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Kritik:
Ich bin Nummer Vier


von Christian Mester

I AM NUMBER FOUR (2011)
Regie: DJ Caruso
Darsteller: Alex Pettyfer, Kevin Durand

Story:
John (Alex Pettyfer) ist einer von neun Überlebenden eines fernen Planeten, der sich seit seiner Kindheit auf der Flucht befindet. Die außerirdischen Mogadori haben es sich zum Ziel gemacht, die verbleibenden der Rasse auszulöschen, können dies aufgrund eines Fluches jedoch nur in bestimmter Reihenfolge tun. Nachdem die ersten drei gefunden und ausgelöscht sind gerät John, der sich erstmals verliebt hat und mit seinen Händen leuchten kann, als nächster ins Visier der unerbittlichen Kopfgeldjäger...

Kritik:
Schon beim Lesen der Zusammenfassung dürfte auffallen, dass "Ich bin Nummer Vier" verdächtig viel mit einem der letzten großen Teen-Hypes gemeinsam hat: "Twilight". Wie in Stephenie Meyers Kehlenbeißerschmonzette geht es um ein abgeschlagenes Kleinstädtchen im amerikanischen Nirgendwo, in dem sich eine gewöhnliche Jugendliche in einen Jungen mit übernatürlichen Kräften verliebt. John steht zwar nicht auf Menschenblut, kann wie Vampir Edward Cullen jedoch ebenso körperlich Leuchten - wenn auch nicht mit dem ganzen Leib, nur mit seinen Händen. Sein Mädchen entdeckt seine Kräfte im Verlaufe ebenfalls und später kommt eine mit den drei bösen Vampiren aus "Twilight" vergleichbar drohende Gefahr auf, der John sich im tödlichen Kampf stellen muss.

Die Ausgangslage mag unvorteilhaft (oder gerade bewusst?) imitiert sein, allerdings macht die Sci-Fi Variante derselben Idee vieles wesentlich besser. Die erste Auffälligkeit findet sich darin, dass die langsam aufkeimende Lovestory zwischen mysteriösem Neuling und hübschem Provinzmädchen glaubhafter, realer und weniger kitschig ausfällt. Es gibt keine übertriebenen Liebesbekenntnisse, keine exorbitanten Anschmachtszenen und die junge Sarah (angenehm zurückhaltend: Dianna Agron) verbringt keine Zeit damit, schlecht gelaunt über Selbstzweifel und unpassende Zukunftsvorstellungen zu schmollen. Wie jeder Verliebte blüht sie auf und freut sich über ihr Schicksal, was wesentlich angenehmer wirkt als in der überdramatischen und stimmungsdrückenden Konkurrenz.

Interessanter ist auch die Hauptfigur, die anfangs noch etwas stumpf wirkt, dann jedoch erklärt wird, da John sein Leben von kleinauf damit verbracht hat, zu fliehen, sich unsichtbar zu machen und sich nicht sonderlich zu binden. Die ersten zwei Drittel des Films werden damit verbracht, dass John in eine für ihn neue Gegend kommt, sich verliebt, erstmals nicht mehr weglaufen will und seine inneren Mächte kennenlernt. Umgesetzt ist dies relativ gut, erschlägt jeden halbwegs erfahrenen Filmfan jedoch mit unzähligen Klischees, die man schon x-mal in anderen Filmen gesehen hat. In der Schule wird ein Nerd vom Footballstar schikaniert, jemand läuft in Zeitlupe von einer Explosion davon, jedes Treffen der beiden Turteltauben wird mit Kuschelrockpop untermalt, Johns Mächte zeigen sich in für ihn peinlichen Momenten und es kommt zum erwarteten Zwist mit dem Ziehvater (ungenutzt: Tim Olyphant), der es natürlich eigentlich nur gut mit ihm meint. Trotz der einfallslosen "Inspiration" zahlreicher bekannter Versatzstücke funktioniert es relativ gut, da die Romanze klein gehalten wird, nichts strahlend dämlich ausfällt und man stattdessen immer wieder mit dem Mystery-Anteil konfrontiert wird. Wieso will man die Neun auslöschen? Was planen die Mogadori? Wieso kaufen sie im Supermarkt ein?
Der Mystery-Part spielt die größte Rolle im letzten Drittel, in dem "Ich bin Nummer Vier" plötzlich von TV-Soap zu Sci-Fi Action raufschaltet und zeigt, wieso der von Michael Bay produzierte und von Steven Spielberg mitgeschriebene Film 60 Millionen Dollar kostete. Die außerirdischen Mogadori tauchen auf und mit ihnen Handlanger mit speichelgeifernden Monstern (Echsen-Fledermäuse, groß wie Kühe) und Wummen, die glatt aus dem nächsten "Doom" Film stammen können. Da John alleine etwas aufgeschmissen wäre - er kann zwar Telekinese und die Lichtstrahlen aus seinen Händen bündeln, ist aber ungeschickt und ungelernt - bekommt Verstärkung hinzu. Nummer Sechs (Teresa Palmer) ist tough as nails, wie der Amerikaner sagt. Sie fährt Motorrad, brennt auf Auseinandersetzungen, kann sich teleportieren und ist immun gegen sämtliche Elemente: so kann sie durch Feuer laufen und es teilweise sogar kontrollieren. Es entbrennt ein recht spektakulärer Kampf auf dem Schulgelände (...), bei dem jede Menge zu Bruch geht und so mancher sein Leben lässt. Ein effektgeladener Showdown, der jedes "Twilight" Finale nach billiger TV-Umsetzung aussehen lässt und auch "Heroes" nasse Füße verpasst.

