BG Kritik:

Inferno


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Inferno (US 2016)
Regisseur: Ron Howard
Cast: Tom Hanks, Felicity Jones, Ben Foster, Omar Sy, Irrfan Khan, Sidse Babett Knudsen

Story: Der amerikanische Milliardär Bertrand Zobrist (Ben Foster) hat einen Virus erschaffen, der die Menschheit bedroht. Einem Pfad aus Hinweisen folgend, versucht Robert Langdon (Tom Hanks) den Plan von Zobrist und dessen bewaffneten Gefolgschaften zur Freisetzung des Erregers zu stoppen. Zum dritten Mal muss Symbolologe Robert Langdon im Kino Rätsel knacken und um sein Leben flüchten.

Ein teuflisches Spiel?

Brown schreibt bereits am fünften Buch der Reihe


Nach sieben Jahren der Pause kehrt die mit "The Da Vinci Code – Sakrileg" gestartet Filmserie, basierend auf den Romanen von Dan Brown, in die Kinos zurück. Allzu viel hat sich auf dem Papier nicht getan, denn sowohl Regisseur Ron Howard als auch Hauptdarsteller Tom Hanks haben ihre Jobs wieder aufgenommen, dazu steuert Hans Zimmer erneut die Klänge bei, um gemeinsam abermals eine unterhaltsame Schnitzeljagd zu servieren. Diesmal geht es unvermittelt und mitten hinein in die Story. Unmittelbar zu Beginn der Handlung ist man als Zuschauer (ohne Buchkenntnisse) vermutlich ebenso ratlos wie Professor Langdon. Verwirrt, halluzinierend und unter einem Schädeltrauma und dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses leidend, erwacht der Professor in einem Krankenhaus in Florenz. Unwissend wie er überhaupt nach Europa kam, geschweige denn was er da wollte und weshalb er in Italien im Krankenhaus landete. Am Krankenbett eröffnet ihm die diensthabende Ärtzin Dr. Sienna Brooks (Felicity Jones), dass er angeschossen wurde und den Streifschuss am Kopf nur um Haaresbreite überlebt habe. Die Polizei sei zwecks Befragung auf dem Weg. Aber nur wenige Augenblicke später gilt es für den völlig desillusionierten und auf wackeligen Beinen laufenden Professor und seine Ärztin bereits gemeinsam um ihre Leben zu laufen. Der Anfang eines neuen Abenteuers für Robert Langdon, und diesmal ist alles noch schneller als im schon verdammt schnellen, unmittelbaren Vorgänger Illuminati. Denn nach dem von-null-auf-hundert Beginn nimmt Regisseur Ron Howard das Tempo auch für den Rest der Handlung nur noch selten heraus. Das kombiniert mit der mit nur gut zweistündigen Laufzeit bisher kürzesten der Serie, entsteht der deutlich dynamischste, ja, man könnte gar sagen der hastigste Teil der Reihe. Aber darüber hinaus?

Fast möchte man Protagonist Robert Langdon fragen: Was gibt es neues? Hab ne Kopfwunde und bin verwirrt könnte die Antwort lauten, denn abseits davon, dass der Professor nicht ganz auf der Höhe ist, entspricht auch sein neues Abenteuer wieder sehr dem bekannten Ablauf und Grundgerüst. Wieder hat Langdon eine brünette, sehr clevere und hübsche Begleiterin an seiner Seite, wieder gibt es eine mit berühmten Kunstschätzen bestückte Schnitzeljagd, wieder ominöse Verschwörer im Hintergrund und wieder ist der Professor in Lebensgefahr und muss von einem Punkt zum nächsten eilend, Rätsel knacken, weglaufen, recherchieren und kombinieren. Mochte man genau das an den Vorgängern, fühlt man sich direkt wieder heimisch. Große Innovationen sollten aber keine erwartet werden. Hat sich die altbekannte Formel also schon totgelaufen? Jain, denn dafür macht das Gesehene einfach weiter zu viel Spaß, und es trägt wie schon in Illuminati diesen "alles ist nochmal eine Nummer größer als zuvor" Stempel. Denn diesmal geht es um noch mehr als jemals zuvor.

Musste Hanks als Kryptologie-Experte und Professor Langdon in Sakrileg mehr oder weniger nur um sein Leben fürchten (und ein wenig an den Grundfesten der Katholischen Kirsche wackeln) ging es in Illuminati schon um das Leben der Kardinäle, sowie um die Leben der tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Hier geht es durch die drohende Seuche um nicht weniger als einen Großteil der Weltbevölkerung. Milliarden von Leben hängen also von den kombinatorischen Fähigkeiten des Professors ab. Leider sind die aber wie erwähnt etwas eingeschränkt, und so wird Langdon immer wieder von seinen Ausfällen aus der Bahn geworfen. Das funktioniert, wird mit entsprechenden Bildern voller Unschärfen, Doppeleffekten und Wackeln an der Kamera transportiert und bringt zudem die notwendige Frische in die bekannte Struktur. Ein Langdon, der sich nicht zu hundert Prozent auf seine stärkste Waffe verlassen kann und von heftiger Migräne und an die von Dichter Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie beschriebenen, neun Kreise der Hölle erinnernden, alptraumhaften Halluzinationen gepeinigt wird.

