BG Kritik:

Inpendence Day: Wiederkehr


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Inpendence Day: Resurgence (US 2016)
Regisseur: Roland Emmerich
Cast: Jeff Goldblum, Liam Hemsworth, Maika Monroe, Bill Pullman, Jessie Usher, Sela Ward, Charlotte Gainsbourg

Story: Zwanzig Jahre sind seit dem Angriff durch die außerirdischen Invasoren in Roland Emmerichs Independence Day vergangen. Die Menschheit hat sich nach dem Sieg aber nicht lumpen lassen, und sich mit Hilfe der zurückgelassenen Technologie aus dem All bereit gemacht. Die Biester mit den dicken Laserkanonen werden zurückkehren, soviel stand immer fest.

Mehr Action und Zerstörung, aber weniger Will Smith. Ein Feiertag?

Sollte ID-2 Erfolg haben, kommt noch einer


Wieder tritt ein Raumschiff in die Erdatmosphäre ein, und erinnert mit seinen zunächst von Flammen, Rauch und Wolken verborgenen Umrissen daran, was im großen Krieg von 1996 geschah. Milliarden Menschen verloren ihr Leben oder mindestens ihre Angehörigen und Hab und Gut. Es ist wieder der 04. Juli, und pünktlich zum Jahrestag wollen auch die Aliens was zum Feiern haben, und legen nach. Diesmal mit einem Schiff, viel größer als die zuvor angekarrten. Und damit wäre man auch schon bei einem, vom für Teil 2 zurückgekehrten Regisseur Roland Emmerichs Lieblingspunkten, dem Gigantismus. Größer, zerstörerischer, tödlicher, ja, schlicht und einfach fetter als in 1996. Denn die Aliens wollen Revanche für die Niederlage und da kommt man nicht einfach nochmal mit der gleichen Ausstattung wie zuvor angebraust, sondern bringt die noch dickeren Kanonen, am größten Schiff der Flotte mit. Aber vielleicht entpuppt sich selbst dieses Monster von einer Untertasse, zukünftig nur als Mittelklassen-Flitzer. Denn es soll ja noch ein dritter Independence Day folgen. Zuvor gilt es allerdings erfolgreich zu sein, und zwar im Kino, und im Kampf gegen die Aliens.

Um zumindest den letzteren Punkt zu sichern, ist die Menschheit im Film wie erwähnt nicht untätig geblieben, und hat in den 20 Jahren ordentlich aufgerüstet. Die Independence Day: Wiederkehr Parallelwelt hat sich also deutlich verändert, und sieht kaum aus wie unser 2016. Anfangs etwas befremdlich, gleiten u.a. Hovercraft-artige Helikopter und Jets mit Alien-Tech-Antrieb dahin. Aber vermutlich wäre ein Abbild unseres 2016, ohne jeglichen Alien-Einschlag noch deutlich befremdlicher rübergekommen. An die neuen Flug-Vehikel hat man sich nach wenigen Minuten gewöhnt, und diese als Teil der Welt nach dem Angriff akzeptiert. Die neuen Elemente fühlen sich an wie organisch dazugewachsen. Hilfreich hierbei ist, dass das Independence Day-Feeling recht schnell wieder da ist, inklusive der „wir haben zwar keine Chance, aber die nutzen wir“ Mentalität, viel Krach und Bumm, und markigen Sprüchen.

Es ist also wieder Independence Day, und alle Zutaten sind wieder da, um E.T. abermals in den Hintern zu treten. Wirklich alle? Nein, denn Will Smith konnte ja bekanntermaßen nicht zu einer Wiederkehr animiert werden, und so starb seine Figur des Captain Steven Hiller unspektakulär zwischen den Filmen. Anwesend ist er aber irgendwie trotzdem, denn vielerorts sind Aufnahmen des heldenhaften Piloten im Sequel untergebracht und es gibt einige Erwähnungen des Helden von 1996. Im Film sagt gar eine Figur, sie vermisse Captain Hiller. So wird es recht sicher auch dem Zuschauer ergehen, aber vermutlich nicht allzu lange, denn auch wenn der neue Cast nur ok charismatisch daher kommt - dazu später mehr - übernimmt das der Goldblum, und der gleicht völlig aus. Sein David Levinson ist inzwischen zum Leiter der Earth Space Defense aufgestiegen, und hat in den vergangenen 20 Jahren alles versucht, um die Menschheit auf das vorzubereiten, was da nun aus den Weiten des Weltalls angeflogen kommt. Und er ist wieder so trocken witzig, als wäre es noch 1996.

