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Kritik:
Hitchcock


von Christian Westhus

HITCHCOCK
(2013)
Regie: Sacha Gervasi
Cast: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson

Story:
1959: Alfred Hitchcock ist einer der erfolgreichsten Filmemacher Hollywoods und bereitet seinen nächsten Film vor. Er wählt den Roman „Psycho“ aus, doch Studios und Produzenten sind nicht bereit, das vermeintlich perverse und gewalttätige Werk zu produzieren. Hitchcock produziert den Film selbst, sehr zur Sorge seiner Frau Alma, deren Einfluss auf seine Filme Hitch lange Zeit nicht würdigen kann. Hitchcock muss gegen sein Ego und für seinen Film, für seine Ehe kämpfen.

Kritik:
Alfred Hitchcock ist eine Ikone der Filmgeschichte. Nicht nur sind unter seinen mehr als 50 Spielfilmen gleich mehrere Meisterwerke, nicht nur waren seine stilistischen und narrativen Ideen überaus einflussreich und werden bis heute aufgegriffen, weiterentwickelt und kopiert, Alfred Hitchcock inszenierte sich auch selbst. Wie eigentlich kein Regisseur seiner Zeit (oder überhaupt) kennen wir Alfred Hitchcock als Person, können ihn als Person erkennen. Seine Fernsehserien und -auftritte, seine Bücher und natürlich die vielen kurzen Gastauftritte in seinen Filmen formten das Bild von Alfred Hitchcock im Gedächtnis von Popkultur und Filmhistorie. Dass wir die reale Person, den Menschen Alfred Hitchcock dennoch nicht kennen, ist nicht verwunderlich. Jede Person des öffentlichen Lebens hat eine private Seite und spielt in der Öffentlichkeit, wie stark auch immer, eine mehr oder weniger andere Rolle. 

Über den Menschen Alfred Hitchcock ist viel geschrieben worden. Sein schwarzer Humor, seine Faszination für Mord und Kriminalität, oder seine Versessenheit in seine blonden Hauptdarstellerinnen sind ausreichend dokumentiert. Der simpel betitelte Film „Hitchcock“ will uns nun die privateren, intimeren Seiten des Meisters zeigen und müht sich redlich, dem Monument Alfred Hitchcock ein paar Kratzer zuzufügen. Hitchcock das notgeile, impotente, herrschsüchtige Monster, das seine Darstellerinnen durch ein geheimes Guckloch bei der Kostümprobe beobachtet und seine Frau als herrischer Tyrann ständig zur Seite schubst. Ehefrau Alma Reville, seit jeher bei vielen Filmen an Script, Produktion oder Schnitt beteiligt, wurde nie ausreichend gewürdigt. Genau das ist die zweite Seite des Films, eine Apologie und Verehrung für Alma Reville, die im übergroßen Schatten des großen Alfred Hitchcock nicht nur die Ehe, sondern auch die Filme des Meisters zusammenhielt und dabei so viel stillschweigend erdulden musste.

Und das wär’s auch schon mit dem Film. Hitch das Monster, das sich vor dem eigenen Körper ekelt und nach unerreichbaren Frauen sehnt, die er mit Frustration und Wollust bei den Dreharbeiten quält, und Alma Reville die gute Fee des Hauses, die eine unabhängige Karriere sucht, sich aber immer wieder dem Gemeinschaftsprojekt Alfred Hitchcock unterordnet. „Hitchcock“ ist ein banaler Film, einer, über dessen Inhalt man besser Tatsachenberichte und Filmbücher lesen sollte, statt den nett visualisierten, aber auch verfremdend stilisierten Film zu ernst zu nehmen. Wirklich viel steckt nicht dahinter, nicht hinter dem Hitch/Alma Ehestreit und schon gar nicht hinter der Entstehung von „Psycho“. Der aus heutiger Sicht wohl bekannteste Film des Meisters ist ein bloßer Aufhänger, weht als leere Hülle mal hier, mal dort, ohne viel zur Handlung, zu den Figuren oder der porträtierten Zeit beizutragen. 

Die Kontroverse, rund um die Gewalt, die sexuellen Themen und die legendäre Duschszene, werden kurz angerissen und beschränken sich auf empörtes Kopfschütteln der Presse, Ablehnung der Produzenten und gebannte Spannung der späteren Zuschauer. Wir wissen ja nun mal, was aus „Psycho“ wurde. Hitch, den Anthony Hopkins mit viel Spaß viel zu nah an der Karikatur spielt, hat zwei, drei imaginierte „Treffen“ mit Ed Gein, dem Serienmörder, der „Psycho“ inspirierte. Es ist mehr Spielerei denn Kniff, geht es in den Gesprächen doch um erschreckend wenig. Folgerichtig lässt Regisseur Sacha Gervasi den Kram dann auch baldigst sein, was jedoch nur noch mehr Irritationen hervorruft. Aus dem Gespann Janet Leigh und Vera Miles (Scarlett Johansson und Jessica Biel) hätte man sogar was Interessantes machen können. Miles als Hitchs ehemalige Hoffnung, die sich für ein Leben als Ehefrau und Mutter entschieden hat, Leigh die kesse Neue, die nach dem Willen des Maestros nicht denselben Fehler wie Miles begehen soll. Doch beide sind nur Staffage in einem Film, der gar nicht wirklich zu wissen scheint, was er eigentlich interessant findet. Außer eben dem nach zehn Minuten komplett durchschauten Konflikt zwischen Alma und Hitch. Anthony Perkins spielt fast gar keine Rolle und Danny Huston als konkurrierender Autor ist auch zu schwammig gezeichnet, um wirklich in positiver Form zum Film beizutragen. Bleibt Helen Mirren, die die eigentlich simpel gezeichnete Alma Rolle mit Sarkasmus und emotionaler Tiefe aufwertet und den Film damit fast alleine vor der totalen Bedeutungslosigkeit bewahrt.

Fazit:
Ein banales und wenig interessantes Filmchen, das keine großen Neuerungen im Verständnis der Figur Alfred Hitchcock zu Tage führt. Nach irgendwelchen aufschlussreichen Hintergründen zu „Psycho“ sucht man ebenfalls vergebens. Helen Mirren in der heimlichen Hauptrolle bewahrt das inhaltlich nicht wirklich reizvolle, aber auffällig visualisierte Drama vor dem Totalabsturz. Lieber über Hitchcock lesen oder einen Film des Meisters gucken.

4 / 10

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