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KRITIK:
THE HUMAN CENTIPEDE
von
Christian Mester
THE HUMAN CENTIPEDE (FIRST SEQUENCE) (2010)
Regie: Tom Six
Cast: Dieter Laser
Story:
Als zwei Touristinnen auf dem Weg zu einer Party
vom Weg abkommen, klingeln sie beim nahen Anwesen
Dr. Heiters (Dieter Laser). Der seltsam wirkende,
ehemalige Arzt betäubt die ahnungslosen Frauen gegen
ihren Willen und präsentiert ihnen und einem dritten
Gefangenen sein wirres Vorhaben: er plant, sie alle
drei aneinander zu operieren...
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2011 kommt eine Fortsetzung namens THE HUMAN
CENTIPEDE - FULL SEQUENCE,
es gibt Ideen für einen dritten Teil. |
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Kritik:
"Ein verrückter Wissenschaftler näht Leute
Mund-an-Po zusammen" - eine Logline, die 2009
zunächst für Gelächter und dadurch, sicherlich sehr
zum Wohlgefallen des Regisseurs, für jede Menge
Aufmerksamkeit sorgte. Ein perverses, bizarres
Konzept, deren Idee schier meschugge, ja schon fast
comichaft ausfällt (der Begriff "Arschkriecher" wird
hier mal ganz neu definiert, ebenso, "am Arsch" zu
sein)... und dann heißt der schräg ausschauende
Hauptdarsteller auch noch ausgerechnet Dieter
Laser. Versetzt man sich allerdings mal für
einen Moment in die Lage der drei Opfer des zunächst
schwachsinnig anmutenden Experiments, kann einem das
Lachen vergehen.
Jemanden an sein Hinterteil operiert zu bekommen,
ist fraglos alles andere als lustig, allerdings wird
es noch unlustiger, ist man das zweite oder dritte
Stück.... schließlich hat es seine gewissen
Folgeerscheinungen, oral am Verdauungsende eines
anderen zu sitzen. Da wird es ekelig und das war
dann auch schon eine der Hauptfragen, die man sich
bezüglich des Films stellen darf. Würde es nur
plakative Ekelshow sein? Würde es der Regisseur
schaffen, das irrsinnige Konzept geschickt,
spannend, unheimlich zu verwenden? Und vor allem -
würde es ein tatsächlich harter Film werden oder,
ala Eli Roths "Hostel", für Genrefans doch relativ
zahm ausfallen und Schlimmeres der eigenen Fantasie
überlassen?
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Im zweiten Film soll es eine
Zwölfer-Centipede geben |
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Trotz
der albernen Prämisse versucht der Regisseur, das
albern anmutende Konzept als ernsten Film
umzusetzen. "The Human Centipede" will tatsächlich
ein ernstzunehmender Horrorfilm sein, der es
bemüht anstrebt, an bekannte Verrückte-Wissenschaftler
Genreklassiker wie "Der Unsichtbare", "Re-Animator"
oder "Frankenstein" anzuschließen.
Das heißt, dass der Film entgegen ähnlich
bescheuerter Konzepte wie "Tokyo Gore Police" oder "Machine
Girl" nicht lustig intendiert ist, egal wie absurd die
Handlung auch klingen mag. Es ist ein düsterer Film
über einen unheimlichen alten Mann, der in seiner
Freizeit statt Schrebergartenpflege oder
Modelleisenbahnbauen pervers-bizarre Experimente mit
unfreiwilligen Freiwilligen betreibt (Six bewirbt
den Film stolz damit, dass er medizinisch akkurat sei).
Jetzt könnte man glatt vermuten, dass es galliger
Tobak für abgebrühte und goregewohnte
Schlachtfestfans ist, doch überraschenderweise ist
auch das nicht der Fall. Kennt man das Konzept,
kennt man schon alles Schlimme, denn härter als in
den beiliegenden Bildern zur Kritik wird es nicht.
Ekeliger, wenn einer der Drei mal muss, ja, aber
selbst das sieht man ja aufgrund vollends
verborgener Öffnungen nicht. Das ist ekelig,
unangenehm, unbequem, aber
harte, graphische Bilder bleiben außen vor.
