespielt, für ein emotionales Drama
greifen die Emotionen nicht. Anstatt drei verschiedene Geschichten zu
erzählen, die am Ende keine bedeutende
Verknüpfung finden, hätte man sich besser auf nur
eine konzentriert und mehr aus dieser gemacht. Die Episodenform schadet
dem Film nur, da man sich von einem schwachen Schicksals ins
nächste begibt. Was fehlt, ist ein Aha-Moment, eine umfassende
Szene, die die Verknüpfung der drei Episoden
zusammenschnüren könnte oder durch die sich eine
Message ergibt. Die
einzige Message ist jedoch, dass Tote im Jenseits wahrscheinlich
glücklich sind - oberflächliches Kitschkino ohne
tieferen Belang.
Inszenatorisch ist "Hereafter - Das Leben danach" relativ solide
eingefangen, sieht aber nicht so schick aus wie "Gran Torino" und
"Million Dollar Baby", auch die Musik ist
nur gut und nichts, was im Leben nach dem Kinogang noch länger
im Ohr herumgeistern würde. Vom Look her erinnert er am
ehesten an Eastwoods Krimi "Mystic River", nur dass der wesentlich
besser gespielt war, eine interessantere Handlung
bot und nicht von Anfang bis Ende in der gleichen melancholischen
Teamtrauerstimmung schipperte. Es ist schwierig, ein Zielpublikum zu
benennen.
"Hereafter" ist kein schlechter Film, aber ein wirkungsloses Drama mit
nichtssagenden Performances und ebenso egaler Handlung. Ein
Hochglanzmelodram, das so auch als TV-Film
der Woche laufen könnte... würde Matt Damon in
solchen mitspielen. Wer in Trauer ist, für den könnte
die relativ positive Message des Films Mut machen, doch eine Empfehlung
ist auch hier fragwürdig, da der Film zunächst
verlangt, die Tragik dieser Figuren zu ertragen, mitzutragen... auch
wenn ihm das emotional kaum gelingt.
Fazit:
Ein
kitschtrunkenes Melodram, das mit einigen Abstrichen auch als Sat 1
TV-Film der Woche laufen könnte. Kann man sich mit gesenkten
Erwartungen ansehen, doch für einen Damon und Eastwood ist es
enttäuschend.
3,5 /
10
10
- Meisterwerk
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6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
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