Der dritte Roman "Das verlorene Symbol" wurde übersprungen


Diese neuen und alle weitere Facetten der Rolle spielt Tom Hanks wie immer großartig, und so fiebert man mit dem desillusionierten Genie so fast noch mehr mit, als man es nach zwei Teilen Rätselei eh schon tun würde. Hanks ist der Superkleber, der alles zusammen hält, denn auch wenn ihm die talentierte Felicity Jones zur Seite steht, verblasst die junge Mimin doch deutlich neben dem Superstar. Dem Rest vom Cast ergeht es (mit Ausnahme vom einen angenehm undurchsichtigen Gesellen spielenden und einige Szenen stehlenden Irrfan Khan) ähnlich, und so kann selbst der großartige Ben Foster nur wenig aus seinem Untergangspropheten Zobrist heraus holen. Für ihn verblieb gar kaum mehr als das Minimum an notwendiger Spielzeit. Leider, denn mehr hätte hier mutmaßlich was gebracht, aber hier predigt Bertrand Zobrist überwiegend in Rückblenden oder YouTube-Clips vom drohenden Ende der Menschheit, welche sich durch die Überbevölkerung der Erde alsbald selbst zugrunde richten werde. Ohne Zweifel ein riesiges Problem, und Teile seiner Argumentationen erscheinen auch unbestreitbar logisch, allerdings münden diese in einem nicht völlig logisch erscheinenden Plan. Im Film jedenfalls. Denn für die Filmfassung änderte man entscheidende Details hieran. Zum schlechteren, und vor allem das Ende wird Kennern der literarischen Vorlage bitter ausstoßen. Schwach. Ebenso schwach wirkt die Motivation der Anhänger von Fosters Zobrist, denn wieso, weshalb und warum der Mann eine derartige Wirkung und Anziehungskraft ausübt, kommt im Film kaum rüber. Weshalb Zobrist also überhaupt eine ihm blind folgende Gefolgschaft hinter sich zu versammeln in der Lage war, darf man sich selber vorstellen und muss das einfach als Tatsache akzeptieren.

Eine der größten Stärken der bisherigen Filme der Reihe war wohl unzweifelhaft die Musik von Hans Zimmer, voller starker Kompositionen mit hohem Wiedererkennungswert und Dynamik. Der Inferno Score von Zimmer ist dagegen schwach. Sogar extrem. Kaum Wiedererkennungswert, ab und an Klänge aus den Vorgängern andeutend und variierend, aber darüber hinaus nicht ein haften bleibendes neues Werk. Kein Vergleich mit den auch noch nach Jahren im Ohr nachhallenden Scores der vorherigen Teile und eine glatte Enttäuschung. Auch ist vieles darüber hinaus an Inferno weiterhin nur ok, aber im Großen und Ganzen macht es weiter Laune wie sich Tom Hanks durch schöne Szenerien knobelt um dann wieder die Beine in die Hand zu nehmen und zu flitzen. Die Story ist dabei nach kurzer Verwirrungs- und Eingewöhnungsphase recht geradlinig und immer schön von Punkt zu Punkt und Hinweis zu Hinweis und damit von einem hübschen Touristenziel zum nächsten eilend. Kaum Schnörkel oder große Wendungen die man nicht kommen sieht, auch weil das Ende eben so drastisch von der Buchvorlage abweicht. Dass größte Plus was Inferno seinen Vorgängern voraus hat, ist seine Authentizität was die Optik angeht. Denn während die doch sehr vom fehlenden Wohlwollen der Katholischen Kirche eingeschränkten ersten zwei Filme des öfteren mit nicht erteilten Drehgenemigungen zu kämpfen hatten, klappte das in dieser Story ohne solche Elemente offensichtlich weit besser. Hier gibt es daher die echten Gebäude statt im Rechner entstandener Kopien, wie in den Vorgängern leider doch oft und offensichtlich der Fall. Um diese wunderschönen Plätze und beliebten Touristenziele allerdings richtig genießen zu können, ist der Film einfach zu schnell unterwegs. Ständig in Bewegung, kaum kommt man (ebenso wie Langdon) zu Atem, knobelt was aus, da geht es auch schon wieder direkt und fix weiter. Verschnaufpausen verbleiben so kaum, Längen kann man aber auch umgehen und Zeit für die Löcher im Plot findet man glücklicherweise auch nicht so viel. Gar keine wäre aber deutlich übertrieben, denn löchrig anzusehen verbleibt die Story dennoch, was man aber mit dem Spaß am miträtseln, dem guten Cast und technisch ordentlicher Regie gut zu glätten und zu kaschieren vermag.

Fazit:

Die filmische Version von Inferno ist eine kurzweilige, knackige und schnelle Schnitzeljagd die dem bekannten Muster der Reihe folgt. Neu ist aber fast nur die Begleiterin des Abenteuers, hier gespielt von Felicity Jones aus dem kommenden Rogue One: A Star Wars Story. So ist Inferno trotz schwachem Score und schwächerem Ende, das deutlich vom Buch abweicht und schwächelt, unterm Strich in etwa ebenso nettes Schnitzeljagd-Unterhaltungskino wie die Vorgänger. Aber eben auch nicht mehr.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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