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KRITIK:
IRON MAN II
von
Christian Mester
IRON MAN
II (2010)
Regie: Jon Favreau
Cast: Robert Downey Jr., Mickey Rourke
Story:
Viele neue Probleme
für Multimilliardär und Iron Man Tony Stark (Robert
Downey Jr.): das Palladium seines Magneten führt langsam zu
einer tödlichen Vergiftung; das US-Militär versucht
händeringend, die Technologie seines Anzuges für sich
zu beanspruchen; ein aalglatter Konkurrent (Sam Rockwell) will seinen
Platz einnehmen und ein rachsüchtiger Wissenschaftler (Mickey
Rourke) verlangt seinen Tod.
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Robert Downey
Jr. hat für insgesamt 4 Filme unterschrieben;
3x IRON MAN, 1x AVENGERS
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Kritik:
Als „Iron Man“ 2008 mit über 150 Millionen
Dollar Budget das Licht der Welt erblickte, war es ein eigentlich recht
riskanter
Versuch. Weltweit gehörte die Figur des stählernen
Kriegers zu den wohl eher unbekannteren Comic-Helden, Hauptdarsteller
Robert Downey Jr. nicht gerade zu den Blockbuster-Garanten; dass der
bis dato gebundene Megastar Tom Cruise abgesprungen war, machte es
nicht unbedingt leichter. Das Wagnis ging jedoch auf. „Iron
Man“ eroberte die Herzen der Welt und etablierte sich als
lustiger und actionreicher Popcorn-Spaß.
2010 folgt nun das heiß ersehnte Sequel, das im
Großen und Ganzen wie eine harmonische Fortführung
des ersten Teils wirkt.
Man merkt, dass (fast) alle Beteiligten wieder dabei
sind und der Film selbstsicher auf alle vorherigen Stärken
setzt. Zentrum ist Robert Downey Jr., der den exzentrischen
Multimilliardär einmal mehr als selbstverliebtes, kindisches
Genie mimt und einen Heidenspaß darin hat, in allem der beste
zu sein und gleichzeitig angehimmelt und beneidet zu werden. Eine
Paraderolle
für Downey, der sich sichtlich wohl fühlt und den
arroganten Schelm erneut zu einer äußerst
sympathischen Figur macht. Ebenfalls überzeugt Jon Favreau
wieder einmal hinter der Kamera, der als Regisseur selbstsicher,
stilistisch und technisch wunderbar an seinen Erstling
anküpft.
Nicht alles glänzt jedoch; poliert man etwas, kommt hier und
da unnötiger Rost zum Vorschein.
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Scarlett
Johanssons Rolle sollte erst an Emily Blunt
(THE WOLFMAN) gehen, doch als diese keine Zeit hatte, sprang sie ein
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“Iron
Man II“ geht auf Nummer sicher und erzählt im Grunde
„nur“ eine Variation der bereits gezeigten
Geschichte. Im ersten Film baute Tony sich etwas um zu
überleben – einen Magneten, hier ist es ein Update.
Ein brillanter Wissenschaftler wurde im ersten von Terroristen gefangen
genommen
und baute mit allen verfügbaren Mitteln insgeheim einen
Panzeranzug – im ersten war es Tony, hier
Vanko. Dritter Punkt: Tony wird von einem machtgierigen
Branchenkollegen reingelegt – im ersten war es Jeff Bridges,
hier Sam Rockwell. Man werfe ein paar Kaspereien, schöne
Frauen, Nick Fury und zwei Actionszenen rein und fertig ist
„Iron Man“ 2.0?
Die neue Version kann sich zwar durchaus sehen lassen, birgt aber noch
einige Bugs. Ein Problem wäre, dass „Iron Man
II“ überfüllt wirkt. Der Vierfrontenkrieg
gegen Vanko, Hammer, dem US-Militär und seiner Krankheit wird
zuviel. Schlimmer als das ist jedoch die Tatsache, dass
nichts davon emotionalen Einfluss auf Tony und die Zuschauer hat.
Eine
der besten Szenen des ersten Films war der Moment, in dem Obediah Stane
(Jeff Bridges) Tony Stark betäubt und den Generator
aus dessen Brust zieht. In dieser Szene spürt man
Tony’s
Leid, man fühlt den Hochverrat des Freundes, man sieht die
brennende Machtgier des geldversessenen Geschäftsmannes, der
für seine Sache über Leichen geht. Alle diese drei
Aspekte sind auch Thema des neuen Films, hinterlassen
hier aber keinen Eindruck.
