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KRITIK:
THE HUMAN CENTIPEDE
von
Christian Westhus
THE HUMAN CENTIPEDE (FIRST SEQUENCE) (2010)
Regie: Tom Six
Cast: Dieter Laser
Story:
Als zwei Touristinnen auf dem Weg zu einer Party
vom Weg abkommen, klingeln sie beim nahen Anwesen
Dr. Heiters (Dieter Laser). Der seltsam wirkende,
ehemalige Arzt betäubt die ahnungslosen Frauen gegen
ihren Willen und präsentiert ihnen und einem dritten
Gefangenen sein wirres Vorhaben: er plant, sie alle
drei aneinander zu operieren...
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2011 kommt eine Fortsetzung namens THE HUMAN
CENTIPEDE - FULL SEQUENCE,
es gibt Ideen für einen dritten Teil. |
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Kritik:
Lauwarmer Semi-Hype um eine kranke Idee und nichts
weiter. Der Niederländer Tom Six hat es immerhin
vollbracht, dem Folterhorror kurz vor dessen
Abnippeln noch eine „neue“ Facette abzugewinnen.
Darum hat ihn natürlich niemand gebeten, aber auf so
einen Kram muss man erst mal kommen. Die
entsprechenden internationalen Internetseiten gingen
auch sogleich voll drauf ab und Six darf sich die
Hände reiben, weil er das Maximum aus einem miesen
Film herausgeholt hat. Zumindest an Außenwirkung in
den Medien. Six verlässt sich auf den beinahe
universell feststehenden Fakt, dass der menschliche
Tausendfüßler ganz doll igittikotz ist. Mund an
Hintern, dazu ein geteiltes Darmsystem – echt
lecker. Blöd nur, dass sich Six auch darauf
verlässt, dass der innere Ekel des Zuschauers
ausreicht und der Film zum Selbstläufer wird, denn
abgesehen vom irren Plan des Doktors gibt es keine
echte Idee im Film. Der Film ist die Idee und die
Idee ist bescheuert. Die Beantwortung des großen
‚Warum?’ war natürlich nicht zu erwarten, aber nicht
mal der Doktor liefert einen Ansatz, warum er
unbedingt Leute aneinander tackern will. Er macht es
einfach. Basta. Tolle Wurst, denken sich da auch die
drei Opfer, als sie die Konsequenzen des Plans
überdenken.
90 Minuten lang dürfen wir also mit ansehen, wie
drei unzureichend behandelte Opfer mit
Sympathievakuum die Tortur erdulden müssen, damit
leben müssen und halbherzig die Flucht planen. Damit
ist Six irgendwie konsequenter, weil er den
Folterhorror bei der Wurzel packt und ihn der
Sinnlosigkeit preisgibt. „The Human Centipede“ ist
die nervtötend langweilige Zurschaustellung eines
perfiden Experiments, mit vernachlässigbarem
Beiwerk. Mit einer kaum bemerkbaren Dramaturgie
handelt Six die notwendigen Übel der
Genrekonventionen ab und gibt dem Zuschauer
ansonsten immer mal wieder Grund zum Würgen, wenn
der Tausendfüßlerkopf verkündet, er müsse mal groß
aufs Klo. Da ist unfreiwillige Komik vorprogrammiert
und vielleicht, ja, vielleicht war das die geheime
Intention von Regisseur und Drehbuchautor Tom Six.
Eine pechschwarze Komödie, rund um ein absurdes
Experiment. Man hat dann die Wahl: Entweder ist der
Film eine unfassbar langweilige Komödie oder ein
unfassbar langweiliger Horrorfilm. Beschissen ist
der Film in jedem Falle. Six inszeniert ein
absolutes Inhaltsnichts und zelebriert Langeweile in
Zeitlupe. Optisch ist der Film ein ödes Mus aus
sterilem Weiß und Grau, während ein polternder
Soundtrack suggeriert, die uninspirierten Eindrücke
aus dem Haus des Doktors seien spannend oder
unheimlich.
