hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Iron Sky
Wir kommen in Frieden!


von Christian Mester

IRON SKY
Regie: Timo Vuorensola
Cast: Julia Dietze, Udo Kier

Story:
Was niemand weiß... die Nazis gibt es noch. Auf dem Mond. In einer riesigen High-Tech Mondbasis, in der Führernachfolger General Kortzfleisch (Udo Kier) Ufos und Raumschiff-Zeppeline bauen lässt, mit denen es in Kürze die Erde zurückzuerobern gilt. Wäre da nicht die neugierige Offizierin Renate (Julia Dietze), die sich mit einem gefangenen, eingeweißten US-Astronauten (Christopher Kirby) anfreundet. Ein baldiges Problem für ihren Freund, den Führernachfolger-Nachfolger und Vorzeige-Arier Adler (Götz George)...

Kritik:
Seit jeher gibt es urbane Mythen, dass die Nazis in den 40ern neben keltischen Fabelritualen auch mit unheimlicher Sci-Fi-High-Tech experimentiert hätten - daraus entsprossene Sprosse: Hellboy und die Wolfenstein-Spiele. Da ein Wolfenstein-Film nach wie vor nicht zu kommen scheint und der Rote einpacken durfte, hat sich ein flinker Finne dazu entschlossen, das Thema Nazis + High-Tech einmal gründlichst neu zu verwursten. Als Iron Sky im Jahr 2009 - die Story: Nazis verstecken sich 70 Jahre lang auf dem Mond und wollen die Welt erobern - angekündigt wurde, konnte man gar nicht anders als herrlichst darüber zu schmunzeln. So ein Stuss. Nazis. Auf dem Mond. Eine Idee, die so lange lustig blieb, bis sie tatsächlich fertig war. Plötzlich ist Zeit zu zögern, denn um völligen Stuss guckbar umzusetzen, bedarf es schwieriges Feingefühl und Durchhaltevermögen. Schnell ist ein scheinbar zotiges Konzept in Filmlänge nicht mehr brauchbar, ist der Balance-Akt von Humor und Anspruch zu früh verloren.

Das einzige wirkliche Lob, das man dem mutigen Sonderling Iron Sky letzten Endes aussprechen kann, sogar aussprechen muss, ist die technische Umsetzung. Obwohl der Film nur ein Zehntel eines G.I. Joes gekostet hat, sind die zahlreichen Computereffekte und Sets für das Geld schlichtweg sensationell. Obwohl es die Story vielmals nicht abverlangt, reist die Kamera immer wieder gönnerisch durch detailverliebte Gebäude und Bauten, durch riesige Maschinen und Flugfuhrpärke und zeigt, was der eiserne Himmel optisch alles zu bieten hat (auch wenn leider oft ersichtlich ist, wo Darsteller und Set aufhören und die Greenscreen anfängt). Ein großes Lob der Technik, die es so und in einem Genrefilm eingesetzt leider nur selten aus europäischen Gefilden zu sehen gibt.

Das Vierte Reich Iron Skys endet jedoch schon nach der noch recht amüsanten Eröffnungsszene, in der US-Astronauten auf dem Mond verdutzt auf einen Mondbewohner in SS-Kluft stoßen. Wer gut gelaunt meint, der Film sei bis zum Ende genau so und ein wahrer Blitzkrieg an kuriosen Kalauern, liegt tief im Schatten des Mondes. Ähnlich wie der sehr gelungene Auftakt von Postal stürzt Iron Sky ähnlich ab und findet bis auf weit vereinzelten Gags nur noch seltenst zu echtem Fun zurück. Hier ist es sogar Absicht, denn schrägerweise sieht Timo Vuorensola seine Filmhandlung nicht als bestes Material für eine schräge Komödie ala Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug. Stattdessen ist er gar ambitionierter und schlägt einen überraschend ernsten Ton an, inklusive schwermütigen Score, da der Film primär allgemeine Politsatire sein will. So finden sich ein paar der Nazis auf der Erde ein und agieren dort mit einer Sarah Palin als US Präsidentin, mit einer (lustig:) inkompetenten UN und mit fragwürdigem Medienwirrwarr. Einige dieser Momente funktionieren, etwa, wenn eine verblüffte Renate merkt, dass Der große Diktator von Charlie Chaplin 100 statt 10 Minuten lang und Kritik statt Loblied ist. Dann wiederum hat die debile Parodie-Präsidentin Palin nur Tierfelle und Aerobic-Geräte in ihrem Büro stehen, ist wie in einer Erotikfilmparodie geschminkt und gekleidet und hat eine PR-Managerin, die später im Catsuit nervtötend johlned die Weltraumflotte der Welt in eine lange, technisch gut gemachte, aber unspektakuläre Raumschlacht führt. Vuorensola macht gar den Tablet-Hype zum Fördermittel der Weltuntergangsmaschine (gesteuert von Albert Einstein), bis es irgendwann alles zu platt ist.

Auch wenn Vuorensola mutig auf den Ton eines Dr. Strangelove oder Starship Troopers abzielen mag, verfehlt er es, Iron Sky zur unterhaltsamen Satire mit Biss zu machen. Dem stehen neben platten Gags insbesondere die banalen Hauptfiguren im Weg, über deren langweiliges und planloses Abenteuer besser der eiserne Vorhang des Schweigens gelegt sei. Einzig Götz Otto und (ein leider nur kurz vorkommender) Udo Kier als Vollblutnazis wissen um ihre Wirkung und geben gute käsige Antagonisten ab, während das Heldenpaar naive Offizierin und eingeweißter Astronaut das wohl schlechteste Figurenduo seit Skids und Mudflaps aus Transformers 2 sein dürfte. Was völlig verfehlt ist: der Culture Shock, es lustig zu gestalten, wie eine im 40er Nazi-Stil aufgewachsene Frau auf die moderne Welt trifft, oder gekonnt zu akzentuieren, wie die nicht allzu hellen Nazis derartige High-Tech entwickeln können. Oder gekonnt mit den beiden Empfindungen zu spielen, dass sie zum einen lustige Idioten, zum anderen aber auch gefährliche Menschmonstren sind. Das traut man sich nicht, und da man den ganzen Film über mit einer Nazifrau gegen ihre Nazikameraden fiebert, fällt es schwer, sich so wirklich auf ihre Seite zu schlagen, zumal das Ende ein komisch anmutender Schlussstrich ist.

Fazit:
Der D-Day des guten Geschmacks, die Lacher-Landung an der Normandie des Unsinns? Weder noch. Iron Sky ist weder allzu brisant, noch ein herrliches Kalauerfest ohne Grenzen. Abgesehen von bemerkenswert gemachten Effekten und rund 15 Minuten lustiger Szenen ist Iron Sky ambitionierter Trash, der seinem Trashfun misslungene Ambitionen in den Weg legt. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Sturz für die amüsante Idee der Mondnazis.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich