BG Kritik:

Independence Day: Wiederkehr


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Independence Day: Resurgence (US 2016)
Regisseur: Roland Emmerich
Cast: Jeff Goldblum, Will Smith, Bill Pullmann

Story: 20 Jahre nach dem Sieg über die Außerirdischen ist die Welt aufgrund der übernommenen Technologie eine wesentlich fortgeschrittenere, doch jedem ist bewusst, dass jederzeit ein weiteres feindliches Schiff erscheinen könnte – was dann, wie es der Zufall will, ausgerechnet an einem 4. Juli passiert, dem Independence Day. Alle Verteidigungsmaßnahmen erscheinen wirkungslos, und so muss man miterleben, wie ein ozeangroßes Schiff versucht, auf dem Erdball zu landen…

Schulbus vs. Aliens. Ach ja, Spoiler Hinweis: im Gegensatz zu unserer anderen Kritik ist diese volle Spoiler.

Resurgence? Eher Regurgitation.


Will Smith, fraglos der größte der Stars des Originals (BG Kritik), ist im neuen Independence Day nicht dabei, sein Charakter offscreen bei einem Unfall verunglückt. Gründe gibt es mehrere: zum einen wollte Smith für zwei Sequels eine Gage von 50 Millionen Dollar, was man ihm nicht zu zahlen bereit war. Zum anderen sah der Film vor, dass Smiths Figur mit seinem Stiefsohn gegen die Aliens in die Schlacht zog. Das gefiel dem Fresh Prince nicht, da er kurz zuvor mit demselben Konzept seinen ersten großen Flop gelandet hatte (After Earth). Dann gab’s natürlich noch Gerüchte, wonach Smith darauf bestanden haben soll, dass sein eigener Sohn Jaden Smith (Iron Man 1-3) seinen Filmsohn spielt…

Wie dem auch sei – heute wird Smith froh sein, sich alternativ für Suicide Squad entschieden zu haben, denn Independence Day 2 ist leider nicht gut geworden, und Smiths Anwesenheit hätte kaum geholfen. Schon der erste Independence Day machte keinen Hehl daraus, bloß Hirnaus-Effektblockbuster mit viel Action und einigen Gags sein zu wollen, bot aber (versehentlich?) echte Qualitäten. So ist die gesamte Inszenierung des Eintreffens der Außerirdischen bis heute packend in Szene gesetzt. Die Abfolge des Konflikts mit den verschiedenen Versuchen, sich zu wehren oder mehr über sie zu erfahren, ist schön abwechslungsreich, und obwohl viele der Charaktere platte Karikaturen sind, begleitete man den irgendwie dahinein geratenen, sympathischen Tüftler Jeff Goldblums gern.

Die Wiederkehr hat viele Probleme, und eins davon sind die Rückkehrer selbst. Jeff Goldblums David ist mittlerweile Leiter der Verteidigungsmaßnahmen der Erde, doch als solcher wirkt der früher pfiffige Kopf wie ein Dummbatz. In Afrika entdeckt er (zusammen mit einer gänzlich irrelevanten Charlotte Gainsbourg) in einem Raumschiff ein seit 20 Jahren piependes Notsignal, nur um zu sehen, dass die gerufene Verstärkung just angekommen ist. Vom Mond bergt er ein abgeschossenes Alien-Raumschiff, nur um zuzusehen, wie Kollege Okun (die einzige sehenswerte Rolle: Brent Spiner als wirrer Wissenschaftler) dessen Geheimnisse löst. Später meint er, die Alienqueen durchschaut zu haben, nur um sich mehrfach von ihr hereinlegen zu lassen. Im Grunde ist Goldblum doch nur damit beschäftigt, trockene, trailerfertige Kommentare wie „Sie haben’s halt mit Denkmalen“ einzuwerfen.

Bill Pullmann hingegen gibt den paranoiden Ex-Präsidenten, der regelmäßig Visionen hat und dafür übergangen wird. Der Film macht aber nichts daraus. So gibt es keinen wirkungsvollen „ich hab’s euch ja gesagt“ Moment, und gleich zwei Versuche, eine so ikonische Rede wie die aus dem ersten Teil zu schwingen, gehen daneben. Er ist da und wirkt motivierter als Goldblum, aber es fällt schwer, froh zu sein, dass er sich dafür nochmal aufraffen konnte. Wieso man meinte, Goldblums Vaterrolle Julius zurückholen zu müssen, der hier in der Wüste mit einem Schulbus voller Kinder herumfährt, oder Vivica A Fox, die eine sinnlose Szene als Krankenschwester bekommt, bleibt wohl interstellares Rätsel.

Überhaupt ist eine allgemeine „Tjo“ Einstellung das schmerzlichste Problem des Scripts. Als nach 20 Jahren tatsächlich neue Aliens auftauchen, gibt es keine Panik, keine Angstausbrüche, keine Emotionen. Es gibt „tjo“, und selbst als ein gigantisches Raumschiff in den Orbit eintritt um den Erdkern auszusaugen, nein sogar Minuten, bevor es wirklich heißen könnte, adieu Planet Erde, nehmen es alle Figuren mit einschläfernder Gleichgültigkeit hin. Tjo, dann ist das halt so. Weder Goldblum, noch Pullmann reagieren mit mitreißender „jetzt geht’s um alles und ja, wir sind fucking bereit“ Einstellung, die beispielsweise Roy Scheider in Der Weiße Hai 2 an den Tag legt, als ein neuer Hai auftaucht.