Zurückgehalten wird das Geschehen von der leidigen Begrenzung der FSK 12 Freigabe, weswegen alle Kämpfe blutlos ausfallen und jeder Verstorbene zu Asche zerfällt. Man merkt, dass Regisseur DJ Caruso gern etwas drastischer zu Felde ziehen würde, sich für das angepeilte Teenpublikum jedoch drosseln musste. Ebenfalls verharmlost wirken die Bösewicht, die unentwegt verniedlicht "Mogs" genannt werden, wie eine Mischung aus Lord Voldemort und den Kopfgeldjägern aus den "Critters" Filmen aussehen und, wie bereits gesagt, auch beim Shoppen im Supermarkt zu sehen sind. Kevin Durand gibt sich in der Rolle ihres Commanders zwar Mühe, kann aber nicht übertünchen, dass es eher lachhaft aussehende Gegner sind, die zudem nicht allzu gefährlich oder kompetent wirken. Der wohl aufreibendste, aber auch effektivste Schwachpunkt des Films ist die offensichtliche Abzielung auf weitere Teile: etliche Fragen bleiben offen, und auch wenn es einen Abschluss insofern gibt, dass die aktuelle Lage geklärt wird, geht das Ende in einen zweiten Teil über (womit er ein wenig an das komplett offene Ende von "Jumper" erinnert, das wohl niemals fortgesetzt werden wird. Ob "Vier" fortgesetzt wird? Bisherige Einspielergebnisse sind allenfalls passabel). Über Sechs gibt es beispielsweise nichts zu erzählen, da sie mitten im letzten Kampf auftaucht und keine Zeit bleibt, irgendetwas zu fragen. Sie müsste aber Zentrum des nächsten Films werden, denn der Buchtitel des Sequels lautet "The Power of Six".
Darstellerisch ist der Film Hit & Miss. Keine der Rollen verlangt viel, aber das allgemeine Niveau ist merklich über "Twilight" angesiedelt, was an fehlendem Overacting, dezenteren Rollen und weniger idiotischen Dialogen zuzurechen ist. Von allen wirkt (der ausgesprochen kantige und für 20 Jahre erstaunlich älter aussehende) Hauptdarsteller Pettyfer zuweilen etwas dumpf. Vielleicht mag es daran liegen, dass seine Figur in der Tat ahnungslos ist und zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht, aber mitunter mag man glauben, er könne einfach nicht mehr. Regietechnisch liefert DJ Caruso solide Arbeit ab, die manchmal sogar besser ausfällt, als es der recht einfallslose Stoff verdient hätte. Die Musik ist flott, Effekte okay, und bis auf einige etwas verwackelte Schnitte können auch die Kämpfe überzeugen.

Fazit:
"Ich bin Nummer Vier" ist "Twilight" mit Aliens, nur besser. Nicht wesentlich besser, aber spürbar besser. Eine gewisse Akzeptanz für Teen-Romanze ist schon erforderlich, dazu etwas verringerte Erwartungen an Sci-Fi Action (es ist nun mal ein FSK 12 Familienfilm und kein FSK 18 "Gears of War" auf Erden). Fällt insgesamt irgendwo zwischen "Percy Jackson - Diebe im Olymp", "Jumper" und "Die Jagd zum Hexenberg".

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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