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Kritik:
Krieg der Götter


von Christian Mester

IMMORTALS (2011)
Regie: Tarsem Singh
Cast: Henry Cavill, Mickey Rourke

Story:
Im alten Griechenland lebt eine kleine Gruppe von Menschen in fernster Einöde hoch droben auf einer Küstenklüfte, in in Stein geschlagenen Steinhütten. Trotz der Abgeschiedenheit von allem bekommt die kleine Kommune von Bauern, die anscheinend Steine anbaut oder täglich ihre 10km bis zum unter ihnen liegenden Ufer laufen, Besuch von König Hyperions (Mickey Rourke) welterobernwollender Armee. Hyperion sucht einen magischen Bogen, mit dem er die magisch gefangenen magischen Titanen aus einer Art magischen Kickertisch befreien kann, damit diese mit ihren magischen Kräften gegen die nur magisch besiegbaren Götter kämpfen können.

Diese (u.a. Luke Evans aus Die 3D Musketiere) sitzen noch weiter oben auf ihrer göttlichen Tribüne und wollen den alsbald erfolghabenden Rourke stoppen, bevor er zu stark wird, doch Göttervater Zeus hält die Stellung und vertraut darauf, dass die Menschen das Problem schon selbst lösen. Einer von ihnen, der neue Superman Henry Cavill, schleift bereits sein Schwert, da besagter Hyperion seine Mutter abgemurkst hat. Vielleicht der richtige Bauer Zeus's Schachspiels, um bequem faulenzend zuzusehen, wie Hyperion schon noch früh genug aufgehalten wird?

Kritik:
Wer einen Blick auf Singhs Vorfilm The Fall wirft und von diesem ausgehend erwarten mag, nun ähnlich visuell Virtuoses in griechischer Mythenwelt zu erleben, wird enttäuscht. Singh hält sich mit seinen künstlerischen Farbexperimenten zurück, sodass sein Epos generell gut, für seine Verhältnisse aber nur 'gewöhnlich' erscheint. Während die Krieger und Bauern normal aussehen, hüllen sich seine Götter in Gold, tragen Maximus' Maske aus Gladiator, dazu kurze, knappe Kournikova-Tennis-Röcke, die ihnen in ihrem Schneid nicht unbedingt helfen. Auffälligere Designs finden sich nur minimal, hier und dort als Deko-Elemente. Ihnen gegenüber steht Hyperions Armee, die als die Bösen natürlich die Farbe Schwarz favorisieren und die immerhin einige interessante Helme, Masken und Foltermaschinen besitzen (eine Falle aus Saw 6 hat ein Comeback), womit sie den Guten fashiontechnisch klar überlegen sind.

In Bewegung sieht das größtenteils sehr solide aus, auch wenn unweigerlich auffällt, dass Singh ein großer Fan von Cavills neuem Arbeitgeber Zeitlupen-Zack Snyder geworden zu sein scheint. Er setzt den verlangsamten Szenenablauf vergleichbar oft und auch auf vergleichbare Art ein, sodass die ganzen Götterkämpfe von der Machart her sehr an die Kämpfe aus Watchmen erinnern. Kämpfe gibt es derweil jede Menge im Film, wobei man verblüfft sein darf, was man in den sauberen Trailern bislang nicht sehen konnte: wie blutig es teilweise zur Sache geht. Ein Poseidon mag in seinem goldenen Kostümchen wie ein Schwammhalter in einem Eunuchenschwimmbad wirken, doch spätestens wenn er das erste Mal austeilt, zerplatzen Köpfe in bester Mortal Kombat Manier.

Der neue Superman Henry Cavill gibt einen nur passablen Protagonisten ab. Als Theseus bleibt er so uncharismatisch, dass man schwer glauben kann, dass Göttervater Zeus, das attraktive Orakel-Girl und Stephen Dorff in einer Nebenrolle den Erlöser in ihm sehen können. Obwohl das Orakel (via Body Double) später auf Theseus Speer landet, haben die beiden Liebenden keinerlei spürbaren Gefühle zueinander - Pinto fühlte sich im Sommer zuvor gar enger mit Affe Caesar verbunden. Es fehlen echte Buddy-Szenen zwischen Theseus und Dorff und wenn ersterer schließlich den William Wallace machen will und 'die Rede' vor einer nach Motivation suchenden Armee hält, erinnert man sich an aufwühlendere Hochzeitsansprachen. Ein Glück ist es, dass Cavill daher oftmals mit Kämpfen beschäftigt ist und wenigstens in diesen einen beachtlichen Eindruck macht.