Ich will Pizza.


Wie man es sich schon denken konnte, sind die neuen Charaktere eine Katastrophe. Thors Bruder Liam Hemsworth hat noch die beste Rolle als vom Pech verfolgter Space-Gabelstaplerfahrer, der mit seinem coolen Gefährt als Taxifahrer fungiert und einen sympathischen Kumpel hat, um den er sich allerdings nicht schert. Maika Monroe aus It Follows spielt seine blasse Freundin, und nur um den chinesischen Markt zu bedienen, ist die Sängerin Angelababy untätig als Pilotin zu sehen. Die größte vertane Chance findet sich in Will Smiths Stiefsohn. Nicht nur, dass Jessie Usher nichtmal 1% des Charismas Will Smiths hat, so wird seine Figur völlig verkorkst. Es wird nichts draus gemacht, dass er im Schatten seines Vaters steht und die Welt deswegen auf ihn hoffen könnte; oder, dass er mit ansieht, wie seine Mutter stirbt. Nein, stattdessen ärgert er sich den halben Film darüber, dass Hemsworth ihn bei einem Trainingsflug fast umkommen ließ. Zwischen den beiden entwickelt sich trotz allem keine interessante Hassliebe wie zwischen Maverick und Iceman in Top Gun, und es wirkt, als habe man eine Pilotenfigur sinnlos in mehrere aufgeteilt, nur um unterschiedliche Gesichter haben zu können.

Dann gibt es noch einen afrikanischen Warlord, der sich seltsamerweise mit anschließt, sowie einen Berater der Präsidentin, der wie John Oliver aussieht und versucht, in fürchterlich unlustigen Szenen den Respekt des grimmigen Warlords zu gewinnen. Auf dem Meer beobachtet ein russisches Schiff die außerirdischen Buddelmanöver, und weil kein einziger dieser Plots funktioniert, wünscht man sich noch am ehesten zu Brent Spiner in Area 51. Weil er gleich mehrere Teile machen will, stellt Emmerich in diesem Film eine neue Alienrasse vor, die wie der Kopf des depressiven Roboters aus Per Anhalter durch die Galaxis ausschaut. Mal eben wird das Universum des Films um den Faktor X erweitert. Schnell wird klar gemacht, dass die Alienqueen dieses Films nur eine von vielen ist, und es einen Planeten gibt, auf dem sich die letzten Überlebenden verschiedener fast ausgelöschter Rassen darauf vorbereiten, die Independence Day Aliens ein für alle Mal auszuschalten.

Im Prinzip keine schlechte Idee, auch wenn schon die reine Existenz dieses Films den Sieg am Ende des ersten für immer abschwächt, doch Emmerich begeht den Iron Man 2 Fehler. Schon während des laufenden Gefechts wird festgemacht, dass dahinter noch viel mehr kommt, dieses also gar nicht so wichtig ist. Anders als bei anderen mittleren Kapiteln wie Die zwei Türme, Zurück in die Zukunft 2 oder The Matrix Reloaded wirkt es hier forciert, und die allgemein vertretene „tjo“ Schulterzuck Einstellung lässt es immens schwerfallen, sich überhaupt für weitere Abenteuer zu begeistern.

Dabei ist nicht alles Käse. Zwar sehen die neuen High-Tech-Jets, -Waffen und -Raumfahrtklamotten der Menschen reichlich uninspiriert nach No-Name Spielzeug aus, ist der Soundtrack von Harald Kloser wesentlich unauffälliger als David Arnolds mitreißender alter, fällt die ansonsten hohe Effektquali oft ab wenn die Aliens zu Fuß unterwegs sind, hat der Film nicht eine, einzige originelle Sci-Fi Idee zu bieten, gibt es keine einzige so mitfieberbare Flugsequenz wie Will Smiths aus dem ersten Teil und auch keinen so denkwürdigen Momente wie „Willkommen auf der Erde – patsch“, die Vernichtung des Empire State Buildings oder der, in der Smith und Goldblum im Mutterschiff angedockt sind, die Fat Lady rauchen und lässig die Atomrakete rausschicken, aber - dafür ist das 3D recht gelungen. Reicht?

Fazit:

"Wir werden nicht schweigend in der Nacht untergehen" heißt es in der berühmten Rede aus dem ersten Teil, doch anbetracht einer leider lustlosen "tjo" Attitüde des zweiten würde man sich fast wünschen, die Aliens hätten damals gewonnen.

Independence Day 2 lässt es natürlich destruktiv krachen, doch das Fehlen von jeglicher Stimmung, mitreißender oder witziger Figuren und denkwürdiger Momente, sowie die unpassende Erweiterung dringen durch den Schild des Effektspektakels wie ein Betrunkener in einem Agrarflugzeug.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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