BG Kritik:

Homefront


von Michael Eßmann

Homefront (USA, 2014)
Regisseur: Gary Fleder
Cast: Jason Statham, James Franco, Winona Ryder, Kate Bosworth

Story:
Der ehemalige DEA-Agent Phil Broker (Jason Statham) zieht mit seiner kleinen Tochter Maddy in ein oberflächlich betrachtet beschauliches Städtchen in Louisiana, wo er durch eine Verkettung von Umständen bald mitten in einem Krieg mit dem örtlichen Meth-King Gator (James Franco) und ungemütlichen Bikern aus der eigenen Vergangenheit gerät.



Nach einem wenig glücklichen Einsatz im Opener, verschlägt es den ehemaligen DEA-Agenten Phil Broker zwei Jahre später, und nach dem Tod seiner Frau in deren Heimatstaat Louisiana, wo er mit der 10 jährigen Tochter Maddy ein ruhiges und normales Leben auf dem Land beginnen will. Umgeben von der wunderschönen, fast malerischen Landschaft Louisianas, soll es von nun an abendliche Ausritte mit den Pferden, anstatt Taxi-Fahrten und dunkle Gassen in der Großstadt geben. Kaum angekommen ändert sich allerdings alles Schlag auf Schlag, als Maddy von einem älteren Schulkameraden drangsaliert wird. Aber anders als man es wohl von einem typischen Mädchen erwarten würde, vermöbelt die Kleine den körperlich deutlich überlegenden Jungen, da Daddy ihr beigebracht hat, sich in Notwehr zu verteidigen. Als Daddy Statham dann auch noch in dieselbe Situation mit dem wutentbrannten Vater des vermöbelten Rüpels kommt, gerät die Situation langsam aber sicher außer Kontrolle.

Drehbuch Stallone, Hauptrolle Statham


Hauptrolle Jason Statham, Drehbuch Sylvester Stallone. Damit sind die Weichen gestellt, und der Action-Express kann in Kinosaal 1 einlaufen. Und um es direkt vorweg zu nehmen, das macht er, und auch phasenweise unter gehörigem Dampf im Kessel des Triebwagens. Und so altmodisch, fast antiquiert wie die Dampflokomotive im modernen Schienenalltag, so ist auch „Homefront“ eine Kuriosität aus der Vergangenheit. Ein Produkt, - wenn schon nicht aus vergangenen Zeiten stammend - aber doch sichtlich davon inspiriert und angelehnt an Zeiten, in denen die Kinosäle zuerst die Heimat eines Charles Bronson und dann später von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone waren. Eben hartes und kompromissloses Action-Kino, im Stil der 70er und frühen 80er Jahre. Da gab es Gute und Böse, und der Held hatte nicht viel mehr zu sagen, als an Text auf eine Schachtel Zigaretten passte. Und ziemlich genau in diese Kerbe schlägt nun auch der aktuelle Statham. Ein fast reaktionäres Stück Kino, und das ist in diesem Fall absolut positiv gemeint, denn „Homefront“ ist ein Film für Action-Fans der alten Schule.

Als Regisseur haben die beiden „Expendables“ Kollegen hierfür den Regie-Routinier Gary Fleder („… denn zum Küssen sind sie da“, „Das Urteil – Jeder ist käuflich“) auserkoren, und dieser macht auch offenkundig vieles richtig. So verzichtet Fleder weitestgehend auf (sichtbare) Unterstützung aus dem Computer, und setzt stattdessen auf gute alte und vor allem Handgemachte Hilfsmittel, um seine Vision Gestalt annehmen zu lassen. Ganz vorne hierbei die Bloodpacks, also jene realen Kunstblut-Päckchen, die einst ein Paul Verhoeven fast zur Kunstform auserkor. So weit wie sein niederländischer Kollege geht der US-Amerikaner Fleder dann zwar nicht, aber es spritzt schon ordentlich, wenn das Blei pfundweise in die Körper der bösen Buben einschlägt. Das Ganze sehr Trocken, fast gänzlich humorlos und ohne jedwede Spur von Ironie,- und nur von ein paar wenigen kurzen Onelinern durchbrochen - inszeniert Gary Fleder das Skript sehr zielsicher und ohne größere Schlenker oder Umwege. Halt geradeaus und voll auf die Zwölf.

Franco als Gegenspieler Stathams?