Denkt
man mal drüber nach, ist die Grundidee eigentlich herrlich
unheimlich. Ein verrückter Wissenschaftler, der
eigene Wesen schafft, in dem er erdärmliche
Gefangene zusammenoperiert? Hat etwas von einem
fiktiven Dr. Mengele, der nicht umsonst als eine der
schlimmsten Albtraumgestalten deutscher Geschichte
gilt. Besagter Dr. Heiter ist im Film ein ähnlicher deutscher
Gruselarzt. Der 68jährige Dieter Laser, der
hierzulande seit den 70ern kleine unauffällige
Nebenrollen in Film und Fernsehen gespielt hat, ist
ein großartiger Fund, Als Heiter wirkt er kompetent,
aber unheilvoll frei von jeglicher Empathie; er hinterlässt den
Eindruck eines vollkommen gefassten Irren, der genau
weiß, was er tut und sein inhumanes Tun in seinem
perversen Weltbild als legitim ansieht. Dies wird
besonders bei der Vorstellung der anstehenden OP
deutlich, bei der Heiter seine vergebens schreienden
Opfer als Patienten ansieht und empört darüber ist,
dass sie seine weit reichenden Bemühungen, dieses so
wichtige Experiment erfolgreich zu bestreiten, nicht
zu schätzen wissen. Laser macht seine Sache
fantastisch, ist effektiv und fraglos eine der auffälligsten
Horrorfiguren der letzten Jahre.
Über die anderen Darsteller lässt sich nur wenig
sagen. Sie verbringen 90% des Films damit,
verzweifelt schreiend auf Betten zu liegen oder Mund-an-Po genäht nackt und nuschelnd auf vier
Beinen zu wimmern. Fordernd ist das nicht, eher
lobenswert, dass sich überhaupt Schauspieler für
derart demütigende Rollen finden ließen; fordernd
ist viel mehr, sich das in Spielfilmlänge anzusehen. Kritik
lässt sich an Six als Regisseur und Autor verüben,
denn er macht nichts aus dem jämmerlichen Triumvirat
des geteilten Sodbrennens. Er kommt auf die Idee,
dass der Doktor seine Schöpfung Gassi führt und sie
irgendwann auch mal fliehen wollen, doch beides ist
einfallslos und platt inszeniert, derart unorganisch, dass man sogar
darauf zurückgreifen muss, dass sich der
sechsbeinige Superdarm mit vier Busen und Männerkopf
extra dämlich anstellt, um nicht doch irgendwie
Fliehen zu können. Ebenso blöd werden zwei
Polizisten dargestellt, die später auftauchen und
von Mausers Akademie geballter Inkompetenz zu kommen
scheinen. Das sollte Six Leber sensibler angehen,
denn damit rattern die gesamte zweite Hälfte, wenn
nicht sogar zwei Drittel des ganzen Films mit
ausgestreckten Händen bodenlos nach unten.
"The Human Centipede" ist kein besonders guter
Horrorfilm, da er spätestens nach dem erfolgreichen
Zusammenbau zusammensackt und der Rest in
Banalitäten und vorhersehbarem Stuss mündet; selbst
Laser als Heiter kann später nichts mehr groß aus
seiner Rolle machen und bleibt dann nur noch
bewölkt. Der nackte tri-siamesische Nuschelhaufen
nervt irgendwann ebenso wie auftauchende, nicht
zugenähte Logiklöcher und da sich alle drei Parteien
dämlich anstellen, lassen sich die Mäkel später kaum
noch übersehen. Six kann sagen, einen zumindest
ausreichenden Genrestreifen mit originellem Element
entwickelt zu haben, allerdings sollte er sich beim
nächsten und übernächsten Teil (er hält das Konzept
für so klasse, dass er es zum Franchise machen will)
vermehrt darauf stürzen, seine Handlung stärker zu
durchbluten.
Inwiefern es in "The Human Centipede - Full Sequence"
weitergeht, darf man nach Ende dieses Films gespannt
sein. Es sei zwar nichts verraten, aber es ist
durchaus knifflig, sinnvoll und logisch an den
Erstling anzuschließen.
Fazit:
Wer sich
nur selten Horrorfilme anschaut, der sollte von dem
menschlichen Tausendfüssler tunlichst die Fühler
lassen, da es genau genommen ein nur mäßig
spannender Film ist; keineswegs hart, dafür
teils widerwärtig. Genrefans bekommen mit Dr. Heiter
einen der markanteren Bösewichte der letzten Jahre
eingeflösst, werden aber enttäuscht sein, dass sein
Experiment dem "Hype" nicht gerecht wird. Man sagt
ja oft, dass es bei manchen Filmen reiche, den
Trailer zu kennen - bei diesem reicht es schon, den
Namen mal gehört zu haben. Der hier visualisierte,
verlängerte Wanderprozess menschlicher Nahrung von A
nach Gate F gehört nicht unbedingt zu den
Filmexkrementen des Jahres, da gibt es weit
schlechteres, aber lohnenswerter sind
andere 100 Minuten trotzdem alle Male.
3 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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