BG Kritik:

I, Frankenstein


von Michael Eßmann

I, Frankenstein (USA, 2014)
Regisseur: Stuart Beattie
Cast: Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Jai Courtney

Story:
Viktor Frankensteins Monster wird von Dämonen gejagt, und dreht den Spieß um. Unterstützung bekommt es dabei von himmlischen Gargoyles.



Es beginnt alles im Anschluss an die bekannte Geschichte, und präsentiert sich damit quasi als ein Sequel zur Vorlage: Victor Frankenstein ist tot, umgekommen bei der Verfolgung seiner Kreatur. Dessen Hass auf seinen Schöpfer ist mit diesem gestorben, und so beschließt das Monster ihn ordnungsgemäß zu bestatten. Ein Fehler. Was nun folgt, ist abenteuerlich zusammen geschustert, und dabei wurden offenkundig mehr Story-Leichen geplündert, als für die Titelfigur gebraucht wurden. Nach getaner Arbeit auf dem Friedhof sieht sich Frankensteins Geschöpf umzingelt von Dämonen und Gargoyles, denn unwissentlich ist das Wesen zu einer entscheidenden Figur in einem seit zumindest Jahrhunderten andauernden Krieg zwischen Himmel und Hölle geworden.

I, Sixpack: das Monster hat eifrig trainiert


Basierend auf einem Darkstorm Comic, geschrieben von „Underworld“ Co. Schöpfer Kevin Grevioux, - welcher hier auch als Dämonenkrieger Dekar mitspielt - präsentiert die Produktionsfirma hinter den „Underworld“ Filmen fast genau das, was man spätestens seit den ersten Werbemaßnamen erwarten konnte. Denn sowohl der Trailer als auch offizielles Poster-Material suggerierte dem Konsumenten, es hier zumindest mit einem Verwandten der „Underworld“-Reihe zu tun zu haben. Das wäre „I, Frankenstein“ auch sichtlich gerne, und um dies noch zu bestärken, setzt man neben Ex-Werwolf Grevioux und dessen Story noch auf weitere Elemente aus der Vampirgeschichte um Selene und Michael, indem man wieder Bill Nighy den Chef unter den Bösewichten geben lässt. Dass dieser seinen Job ordentlich macht, soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt sein. Nighy agiert wie immer souverän, und verleiht seinem Dämonen-Prinzen die notwendige Aura aus Kälte, Erhabenheit und Macht.

Ihm gegenüber steht Adam (gespielt von Aaron Eckhart), wie Frankensteins Kreatur hier kurz nach Beginn der Geschichte genannt wird. Was einst ein vielschichtiger und facettenreich dargestellter Bösewicht war, mit dem man mitfühlte, leidete und sich trotzdem jede Sekunde vor ihm fürchtete, ist nun ein grimmig-dreinschauender, aber ungemein sexy Action-Held mit Sixpack geworden. Natürlich in 3D. Vom langsam wirkenden und noch nachhallendem Schrecken zu Zeiten eines Boris Karloff ist man also deutlich abgekommen, und auch von dem literarischen Ursprung von Mary Shelley hat man sich hier weiter entfernt, als vermutlich jemals zuvor bei einer Frankenstein-Verfilmung. Es geht nicht weniger als um das Ende der Menschheit und alles hängt natürlich mehr oder weniger nur von Adam ab.

Wie gesagt will es „Underworld“ in Version 5.0 sein, Lykaner und Vampire wurden hier sozusagen nur gegen Dämonen und Gargoyles ausgetauscht, und anstatt Kate Beckinsale in Lack und Leder, gibt es hier Aaron Eckhart in Kapuzenpullover, enger Jeans und schwarzem Mantel. Von dem Kultbild des entstellten, fürs „Leben“ gezeichneten Mischwesens - erschaffen aus den Körpern von 8 Mördern - bleibt kaum mehr als ein Hauch, da seine Teilespender dieses Mal wohl eineiige Achtlinge gewesen sein müssen. Eckharts Adam wirkt nicht wie Stückwerk. Eher wie ein übel gelauntes Männermodel, welches einen mittelschweren Autounfall überstanden und dabei bloß ein paar leichte Narben davon getragen hat. Sein „I, Dressman“ ist daher null schrecklich oder dergleichen und wirkt weit weniger dämonisch, als Eckharts Two Face in „The Dark Knight“. Athletisch, cool, wortkarg und stylish. Das ist Eckharts Adam.

Underworld Crossover der nächste Schritt?


Leider verfehlt „I, Frankenstein“ im direkten Vergleich mit drei von vier „Underworld“ Filmen das gesteckte Ziel, und ist qualitativ eher der neue „Van Helsing“ geworden. Von diesem leiht sich der Film sogar große Teile der Handlungs-Details, was vom Finale und zudem auch noch die Effekte. Fast zumindest, denn immerhin wird Stephen Sommers Film in Kürze 10 Jahre alt. Aber wie auch „Van Helsing“ zu seiner Zeit nie topfrisch wirkte, ergeht es auch „I, Frankenstein“. Es sind zwar keine Totalausfälle darunter, aber visuelle Highlights findet man eben auch keine unter den zugegebenermaßen massig anzutreffenden Effektszenen, welche ihre Herkunft aber nie verbergen können. Mehr schien das ca. 68 Millionen Dollar Budget wohl nicht herzugeben, und das ist schade, denn darüber hinaus hat der Film einfach auch nichts Besonderes zu bieten. Eine Geschichte die nicht erwähnenswert ist, kaum noch Spuren der Tiefe der Vorlage besitzt und keine Überraschungsmomente innehat, und von Regisseur Stuart Beattie auch noch 92 Minuten lang ohne besonderen Kniff erzählt wird. Die klassischen Themen um Menschsein, Menschwerdung oder Menschlichkeit werden nur angerissen, und dienen kaum mehr als Faden, der die Teile und Schlachten an Position hält. Und wenn nicht gerade gekämpft wird, kommt schon mal die eine oder andere Länge hinzu.