Ein anderes, dass Mickey Rourke als Bösewicht häufig zu sehen ist. Rourke gibt einen erstklassig widerwärtigen Tyrann ab, der vor nichts und niemanden Angst hat und nie anzweifeln lässt, dass er sich tatsächlich mit Göttern anlegen will. Amüsant ist dabei die Tatsache, dass der hier als Böse deklarierte Rourke im Grunde dasselbe macht wie Titelheld Cavill: beide verlieren Familie, ohne dass ihnen die Mächtigen helfen, beide sind sie hasserfüllt und darauf aus, die Schuldigen zur Strecke zu bringen. Und so wie sich Rourke durch Horden von Zivilisten meuchelt, zerlegt Cavill anstandslos Rourkes Leute, darunter auch viele, die zum Kampf gezwungene Soldaten übernommener Städte sind. Als Subtext ist diese Spiegelung interessant, greift sie der Film jedoch nicht auf. Fraglich ist auch, wie man den Göttern gegenüber stehen soll, da der Film sie nur kurz zeigt, sie uneins sind, planlos mit- und gegeneinander kämpfen und es demnach jedem gleichgültig bleibt, ob Rourke sein Ziel erfüllt. Befreit Hyperion die Titanen (im Vergleich zu Kampf der Titanen übrigens keine Riesenmonster, nur lebende Tischkickerfiguren), werden sie also gegen die Götter kämpfen - doch wieso man als Zuschauer auf Seiten der Götter sein sollte, welchen Einfluss eine Titanenherrschaft auf die Welt der Menschen hätte, oder wieso auch das hinsichtlich der wenig interessanten Figuren scheren sollte, bleibt offen. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass man sich am öftesten auf Szenen mit Rourke freut, da dieser die stärkste Präsenz hat und aufgrund seiner Unberechenbarkeit immer ein wenig Spannung aufkommen lässt. (Am Rande taucht noch Altstar John Hurt auf, der aber nicht auffälliger ist als die ebenfalls vorhandenen Isabel Lucas (aus Transformers 2) und Kellan Lolz (aus den Twilight Filmen)).

Strukturell ist Krieg der Götter banalste Heldengeschichte vom Niemand, der langsam auflevelt und später seinen Bossgegner besiegen muss. Selbst der simple 300 bot einen kleinen Nebenzweig an Randhandlungen, doch Krieg der Götter hackt sich inbrünstig ausschließlich gerade aus, im todernsten Ton. Diesen fängt Regisseur Singh leider nicht ein und verpasst es, den Film damit fesselnder zu machen. Der Film will häufig ikonisch, cool und denkwürdig wirken, doch die uninspirierte Handlung, die wenig charismatischen Figuren und einige misslungene Design-Ideen sprechen stark dagegen. Hinzu kommt, dass der Film darüber hinaus so schnell und kurzweilig wie Kampf der Titanen verläuft, auch vertont ist. Der Score ist schnell und beschwingt und nicht das chorale Gigantenwerk, das eine so 'große' Geschichte wie der Fast-Niedergang der Götter verdienen würde. Der zudem nötig wäre, um in den stillen Momenten und in den Aufbauszenen zu den größeren Auseinandersetzungen Atmosphäre zu s
chaffen.

Wer sich die 3D Fassung des Films ansieht, wird positiv überrascht: der Film wurde zwar erst nachträglich in 3D konvertiert, macht das aber vorbildlich. Der gesamte Film ist in 3D gehalten - im Gegensatz zu Conan the Barbarian und Tim & Struppi beispielsweise, die nur wenige 3D Momente hatten - was es somit unmöglich macht, ihn in 3D ohne Brille zu schauen. Das ist glücklicherweise auch nicht nötig, da der Film immer eine sehr schöne Tiefe hat, nie unklarer Bildermatsch aufkommt (Singh mag keine dunklen Szenen, fast alles spielt am Tage oder in hell erleuchteten Räumen) und die Bewegungen der Kamera nie zu hektisch werden. Lohnt den Aufpreis.

Fazit:
300 und Kampf der Titanen waren relativ unterschiedlich: 300 eher laut, überstilisiert, sehr zitierfähig und so hart in seinen Aussagen, dass man schon zwischen Satire, Parodie und fragwürdiger Ernsthaftigkeit diskutieren konnte. Kampf der Titanen hingegen war leichtfüßiger, aussagentechnisch flach, dafür angenehm kurzweilig, sympathisch besetzt und mit tollen Monstern ausgestattet. Krieg der Götter fällt nun irgendwo dazwischen, ist ein bisschen von beidem und macht beides ein bisschen schwächer. Als Komposition noch ganz ansehnlich und für seine Momente wert, aber ohne längeren Nährwert. Der bessere Krieg der Götter 2011? Conan the Barbarian.

4,5 / 10

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