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KRITIK:
ICH - EINFACH UNVERBESSERLICH
von
Christian Mester
DESPICABLE ME (2010)
Regie: Daniel Stamm
Cast: Patrick Fabian, Ashley Bell
Story:
Als der hauptberufliche Bösewicht Gru (Steve
Carrell) eines Tages von einem schrägen Neuling namens Vector
(Jason Segel) übertrumpft wird, fasst er einen
Plan, um erneut der böseste Bösewicht aller
Zeiten zu werden - er beschließt, den Mond zu
stehlen. Klingt kriminell
genug und mit Hilfe eines Schrumpfstrahlers auch
machbar, allerdings wäre all das leichter, wären da
nicht diese drei mal eben adoptierten Mädchen...
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Der erste Film war so erfolgreich, dass ein
zweiter
schnell nachrückt |
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Kritik:
Als die ersten Artworks und Bilder zu Universals
Animationsfilm "Ich - Einfach unverbesserlich" auftauchten,
konnte man nur sehr vorsichtig von einem viel
versprechenden Titel sprechen. Kantig und detailarm
wirkte die Optik, dazu kam, dass der Film im
Vergleich zu aufwendigen Genre-Kollegen auffällig
wenig kostete. Der schwache deutsche Titel und
eine Veröffentlichung kurz vor Zack Snyders
gewaltigem Eulenepos "Die Legende der Wächter" sollten dann ihr Übriges tun,
Zweifel aufkommen zu lassen, doch plötzlich die
Überraschungskeule aus den USA: der Film schlug den
doppelt so teuren, emotionalen
Eulendrücker mit 30 Seconds to Mars Bombasttrailer
am Startwochenende mal eben um das Doppelte, ein Sequel ist bereits angekündigt - ist Gru
etwa gru-ßartig?
Das ist er manches Mal, denn sein Abenteuer ist ein
hervorragender Kinder-, insgesamt aber ein nur guter
Film. Kinder werden ihn lieben, da Superbösewichte
ala
"G.I. Joe" lachend (familienfreundlich)
verrückte Superwaffen zücken und Mädchen monströse
Ungeheuer zu pinken Schoßtieren bürsten, dazu gibt
es die quirligen gelben Minions, die wunderbar
kaspernd albern durch den ganzen Film wuseln und den
Spielzeugmarkt gehörig eingelben dürften. Eine recht
rasante, lineare, vorhersehbare Story lässt nie
Langeweile aufkommen, beendet wird alles (wie so
oft) abschließend mit einem rührenden
Schluss-Strich, der mit einem warmen Klumpen in der
Bauchgegend gehen lässt.
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Im O-Ton sprechen Steve Carrell (JUNGFRAU 40
MÄNNLICH SUCHT) und
Jason Segel (HOW I MET YOUR MOTHER) die Figuren |
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Dass der Film nicht den Detailgrad der Konkurrenz
erreicht, fällt auf, fällt aber auf Dauer auch nicht
weiter schwer ins Gewicht. Das Schöne am Film ist,
dass er einen leicht ungewöhnlichen Touch hat und
dies auch stilistisch immer wieder eingebracht wird.
Man hat nicht das Gefühl, dass man für mehr kein
Geld hatte, es wirkt, als solle alles bewusst so
aussehen - man sieht ja schon, dass Gru für eine
Animationsfigur reichlich seltsam geformt ist.
Stellenweise gibt es sogar makaberen Humor (etwa,
wenn angenommen werden darf, dass eins der Mädchen
aus Versehen in einer Foltermaschine zermanscht
wurde)(was sie nicht wird), aber Grus Abenteuer
entfernt sich doch nur selten von der Schiene
sicheren Humors. Immer wieder stehen die kleinen
Handlanger im Vordergrund, die an das Innere eines
Überraschungs-Eis erinnern und meist kunterbunten,
turbulenten Blödsinn anstellen.
Schade ist, dass der fehlende Mut zu mehr als purem,
reinen Klaumauk automatisch bedeutet, dass es nur
wenig gibt, das auf Ältere zugeschnitten ist. Sieht
man die als Lehman Bros. betitelte Bank des Bösen,
darf man schmunzeln, allerdings gibt es
Vergleichbares sonst nur mit dem Vergrößerungsglas
zu finden. Fast schon überraschend ist es, dass sich
die Macher nicht damit auseinandergesetzt haben,
filmisch thematische Vorbilder wie Dr. Evil oder
Cobra Commander zu adressieren - Gru ist ein
Superschurke, allerdings fehlen Helden und das
Gesetz, es wird völlig darauf verzichtet, auf
offensichtliche Vorlagen wie die Bond Reihe
einzugehen.
Eine merkliche
Enttäuschung des Films ist die Gegenseite, denn
Bösewicht Vector ist ein eher lahmer Vertreter
seiner Art. Als komischer Kauz im orangenen
Trainingsanzug bekommt er keine eigene Identität und
bleibt überflüssig. Der Großteil der Action besteht
daraus, dass Gru in Vectors Villa einbrechen will,
allerdings sitzt Vector selbst nur faul herum und
drückt Tasten - säße er nicht da und wäre es alles
automatisiert, würde sogar nichts fehlen. Dazu
kommt, dass man ein Faible für den deutschen
Ex-Rapper Jan Delay haben sollte, da er Vector seine
eindringlich aufdringlich nasale Stimme leiht.
Besser fährt da Gru selbst, der im Deutschen von der
typischen Comedy-Synchronstimme Ben Stillers
gesprochen wird. Die Action der Figuren selbst ist
solide, aber auch eher sparsam; echtes Spektakel ala
"Drachenzähmen leicht gemacht" oder "Die
Unglaublichen" bleibt verwehrt, da es wie gesagt
nicht hauptsächlich darum geht, den Schurkenaspekt
zu thematisieren, sondern die Erweichung des
Wüstlings zu zeigen.
Achtung: 3D-Fassungen des Films sollen ein
überraschend unscharfes Bild bieten, dafür ist es
amüsant, dass der Abspann den 3D-Aspekt selbst Augen
zwinkernd veralbert.
Fazit:
"Ich
- Einfach unverbesserlich" ist ein Pflichttitel
für die Kleineren und wird Älteren gefallen,
allerdings verpasst es fehlender Mumm, größere
mögliche Ambitionen zu erreichen. Jetzt wird es
interessant, ob der zweite 2010er Film mit
Superschurken - "Megamind" - im Dezember besseres
vorweisen kann.
6,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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