Als witziges Detail sei angemerkt, dass bei der Geschichte zur Rettung der Menschheit, beinahe keine Menschen anwesend sind. Bei scheinbar keiner der vielen Schlachten auf und über den Straßen der Stadt sind Passanten und damit Zeugen zu erblicken. Spielern von „Batman: Arkham Origins“ dürfte dies bekannt vorkommen. Stattdessen werden reihenweise brüchige Fassaden abgerissen, und weiteres Material geschrottet. Ein wahrhaftig im Schatten geführter Krieg möchte man meinen. Die einzig wichtige menschliche Figur ist Yvonne Strahovskis Doktor Terra (jep, genau das) und diese ist kaum mehr als hübsche Requisite mit Text. Hauptbestandteil des Films ist eine Reihe von blutleeren Gemetzeln in einer Menschen-leeren Stadt, welche im Hack and Slay-Style daher kommen. Dabei lösen sich beide Parteien (auch für die Freigabe) praktischerweise ohne eine Leiche zu hinterlassen auf, und gehen mit einem „puff“ dahin. Fast wie zu Zeiten von „Buffy - Im Bann der Dämonen“, von wo im Übrigen auch die Masken der Dämonen stammen könnten.

Ein Härtezuschlag in die Regionen eines „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ wäre womöglich angebracht gewesen, denn als Trash-Spaß und Schlachtplatte hätte „I, Frankenstein“ vielleicht ein paar Punkte mehr gut machen können, als diese blutleere Trash-Variante es kann. Denn spätestens wenn sich zum fünften Mal hintereinander gefühlte Legionen von Dämonen und Gargoyles in Rauch bzw. Licht auflösen, wird dies fad. Besonders wenn dies zu 99,5% mit anonymen Wesen ohne große vorherige Charakterzeichnung oder Unterscheidungsmerkmale geschieht. Egal. Der Nächste bitte, denn es gibt ja noch Weitere wo die herkommen. Die angepeilten „Underworld“ Filme waren da deutlich zeigefreudiger und hatten sogar bessere Nebenfiguren. Miranda Otto und Jai Courtney können mehr, als ihnen hier erlaubt wird. Ihre himmlischen Wesen bleiben blass und farblos.

Sehr positiv anzurechnen ist aber ein ganz entscheidender Punkt: „I, Frankenstein“ nimmt sich selbst genau so ernst, wie ein Film über einen Krieg zwischen Dämonen aus der Hölle, Gargoyles aus dem Himmel und Frankensteins Monster es sollte; nämlich gar nicht. Dadurch funktioniert der Film als reines Unterhaltungsspektakel ohne Esprit und Dummfug in ordentlichem 3D, und wer an Hugh Jackman mit Hut und in Leder gekleidet seinen Spaß hatte, wird auch hier nicht gelangweilt im Kino rumsitzen. „I, Frankenstein“ ist halt ein mittelprächtiger Unterhaltungsfilm ohne Anspruch auf mehr geworden, der massenhaft mittelmäßige Effekte aufbietet, unterlegt mit einem bereits 2 Minuten nach Beendigung der Vorstellung vergessenen Soundtrack. Halt ein typisches kurzweiliges Filmvergnügen, bei dem man besser gar nicht nachdenkt, und sich stattdessen lieber noch ein zweites Bier öffnet und beherzt in die Snacktüte seiner Wahl greift. Dass dabei ursprünglich zum Hauptcharakter gehörige Facetten und Tiefen vollkommen verloren gehen, ist nur logisch, aber gerade so noch verschmerzbar.

Fazit:

Aus dem Urgroßvater der (Kino)Monster und Inbegriff des Schreckens ist Action-Adam mit Narben und gestählten Muskeln geworden, dessen letzte Szene vor dem Abspann übrigens (im Anbetracht des zuvor Servierten) viel zu Selbstsicher und an Arroganz grenzend nach Sequel schreiend daherkommt. Die Tiefen der zu Grunde liegenden Geschichte erreicht „I, Frankenstein“ nicht im Ansatz, und verweilt lieber an der Oberfläche, aber mit was Anderem war ja auch gar nicht zu rechnen. Das 3D bietet mehr Tiefe als die Story, und erscheint zwar nicht als Muss, aber als Kann, da es merklich vorhanden ist. Wenn das Ziel ein Film auf Augenhöhe eines „Underworld: Awakening“ oder „Van Helsing“ war, dann darf es als erreicht bezeichnet werden.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Lies alle Meinungen zum Film! (226)


Gleich weiterlesen:


    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritikifrankenstein.php on line 118

  • The Interview   Daniel Schmitt

  • Inherent Vice   Christian Westhus

  • Selma   Christian Mester

  • Whiplash   Christian Mester
bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich