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KRITIK:
I LOVE YOU, PHILLIP MORRIS
von
Christian Mester
I LOVE YOU, PHILLIP MORRIS (2010)
Regie: Glenn Ficarra
Cast: Jim Carrey, Ewan McGregor
Story:
Als Polizist Steven (Jim Carrey) eines Tages
einen Unfall hat, fällt es ihm wie Schuppen von den
Augen: er ist schwul. Vor
Glück strahlend verlässt er seine christlich
orientierte Familie, gibt alles auf und zelebriert
fortan das Schwulsein. Weil ein Leben mit
Szene-Kleidung und exquisiten Beauty-Salons teuer ist, begeht er
alsbald Versicherungsbetrug. Er fliegt auf, landet
im Gefängnis aber direkt in den Armen seiner großen
Liebe: Phillip Morris (Ewan McGregor)…
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Carrey selbst hält
I LOVE YOU PHILLIP MORRIS für einen seiner besten Filme |
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Kritik:
Der neue Carrey war schon 2008 abgedreht, doch wieso
durfte man also derart lange auf seine im Vorfeld
gelobte, anscheinend gewagte Homödie warten? Lange
Wartezeiten bedeuten meist zweierlei; entweder, dass
der Film schlichtweg skandalös und deswegen kaum zu
verkaufen ist, oder aber, dass er einfach nicht gut
ist.
In diesem Fall trifft wohl weder das eine, noch das
andere zu. "I love you, Phillip Morris" ist beileibe
kein skandalträchtiger Film. Zwar gibt es eine kurze
Liebesszene und zig weitere sexuelle Andeutungen im
späteren Verlauf, doch was das betrifft, spaltet
Fincarras Film keine Gemüter. Selbst wenn man ein
Problem mit grellem Auslebens Homosexueller haben
dürfte - was auch im Jahr 2010 noch weitläufig
vertreten ist - schreckt der Film nicht wirklich ab.
Es geht Regisseur Glenn Ficarra keineswegs darum,
die schwulen Beziehungen im Film graphisch zu machen
oder überhaupt größerflächig zu romantisieren. Es
ist kein "Brokeback Mountain". Sämtliche Momente
sind harmlos und kein einziges Mal anregend gedacht.
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Einer von Carreys größten Träumen ist es,
eines Tages einen Oscar zu gewinnen |
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Es geht
zwar übergreifend um eine große Liebesgeschichte
zwischen zwei männlichen Knackis, doch Carrey und
McGregor verkaufen den Film auch nicht als solche.
Während McGregor als blonder Naivling hauptsächlich
schüchtern pariert, dominiert Carrey den gesamten
Film über in einer sehr ungewöhnlichen Rolle. Carrey
nimmt die auf einer wahren Begebenheit basierende
Grundsubstanz und formt sie zum Bild eines nahezu
Irren.
Seine Figur des Steven grenzt an die eines
genial-verrückten Psychopathen. Zu Beginn ist er ein
übertrieben perfekter Superchrist, der in der Kirche
laut singend Orgel spielt und dem Herrn beim Essen
dankt. Nach seinem Unfall knackst es ihn in Richtung
anderer Extreme an. Steven ist fortan nicht einfach
nur schwul, er ist 120% superschwul und lebt seinen
neuen Tick so extravagant, so exzentrisch aus, dass
es fast an Parodie grenzt und andere, normale
Schwule im Film in den Schatten stellt.
Ab der Hälfte des Films stürzt er sich daraufhin
noch einmal in andere Extreme, indem er als
gerissener Betrüger versucht, seinen Geliebten aus
dem Gefängnis zu holen und maßlos Geld anzuhäufen.
Carrey ist durch und durch faszinierend im Film. Er
spielt die Rolle des scheinbar Wahnsinnigen mit so
einer Intensität, dass man über die gesamte Laufzeit
gebannt bleibt und gespannt ist, was er wohl als
nächstes anstellt. Leider ist Carrey bis Abspann das
Beste und einzig Gute am Film, da die große
Geschichte des Geliebten Morris' insgesamt
unspektakulär und höhepunktlos bleibt. Zu matt ist
die Handlung, zu blass bleiben sämtliche
Randgestalten. Wer bei Jim Carrey im Schriftzug
astreine Comedy erwartet, wird enttäuscht. Abgesehen
von einigen winzigen humorvollen Szenen ist sein
neuer keine waschechte Komödie. Der Film erinnert
von seiner Art ein wenig an "Lebenslänglich" mit
Eddie Murphy und Martin Lawrence, in dem die beiden
ebenfalls schräge Figuren spielten und sich eher
weniger auf Comedy verließen. Fincarras Regie ist
grundlegend solide, besonders gelungen ist ihm der
dynamische, abwechslungsreiche Schnitt, der den Film
von Anfang bis Ende schwungvoll auf Trab hält.
Oscarfutter? Möglich, möglich. Es bleibt aber zu
vermuten, dass der Film insgesamt kaum Beachtung
finden wird und untergeht. In einem eventuell
schwachen Oscarjahr könnte Carrey aber durchaus
Chancen auf eine Nominierung haben, verdient wäre
es.
Fazit:
"I love you, Phillip Morris" ist eine
tolle Jim Carrey Ein-Mann-Show, bleibt jedoch zu
sehr auf dem Teppich. Sehenswert, wenn man Carrey
wie in "Der Mann im Mond" gern in der Rolle eines
äußerst ausgefallenen Charakters sieht, aber nichts
besonders lustiges, eindrucksvolles oder
berührendes.
6 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
Schon
gewusst?
- Jim Carrey hat die meisten MTV Movie Awards
gewonnen
- Carreys Lieblingsband ist Cannibal Corpse
- er sagt, privat sei er am ehesten wie seine Figur
aus "Vergiss mein nicht"
- Carrey munterte Tupac Shakur mit Briefen auf, als
dieser im Gefängnis saß
- sollte eigentlich Dr. Evil in den "Austin Powers"
Filmen spielen
- war einer der Favoriten für die Hauptrolle des
Jack Sparrow in "Fluch der Karibik"
- Carrey war der erste Schauspieler mit einer 20 Mio
Dollar Gage
- Carrey ist Vegetarier
- lehnte die Rolle der berühmten britischen
Fernsehfigur "Dr. Who" ab
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