BG Kritik:

Ich bin tot, macht was draus


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen.

Ich bin tot, macht was draus (F/BEL 2015)
Regisseur: Guillaume Malandrin, Stéphane Malandrin
Cast: Bouli Lanners, Wim Willaert, Lyès Salem

Story: Grand Ours. Das ist der Name einer belgischen Rockband. Ihre Mitglieder, Yvan (Bouli Lanners), Wim (Wim Willaert), Pierre (Serge Riaboukine) und Jipé (Jacky Lambert) sind mittlerweile in die Jahre gekommen und stehen doch vor ihrem größtem Deal, welcher ihren (späten) Durchbruch bedeuten könnte: Einer Tournee durch Amerika. Blöd nur, dass kurz vor der Abreise Sänger Jipé das Zeitliche segnet. Trotz allem beschließen die übrigen Band-Mitglieder die Reise anzutreten.

Eine Tragikomödie aus Belgien und Bouli Lanners in der Hauptrolle. Das verspricht (deftigen) Humor mit einer Spur Herz. Ab ins Kino?

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Während sich in einem Kinosaal die Superhelden im hochbudgierten Eskapismus prügeln, streiten sich drei ältere Heeren beißend und schlagend um die Urne des verstorbenen Bruders respektive des verstorbenen Leadsängers der eigenen Band. Der zweite gemeinsame Film der belgischen Brüder Guillaume und Stéphane Malandrin ist weit von melodramatischen Abhandlungen über den Tod entfernt. Ein Rockkonzert eröffnet den Film schwungvoll und stellt die Figuren leidenschaftlich, schwitzend und voller Elan auf der Bühne vor. Die Kerle auf der Bühne mögen schon ein halbes Jahrhundert, oder vielleicht sogar mehr, auf der Erde weilen, doch merkt man das ihnen in diesen Momenten kaum an. Das ist ihr Leben.

Der Zuschauer allein mag sich ausmalen, was ihnen ohne die Musik noch bleiben würde. Schon alleine deshalb entscheiden sich die verbleibenden Mitglieder auch weiterhin nach Amerika zu reisen. Nicht nur für ihr verstorbenes Mitglied, sondern auch für sich.

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Leicht sieht man sich dazu verleitet den Film als Road-Movie einzuordnen, doch dabei ist er viel zu sehr auf seine Charaktere fokussiert denn auf die Landschaften, durch die sie sich begeben. Die Notladung in Kanada und die Reise durch das Land besteht aus der Flughafenhalle, dem Zugabteil und einer kleinen öden Dorflandschaft. Nicht viel von Postkarteromantik. Doch bei all der Rustikalität geht es vor allem um Freundschaft. Im Laufe des Films werden die anfangs noch auf der Bühne wild musizierenden Alt-Rocker zu alternden Männer auf der Suche nach ihrem Platz auf der Erde. Die Freundschaft der Figuren lässt den Zuschauer über den ein oder anderen plumperen Humor hinwegsehen und auch, dass die eigentlichen Konflikte und Konstellationen nur sehr simpel angelegt sind, zuweilen auch auf der Strecke gelassen werden. So wird mit steigender Laufzeit auch der Film auch immer konventioneller und verliert an Fahrt.

Bouli Lanners ist hierzulande wahrscheinlich eher noch durch seine kleinere Rollen in NICHTS ZU VERZOLLEN (FR 2010) oder DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN (BEL/FR 2012) bekannt. Sein ELDORADO (BEL/FR, 2008), in dem er eine der Hauptrollen selbst übernahm, lief in Deutschland mit nur sehr wenigen Kopien an, könnte aber dem ein oder anderen bekannt sein. Der Belgier verkörpert quasi den poetisch-derben, stellenweise anarchischen, Humor Begliens. Ein auf dem ersten Schein griesgrämiger Kauz, der das Herz aber am richtigen Fleck trägt. Er ist nicht nur der Dreh- und Angelpunkt der restlichen Band, mehr als nur das Maskottchen der Band „Grand Ours“ (=großer Bär) wenn man so sagen will, sondern auch die Figur, die den Zuschauer durch den Film leitet.

Wim Willaert, der seinen Vornamen auch mit seiner Figur teilt, steht diesem in fast Nichts da. Er scheint ein klares Alkoholproblem zu machen, doch der Film will sich nicht groß mit solchen Problematiken beschäftigen, schafft es aber besonders diese Figur nicht zu einer Karikatur werden zu lassen.

Fazit:

Bei aller Spielfreude sind die Konflikte etwas plump, der Humor zeitweise poetisch-derb, aber dann auch simpel, doch die sympathischen Charakter, allen voran Bouli Lanners Yvan, machen das Road-Movie, das so wirklich eigentlich gar keins sein will, zu einem durchaus lohnenswerten, kurzweiligen Vergnügen.

6 / 10

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