Der neue geschäftliche Erzfeind Justin Hammer ist als
schmieriger Mistkerl vortrefflich gespielt vom großartigen
Sam Rockwell, doch so lustig und aalglatt er auch sein mag,
versprüht Hammer nie echte Gefahr. Dasselbe kann man
über Starks drohende Krankheit sagen, die ihm nie wirklich
bedrohlich wird. Was konfliktreiche Freundschaft betrifft, versucht
„Iron Man II“ einen Zwist zwischen Tony und seinem
angeblich besten Freund Rhodey (großer Makel: sowohl im
ersten als auch zweiten Film glaubt man keine Minute, dass diese beiden
Figuren langjährige beste Freunde sind; Tony hat bessere
Chemie mit Nick Fury und Black Widow) und einen zwischen Tony und der
vernünftigen Pepper Potts aufzubauen. Auch diese beiden
Brandherde werden salopp abgetan und nie ernsthaft zum Problem. Tony
und Rhodey zoffen sich zwar destruktiv in zwei Panzeranzügen,
doch so sehr es da auch krachen mag, Tony und letztendlich man selbst
als Zuschauer zuckt zwar recht gut unterhalten, aber unberührt mit der Schulter, hat
eine Frage.
Was ist
mit Vanko? Die wohl beste Szene des zweiten Films ergibt sich gegen
Filmmitte, als Ivan Vanko (Mickey Rourke) ein Autorennen betritt und
Tony mit Laserpeitschen angreift. Eine aufregende, spannende und
stylische Actionszene, die kurz darauf auch schon wieder missen
lässt. Vanko schraubt und bastelt ab dann bis Ende im
Kämmerlein und taucht nur noch einmal kurz auf, um dann
enttäuschender Weise innerhalb einer Minute besiegt zu werden
(der Showdown ist wesentlich kürzer als im ersten Film).
Dazwischen gibt es zwei Actionszenen mit Iron Man gegen einen
älteren Iron Man Suit und zwei Iron Men gegen eine Armada
Roboter, doch die beiden Szenen hauen weder rein, da es emotionslose
Blechduelle sind, noch sind sie etwas Besonderes. Es ist schade, da
Rourke als Vanko eine tolle Präsenz hat und wesentlich mehr
drin gewesen wäre. Mit ihm hatte man das Zeug zu einem
denkwürdigen Comic-Bösewicht, doch lange Erinnerungen
bleiben seiner zu oberflächlichen Figur leider verwehrt.
Überfrachtet ist die Geschichte auch deshalb, da
Comic-Filmstudio Marvel unbedingt Verknüpfungen zu anderen
Comic-Filmen aufbauen muss.
So trifft Tony auf Black Widow (Scarlett Johansson), erneut auf Nick
Fury (Samuel L. Jackson), es werden andere Superhelden angedeutet und
gezeigt und überhaupt ist kaum zu übersehen, dass man
2012 „Avengers – Die Rächer“ im
Kino haben wird, jenen Superhelden-Treff mit dem Hulk, Captain America
usw.. Der Punkt ist, dass die Beigabe all dieser Fanwinks der Story von
„Iron Man II“ nicht hilft. Nick Fury und Black
Widow helfen Tony, doch beide Charaktere sind für die
Geschichte des Films überflüssig. Spannender
wäre es, wären sie nicht vorhanden. Scarlett
Johansson sieht als Agentin zwar umwerfend aus und schlägt
sich auch passabel in einer kleinen Actionszene, doch das
Gefühl bleibt, dass sie eigentlich in einen anderen Film
gehören. Besonders kurios dürfte die Inklusion
für all die jenigen sein, die mit den Namen nichts anfangen
können. Wer die Nach-Abspannszene des ersten Films nicht
gesehen hat, kennt Fury beispielsweise nicht. Umso
merkwürdiger dürften dann Diskussionen über
eine ominöse Avenger-Initiative sein, die für den
unwissenden Zuschauer überhaupt keinen Sinn macht (eine
geheime Organisation von Superhelden versucht Tony Stark zu
ihresgleichen zu machen. Eine Tatsache, die der Film durchaus
deutlicher erklären könnte).
Es fällt auch auf, dass Tony in seinem neuen Abenteuer selbst
kaum Veränderungen durchmacht. Im ersten Film wandelte er sich
vom gleichgültigen Waffenhersteller zum mutigen Helden. Im
zweiten Film ist er ein mutiger Held und bleibt es.
Es wird auch die Chance vertan, die Bindung zu seiner besten Freundin
Pepper zu intensivieren; oder auch, Tony als Frauenheld auf Black Widow
anzusetzen. Trotz all der inhaltlichen Schwächen –
was unsere Drehbuch-Kritik vor einigen Wochen bereits andeutete
– ist „Iron Man II“ trotzdem ein
hervorragender Popcorn-Blockbuster geworden. Der Film ist mit
zahlreichen amüsanten Momenten gespickt, die Actionszenen
passen, AC/DC dezibelt stimmig aus den Boxen und die Effekte von ILM
sind durch die Bank weg hervorragend; die Kritik sagt nicht aus, dass
"Iron Man II" nicht gut ist - er ist toll, aber nicht grandios, was er
hätte sein können. Ein „Iron Man
III“ darf gerne folgen.
Fazit:
“Iron Man II“ wirkt wie eine Verlängerung
des ersten Films. Technisch, schauspielerisch, regietechnisch
erstklassige Unterhaltung nach Maß des Vorgängers,
doch inhaltliche Schwächen nagen am Gesamteindruck. Wer den
Vorgänger mochte, wird auch diesen mögen, wird
allerdings nicht wie erhofft aus den Schuhen geblastet.
6,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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