- an dieser Stelle sei ein Einwurf zur deutschen Synchronfassung gestattet, denn aufgrund des kürzlichen Ablebens von Jeff Goldblums Stammsprecher Arne Elsholtz, übernimmt der vor allem auf Russell Crowe und Kenneth Branagh bekannte Martin Umbach seinen Part. Und dies überaus gekonnt und passend. Eine wirklich gelungene Neubesetzung. -

Von Davids Ex-Frau Constance fehlt hingegen jede Spur. Ist vielleicht auch besser, so erspart man Darstellerin Margaret Colins eine so unglimpfliche Rückkehr, wie die von Vivica A. Fox. Sie spielte im ersten Teil die Stangentänzerin und Frau von Will Smiths Figur, die seitdem eine Umschulung gemacht zu haben scheint. Gemacht wird allerdings nichts mit ihr - sie ist bloß da. Eine geglückte Rückkehr sieht anders aus, wie z.B. die von Bill Pullman, Brent Spiner und Judd Hirsch, welche alle wieder in ihren alten Rollen zu sehen sind. Von ihnen bekommt jeder einen guten Moment im Rampenlicht. Gleich mehrere tolle Momente hat gar der spleenige Wissenschaftler aus der Area-51, Dr. Brakish Okun, in einer nun deutlich größeren Rolle. Ja, sogar der von Star Trek-Veteran Brent Spiner gespielte Dr. Okun ist wieder dabei, und wacht pünktlich zur Rückkehr der Aliens aus einem seit Teil 1 andauernden Koma auf. Ganz ohne die Spur von Muskeldegeneration oder dergleichen, macht sich der Mann wieder an die Arbeit.

Allein hieran merkt man direkt, wie Emmerich vorgeht, schmeißt er solche Nebensächlichkeiten wie Nachwirkungen eines zwei Jahrzehnte anhaltenden Komas direkt über den Haufen und widmet sich Wichtigerem: der bildgewaltigen Vernichtung des Großteils Asiens und Europas zum Beispiel. Mit der Zerstörung von Wahrzeichen in ihrer schönsten Form, z.B. wenn er den Burj Khalifa und die Petronas Twin Towers über London abwirft. Das zu stoppen, liegt natürlich zum Teil in der Hand der Helden von damals, doch die ergrauten Sympathieträger werden dieses Mal von einem Trupp junger Gesichter der nächsten Generation unterstützt.

Der mögliche 2. Teil käme allerdings nicht erst in 20 Jahren, sondern eher


Unter ihnen ist der Adoptivsohn vom verstorbenen Captain Steven Hiller, der - womöglich aufgrund fehlender Genetik - nichts von der natürlichen Coolness seines Vaters besitzt. Eher der besonnene Typ, wirkt Dylan Hiller (Jessie Usher) wenigstens nicht wie eine Kopie. Allerdings auch nicht sonderlich interessant oder eben charismatisch, verbleibt die Figur stets im Schatten des Vaters. Es fehlt hier deutlich an einem adäquaten Ersatz unter den Neuzugängen. Liam Hemsworth (aus den Hunger Games-Filmen) soll offensichtlich Smiths Part einnehmen, als lässiger Pilot, füllt die Lücke aber kaum. Das scheint auch Emmerich bewusst gewesen zu sein, und so umgibt er den neuen waghalsigen Piloten mit einer Truppe an weiteren neuen Figuren wie Maika Monroe (aus It Follows und The Guest), welche hier die Rolle von Patricia Whitmore übernimmt. In Teil 1 noch ein kleines Mädchen, ist aus der Tochter von Pullmans Ex-Präsident Whitmore inzwischen eine Kampfpilotin und Beraterin der amtierenden Präsidentin Elizabeth Langford (Sela Ward) geworden. Beide Damen (genau wie die ebenfalls mitspielende Charlotte Gainsbourg) sind als starke Frauen angelegt, und dürfen sich gleichberechtigt in der Männerwelt von Independence Day behaupten.

