Kritik:
Ichi the Killer
von
Christian Mester; Anmerk.: gekürzte Fassung
KOROSHIYA 1
(2001)
Regie: Takeshi Miike
Darsteller: Tadanobu Asano
Story:
Bei der Suche nach seinem verlorenen
Boss hört der sado-masochistische
und völlig verrückte Kakihara, dass
es in seinem Gebiet einen noch
schlimmeren Irren namens Ichi geben
soll,
der seine Gefährlichkeit noch in den
Schatten stellt. Er versucht direkt, ihn zu finden.
Kritik:
Er gilt als einer der
skandalträchtigsten und schlimmsten
Splatter-Titel der letzten Dekade:
Takeshi Miikes
Schlachtplatten-Manga-Verfilmung "Ichi the
Killer". Ungeheuer brutal, aber
fabelhaft inszeniert und inhaltlich
interessant soll er sein, ein
denkwürdiger Yakuza-Mafiatitel mit
schonungslosem Gewaltexzess, so die
Gerüchte. Hinter dem berüchtigten
Ruf verbirgt
sich ein durchaus blutgetränkter,
aber nur schwacher
Film, der eigentlich kaum eines Blickes
würdig ist.
Star des Films ist der gepiercte
Body-Modder Kakihara, der eine Art
asiatischer Yakuza-Joker darstellen
soll: er ist unberechenbar, hat
einen seltsam sadistischen Sinn für Humor,
wie der 2008er Joker aufgerissene
Mundwinkel (wenn auch noch
wesentlich offenere) und
trägt nahezu immer lilafarbene
Anzüge. Was Stoff für eine
erstklassige Rolle sein könnte,
bleibt in diesem Fall komplett
ungenutzt. Kakihara bekommt
keinerlei interessanten
Charakterzüge oder Szenen spendiert
und ist einfach nur da, existiert.
Ungenutzt. Er sticht zwar oftmals
mit Nadeln zu und durch sein
ungewöhnliches Aussehen aus der
Menge heraus, wird aber
handlungstechnisch niemals zu einer
sehenswerten Filmfigur gemacht und
kann auch schauspielerisch nichts
beitragen. Das Geschehen seiner
ganzen Yakuza-Seite ist regelrecht
langweilig, da alle anderen
Nebenfiguren einsilbig und
eindimensional ausfallen und oftmals
nur leere Phrasen dreschen oder
inaktiv glotzen, wie vor ihnen
anderes Langweiliges passiert.
Kakiharas Gegenspieler ist Ichi, ein
geistesgestörter Irrer mit
Gedächtnisproblemen, den Miike als
tragisches geistiges Wrack
darzustellen versucht. Seine
bourneske Geschichte funktioniert
ebenfalls nicht, da der Darsteller
die innere Zerrissenheit der Figur
völlig überzieht und ihm Miike dazu
einen ledernen Superhelden-Anzug mit
einer gelben Eins verpasst, mit dem
er nur lächerlich wirken kann.
Inmitten ungewollter Morde und
ausgelebten Gewaltfetischen
schlachtet sich der immer wieder
austickende Ichi also durch die
Unterwelt Kakiharas. Was nun "Infernal
Affairs" mit Splatter-Einlagen und
ausgefallenen Wahnsinnigen hätte
werden können, ist ein missratener,
langweiliger Dramenanteil, der mit
ausfallenden Splatterszenen
vermischt ist. Dafür tischt Miike
Einiges auf und lässt alle möglichen
Körperteile quälen, dehnen und
durchschneiden, doch keine dieser
Szenen hat tatsächlichen Wert für
die Story. Alle Gewaltszenen sind
nur dafür da, zu zeigen, wie
glorreich krass beide Figuren sind,
doch bei seinem Blutbad übertreibt
es Miike immer wieder so sehr,
sodass all das Gemetzel wiederum
keinen Effekt hat. Es ist oftmals
einfach nur ekelig, ohne spannend
oder schwarzhumorig lustig zu sein,
und damit gänzlich überflüssig, ja
sogar immer wieder Argument, nicht
weiter zu schauen.
Dass der Film zumindest annähernd
über unterstem Bodensatz schweben
kann, ist Regieveteran Takashi Miike
zu verdanken, der sein Gore-Werk
zwar zäh wie Kleister einfängt, es
dafür aber mit einigen gelungenen
Schnitten und Kamerawinkeln umsetzt.
Inhaltlich und qualitativ Besseres
mit Nadeln findet sich in Miikes
besseren Streifen "Imprint" und "Audition"
, die "Ichi" qualitativ wie kalten
Kaffee stehen lassen, während
Genre-Kollege "Tokyo Gore Police"
dessen Gore gleich in
Schwimmbadgröße wegspült und die
berühmte Floskel "Viel Lärm um
Nichts" seufzt.
Fazit:
"Ichi the Killer" hätte ein Film vom
Kaliber eines "Oldboy" werden
können, doch dieses Frühstück ist
nur widerwärtiger Zungenaufschnitt
mit vier Tage altem Brot:
ungenießbar und nicht mal bei
Schmacht zu empfehlen. Höchstens für
Miike-Komplettisten.
1,5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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