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Kritik:
Insidious: Chapter 2


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

INSIDIOUS: CHAPTER 2
(2013)
Regie: James Wan
Cast: Patrick Wilson, Rose Byrne, Lin Shaye, Ty Simpkins, Barbara Hershey

Story:
Nachdem die Lambert Familie den dämonischen Fängen nur knapp entkommen konnte, versuchen Josh und Renai nun, das Familiengeheimnis aufzuklären. Dabei geraten sie erneut in Gefahr durch Geister und Dämonen. 

Kritik:
Sequels gibt es immer wieder. Es muss keinen Sinn ergeben, wenn ein erster Teil genügend Geld eingespielt hat. Anders als aber bei seinem Debüt „SAW“ führt James Wan nun seinen „Insidious“ zusammen mit seinem Autor Leigh Whannell selbst fort. Zum Erfolg? Gerade einmal 1,5 Millionen Dollar kostete der erste „Insidious“ und spielte daraufhin weltweit fast wieder 100 Millionen Dollar ein. Kein Wunder also, dass man da so schnell wie möglich eine Fortsetzung wollte. Um die Rückkehr von James Wan und Leigh Whannell zu garantieren, ließ man den beiden aber dann auch genügend Zeit um an ihren Ideen bis zu einem fertigen Drehbuch zu arbeiten. Etwas mehr Geld gab man ihnen (insgesamt sollen es wohl diesmal um die 5 Millionen Dollar gewesen sein) und es machte sich schon am ersten Wochenende in den USA wieder bezahlt, was auch schnell die Ankündigung eines dritten Teils mit sich brachte, welcher dann aber seinen Regisseur verlieren(der den nächsten „Fast & Furious“-Teil inszenieren wird bzw. schon dabei ist) und vorerst nur Leigh Whannell als Autor behalten wird. Doch zuerst einmal zum zweiten Kapitel. 

„Chapter 2“ setzt direkt nach dem ersten Teil ein. Nach den Ereignissen des ersten Teils, sucht die Familie Lambert erst mal Zuflucht bei der Großmutter Lorraine. Doch schon schnell wird klar, dass das Ganze noch nicht vorbei ist und sie auch vorerst in diesem Haus nicht ihre Ruhe finden werden. Anders als bei „SAW“ ließen nun Regisseur James Wan und Autor Leigh Whannel ihr „Baby“ nicht bei anderen, sondern nahmen es selbst bei der Hand und führten es nach ihrer Vorstellung weiter. Leider aber schienen sie sich dabei selber verlaufen zu haben. Wenn auch auf der einen Seite der Film wieder nicht an netten und memorablen Szenen und Momenten spart, so verlieren nicht nur seine Charaktere im Laufe des Films immer mehr an Zugkraft, sondern nebenher wird dem ersten Teil sogar einiges genommen. Genauer gesagt die Fortsetzung schadet dem Vorgänger nachhaltig! Es werden Szenen aus dem Vorgänger nochmals besucht (das wie und warum wirft dabei übrigens wieder viele weitere, neuen Fragen auf, die unbeantwortet bleiben) und es werden einzelne Dinge vertieft, auf die ich natürlich jetzt nicht im Detail eingehen werde, die dem Ganzen und dem ersten Teil an sich viel an Intensität und Faszination nehmen. Was man vor allem vielen Prequels vorwirft, zuletzt zum Beispiel „Prometheus“ macht hier die Fortsetzung. Es wird vieles (versucht) zu erklären und genauer betrachtet, was aber der Geschichte eher schadet und ihr vieles an Atmosphäre nimmt. Ohne das Wissen aus dem zweiten Teil ist und wäre der erste Film definitiv der bessere und wirkungsvollere Film.

Der Film beschränkt sich diesmal auch nicht auf einen Hauptschauplatz. Er erweitert wie seinen Charakterenkreis auch die Schauplätze, mit mehreren Häusern und einem leerstehenden Krankenhaus. Dies gibt wohl einzelnen Figuren mehr Spielzeit, aber vor allem Rose Byrne kommt so nicht mehr groß darüber hinaus, die besorgte und psychisch am Ende spielende Mutter und Ehefrau zu spielen. Auch Patrick Wilson, will als besessener Patrick Wilson nicht immer wirklich überzeugen. Was man James Wan und auch Leigh Whannel als Autoren zu Gute halten muss, oder besser gesagt was in dem Fall fast schon negativ auffällt ist, dass sie entgegen vieler Kritiker und Fanstimmen, ihr Ding weiterhin durchmachen. Die größte Kritik musste der erste Teil nämlich zum einen an den beiden eher skurrilen und auf Komik getrimmten „Geisterjägern“ Tucker und Specs (den Leigh Whannel selbst spielt) und vor allem dem letzten Akt einstecken. Doch die beiden denken gar nicht daran, dies zu ändern. Specs und Tucker spielen weiter mit (und werden das wohl auch in der Fortsetzung), diesmal sogar in einer fast weitaus wichtigeren Rolle als noch im Vorgänger und es gibt gegen Ende wieder mehr Szenen im „Ewigreich“. Leider ist diese Konsequenz nicht gerade löblich, wenn es am Ende doch wieder zu den selben Fehlern führt. 

Technisch überzeugt Wan zusammen mit seinem Kameramann John R. Leonetti wieder mit gelungen Kamerafahrten, welche die Kamera fast frei und schwebend durch die Räume fliegen lässt. Auch wird diesmal etwas mit dem Found-Footage Format gespielt, da es auch zwischenzeitlich ein paar wenige Szenen gibt, die mit Material, das parallel mit Videokameras von den beiden Geisterjägern eingefangen wird, zwischen geschnitten sind. Auch scheint Wan nach „The Conjuring“ gefallen an der Vergangenheit gefunden zu haben, da er mit einem Prolog in den 80ern beginnt. Nette Randnotiz übrigens, dass Jocelin Donahue die junge Lorraine Lambert spielt, hatte sie doch auch in Ti West „The House of the Devil“ die Hauptrolle in einem Horrofilm, der an die Filme seiner Art aus den 80ern angelehnt war. Komponist Joseph Bishara bleibt (natürlich) seinem Stil aus dem ersten Teil treu, was aus dissonanten, meist lauten und wie aus dem Nichts kommenden Klangcollagen oder besser gesagt Verzerrungen besteht. Sehr thematisch oder melodisch wird es dabei wieder nicht, was aber wohl auch nicht die Intention der Macher war. Zusammen mit dem Sounddesign, bleibt so eine ständige Atmosphäre der Anspannung, ohne größere Atempausen.

Fazit:
„Insidious: Chapter 2“ ist bei weitem kein schlechter Horrorgrusler und hat auch wieder ein paar erinnerungswürdige und gelungene Szenen, aber gemessen am Vorgänger und Wans bisherigem Horror-Œuvre ist er eine mittelgroße Enttäuschung. Es werden die Fehler des Vorgängers wiederholt, für Wan ungewohnt viele Klischees bedient und das Drehbuch ist viel zu überladen. Zu guter Letzt wird einem auch der Genuss des ersten Teils eher verdorben als versüßt.

5,5 / 10

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