Für Gleichberechtigung an einem anderen Punkt sorgt Emmerich gar, indem er ein homosexuelles Pärchen integriert, und das völlig unaufdringlich. Unterm Strich enttäuschen die männlichen Neuzugänge eher etwas, aber die alte Garde und die neue Frauenpower liefern. So kann man den Hauptcast von Independence Day: Wiederkehr in etwa bewerten. Leider hat Emmerich daneben aber auch viele, ja, zu viele, uninteressante neue Nebencharaktere in petto, - einige davon recht offenkundig für den gewünschten Teil 3 in Position gebracht. Leider funktionieren nicht alle diese Figuren gut, einige gar kaum, bzw. interessieren diese nicht, da völlig langweilig und beliebig wirkend. So wie ein Bürohengst, der langsam zum Rambo mutiert, und die farblose asiatische Heldin Rain Lao ohne entsprechende Helden-Momente. Denn auch wenn es internationale Neuzugänge und eine seit dem Krieg vereinte Welt gibt, die dicken Treffer landen weiter mehrheitlich die Amerikaner. Ja, man sieht auch in Teil 2 wieder nahezu nur Vertreter der USA, und dazu an unterschiedlichen Orten der Welt, den Anweisungen und Funksprüchen der Amerikaner lauschende, andere Völker. Mitzuspielen scheinen die aber kaum, so im großen zweiten Alien-Krieg, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen. Hier wäre es schön gewesen, wenn sich die als vereinte Welt präsentierte Menschheit, auch so anfühlen würde.

Roland Emmerichs Independence Day war nie ein wirklich großartiger Film, eher ein guter und unterhaltsamer Action-Film, der seiner Zeit voraus war, was die Größenordnung der Zerstörung anbelangt. Zusätzlich bot er genau die richtige Mischung aus übertriebener Lust an Zerstörung, mit augenzwinkerndem Humor und Pathos, getragen von charismatischen Darstellern. Aber allein der finale Clou mit dem Virus schrie danach, besser nicht darüber nachzudenken, und genau in diese Kerbe schlägt auch das Sequel. Zwar nicht ganz so panne, aber Roland steuert seine zweite Invasion nicht gen Logik. Stattdessen liefert er lieber auf seinem bewährtem Fachgebiet, Krawall und spektakuläre globale Zerstörung.

Emmerichs zweite Alien-Invasion kommt trotz des perfekten Effektlooks 2016 und dem Eingangs angesprochenem Gigantismus angenehm altmodisch daher, da nicht gehetzt inszeniert oder geschnitten. Langeweile kommt dabei aber in den zwei Stunden Laufzeit auch keine auf, glücklicherweise. Emmerich nutzt jeden Cent aus dem 165 Millionen Dollar Budget, und lässt es locker wie 220 Millionen aussehen. Effizient wie immer, der Schwabe. Selbst für einen Roland Emmerich bisher unerreichte Dimensionen wird hier die Vernichtung von Städten und Landmassen zelebriert, und das wie immer im Paket eines amüsant kitschigen, Weltuntergangs- und Zerstörungsfilm von globalem Ausmaß mit Wohlfühl-Zusammenhalt-Stimmung. Der von Harald Kloser und Thomas Wanker stammende Score ist funktional aber unaufdringlich, so sehr, dass er nur dann wirklich auffällt, wenn man David Arnold referenziert, und dessen klassisches Musikthema aus dem Original anklingen lässt. Das 3D geht in Ordnung, erscheint aber nicht als Muss oder Aufwertung der Ereignisse.

Fazit:

Roland Emmerich erreicht das Ziel einer insgesamt würdigen Fortsetzung, die aber mit einem schwächelnden Jung-Cast, sowie den gleichen Logik Schwächen zu kämpfen hat, wie das Original. Independence Day: Wiederkehr ist eine gewaltige Zerstörungsorgie von gigantischem Ausmaß, die so ernst wie nötig, aber keinen Schritt weiter, augenzwinkernd und humorvoll zugleich, das Popcorn schmecken lässt. Perfektes Effektkino voller Pathos, das gerne den Mittelteil einer Trilogie bilden darf.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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