Geben sich Story und Ausstattung eher klassisch, so holt man allerdings über die Inszenierung und den schnellen Schnitt, zumindest in der Theorie auch die Fans des modernen Action-Kinos an Bord. Eine ausgefallene Choreografie darf man hier allerdings nicht erwartet, stattdessen gibt es kurze aber mächtig unter Dampf stehende Action, bei der Statham das tut, was er mit am besten kann: Ärsche treten, und Knochen brechen. Leider fehlt dafür aber ein richtiger Gegner, der auch körperlich was kann. Hier bot sich Frank Grillo als Anführer des anrückenden Biker-Trupps zwar geradezu an, verbleibt aber ungenutzt, denn der Fight zwischen Ihm und dem Helden kommt nie richtig in Fahrt, und kaum hat er begonnen ist er auch schon wieder vorbei. Stattdessen übernimmt der von James Franco gespielte Gator (der Onkel des Schulhof-Rüpels) die Rolle des Hauptgegenspielers. Was der White-Trash Meth-Koch und Möchtegern Mastermind mit Ambitionen auf ein landesweites Drogen-Vertriebsnetzt aber ganz offenkundig nicht ist. Denn nach einer wirklich gelungenen Einführung, - in der Gator mit einem Baseballschläger seine Argumente der Konkurrenz näher bringt - kommt von der Figur nicht mehr viel, und von dem Psychospiele betreibendem Irren, bleibt nur die Erinnerung. Seinem Film-Ruf wird Gator kaum gerecht, da er deutlich überfordert von Brokers Aktionen wirkt.

Aber Franco schien zumindest viel Spaß an der Rolle zu haben, denn seine Spielfreude ist unübersehbar. Als ein gleichwertig wirkender Bösewicht für Ex-Drogenfahnder Phil Broker funktioniert Gator allerdings kaum, da dessen Aktionen eher planlos wirken, und er auch körperlich deutlich unterlegen ist. Das kostet viel an möglicher Spannung. Als Ausgleich gibt es aber eine Reihe namenlose Handlanger, und diese bieten dem Ex-Cop in der gelungenen Mann gegen Mann Action die Stirn, sind aber auch kaum mehr als ein Snack für den kampferprobten harten Kerl. Halt typisches Kanonenfutter, welches nach saftigen Treffern, blutig zu Boden geht. Trotzdem liegen hier die unübersehbaren Stärken des Films. Eben in den kurzen, knackigen aber knallharten Gewaltexplosionen. Allerdings solchen, die innerhalb der Filmlogik moralisch und ethisch vertretbar sind, da sie mangels alternativer Maßnahmen als unumgänglich deklariert, und in Teilen sogar erzieherischem Ursprungs sind.

Statham selbst überzeugt wie eigentlich immer und gibt hier die besorgte Daddy-Version der Action-Standard-Rolle, des wortkargen harten Hundes, der nur noch seine Ruhe und die Vergangenheit voller Gewalt hinter sich lassen will. An seiner Seite steht die kleine Izabela Vidovic als Filmtochter Maddy, und diese ist eine kleine Entdeckung, der man die Rolle der ganz nach dem Vater schlagenden Tochter absolut abnimmt. In Nebenrollen sind zudem noch Winona Ryder und Kate Bosworth anzutreffen, wobei Letztere hier eine famose Performance als White-Trash Junkie abliefert, und kaum mehr wieder zu erkennen ist. Das Alles macht „Homefront“ zu einem grundsoliden Actionfilm, der gute Nebenfiguren hat aber keinen starken Hauptbösewicht vorweisen kann. Zudem hätten den knapp 100 Minuten ein bisschen weniger Ruhephasen und ein- bis dreimal öfter harte (Kopf)Stöße verteilen gut getan. Trotzdem ist „Homefront“ immer wenn es knallt, kracht und scheppert, eine Wucht.

Fazit:

„Homefront“ erfindet das Gene absolut nicht neu, bedient sich aber durchaus gekonnt gängiger Handlungsdetails und Mechanismen und kreiert daraus einen ordentlichen Action-Happen für zwischendurch, in dem Statham das tut, was er am besten kann. Wer mit „Safe“ oder „Killer Elite“ auch nur etwas anfangen konnte, macht hier absolut nichts falsch, und für Fans vom klassischen Mann gegen Mann und bleihaltigem Action-Kino ist „Homefront“ daher eigentlich trotz einiger Längen ein Muss.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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