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Im zweiten Film soll es eine
Zwölfer-Centipede geben |
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Das
Drehbuch lockt uns zunächst noch mit Backwood
Klischees. Zwei amerikanische Frauen im fernen
Deutschland, die sich wie die Axt im Wald benehmen,
nämlich blind ohne helfende Hand. Im Wald sitzen sie
dann auch baldigst fest, werden in einer schreiend
dämlichen Szene blöd angemacht und geraten in ein
Unwetter. Ergo suchen sie sich einen Unterschlupf
oder eine Möglichkeit, ein Taxi zu rufen, weil in
den tiefsten Untiefen des deutschen Waldgebietes ja
genregetreu kein Empfang ist. Und so geraten sie an
ein Häuschen im Wald. Ohne Pfefferkuchen, aber die
Sachlage ist dennoch klar. Hier wohnt kein
freundlich gesinnter Ritter mit heißem Kakao,
sondern ein irrer Ex-Doktor mit übersteigertem
Gottkomplex. Eigentlich eine ganz spannende
Ausgangssituation, das bange Warten, wann der
Pseudo-Mengele sich verrät oder wann die Mädels
schnallen, was sie erwartet. Doch dann öffnet Dieter
Laser die Tür. Der Dieter heißt wirklich so und
spielt die Rolle des Dr. Heiter mit aufdringlicher
Boshaftigkeit. Und er sieht schon aus, als spiele
ein Klaus Kinski auf Valium Frankensteins Monster.
Nur unsere Mädels erkennen die Offensichtlichkeit
des drohenden Unheils nicht, wissen sich aber
natürlich auch nicht anders zu helfen.
Tja, und dann passiert’s. Laser grimassiert sich
einen Wolf, wie er immerhin erklärt, was die
Betroffenen gleich erwartet. Den Faktor „irre“ nimmt
man ihm jedenfalls ab, was die Figur aber auch
gänzlich uninteressant macht. Die Andeutungen von
einem zurückliegenden Experiment lassen jedenfalls
kalt. Der Mittelteil ist elendig zäh, weil das
frisch kreierte Monstrum hilflos durch den Käfig
krabbelt, während Dr. Heiter einer abgeht. Unser Mad
Scientist hat schon vor langer Zeit den Schuss nicht
gehört und damit schließlich doch noch was passiert,
muss der Faktor „Dummheit“ mit aller Macht für neue
Möglichkeiten sorgen. Die Dummheit grassiert bei
allen handelnden Personen und wenn alle Stricke
reißen, tun sich Logiklöcher auf, die in ihrer
offensichtlichen Dämlichkeit schon wieder
bewundernswert sind. Natürlich stolpern mit der Zeit
noch ein, zwei zusätzliche Figuren in die Handlung,
aber wie sich da nicht nachvollziehbares Verhalten
mit idiotischem Gewäsch paart, hält man echt nicht
im Kopf aus.
Der ganze Film ist ein unzureichend durchdachter
Quark. Der Schock als Grundmotivation, an dem man
sich dann aber auch die gesamte Zeit über ergötzen
muss. Mehr ist nicht. Die Atmosphäre ist bedrückend,
aber einseitig und ziemlich schnell öde. Dass Six
nichts zur Rettung des Films eingefallen ist,
beweist auch das Ende, das zwar richtig schön
nihilistisch und böse ist, damit aber auch
unterstreicht, dass die Prämisse als Spielfilm nicht
taugt. Wie Six aus dem aufgeblasenen Nichts noch
mindestens eine Fortsetzung machen will, erschließt
sich nicht. Er verlängert wohl den Tausendfüßler.
Tolle Wurst!
Fazit:
Ultra
langweiliger Schmarren, der sich zu sehr auf die
groteske Grundidee verlässt. Die verpufft nach
wenigen Minuten; der Rest ist dröge inszenierte
Langeweile, mit einigen argen Drehbuchschnitzern.
Egal ob Horror oder schwarze Komödie, der Film taugt
nicht.
2 / 10
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