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Kritik:
Iron Sky 

Wir kommen in Frieden!


von Christian Westhus

IRON SKY
(2012)
Regie:Timo Vuorensola
Cast: Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier

Story:
Was niemand weiß... die Nazis gibt es noch. Auf dem Mond. In einer riesigen High-Tech Mondbasis, in der Führernachfolger General Kortzfleisch (Udo Kier) Ufos und Raumschiff-Zeppeline bauen lässt, mit denen es in Kürze die Erde zurückzuerobern gilt. Wäre da nicht die neugierige Offizierin Renate (Julia Dietze), die sich mit einem gefangenen, eingeweißten US-Astronauten (Christopher Kirby) anfreundet. Ein baldiges Problem für ihren Freund, den Führernachfolger-Nachfolger und Vorzeige-Arier Adler (Götz George)...

Kritik:
Über die uralte Kamelle, die Nazis hätten ihre Weltraumpläne in die Tat umgesetzt und seien zum Mond geflüchtet, lacht sich heute selbst Oma kringelig. Und weil es schon lange kein Tabu mehr ist, mehr Lach- als Sachgeschichten über Nazis zu erzählen, strickt man sich aus urigen Pseudo-Mythen gerne mal humoristisch angereichertes Seemannsgarn. Gerne auch als Trash bezeichnet, weil absonderliche Ideen absonderliche Etikette benötigen. Trash hört bei solchen Ideen aber nicht auf, lebt insbesondere von einem heiteren Augenzwinkern, von einer Atmosphäre des bewusst Schlechten oder bewusst Dämlichen. So was nennt man gerne Mal „Charme“. Und diesen Charme zu kreieren ist bedeutend schwerer, als höchstwahrscheinlich im Suff entstandene Ideen auszumalen, die als Zwei-Minuten-Sketch im Internet wahrscheinlich nicht schlechter funktioniert hätten. Das muss auch der finnische Regisseur Timo Vuorensola erkennen. Die angekündigte Gaudi, Nazis vom Mond gieren nach der totalen (…ähem) Weltherrschaft, ist nämlich auch nur etwa zwei Minuten lang von alleine lustig. Irgendwann verpufft der „Wie geil ist das denn?!“ Effekt und echte Gags, echte Figuren, echte Handlungsstränge müssen her. Und da gerät „Iron Sky“ mehrfach ins Wanken. 

Die Amerikaner sind seit langer Zeit mal wieder auf dem Mond, jedoch nicht um zu forschen oder um ein extraterrestrisches Gebiet für amerikanisch zu erklären, sondern als PR-Aktion für den laufenden Wahlkampf im Jahr 2018. Und als den beiden Astronauten (von denen der Eine aus albernst-rassischen Gründen im dunkelgrauen statt weißen Anzug unterwegs ist) plötzlich Mond-Menschen mit Stahlhelm, Gasmaske und Hakenkreuzbinde begegnen, sollte der vermeintlich Spaß am verspäteten Tabubruch eigentlich beginnen. Und so darf man sich dann an müden Gags erfreuen, wie die irre Mengele-Einstein Kreuzung, die hier als verrückter Wissenschaftler wahrscheinlich schon seit 1945 an den rostigen Hebeln sitzt. Und der Witz besteht dann daraus, dass der Mengele-Einstein einmal doch glatt „Neger“ sagt. Hihi. Im Propaganda-Unterricht lernen die Pimpfe in feinster Frakturschrift Englisch und erfahren, wie sie den Feind (der, wie es heißt, gerettet, nicht ausgelöscht werden soll) infiltrieren können. Chaplins Großer Diktator ist ein Kurzfilm Pro-Faschismus und wem das noch nicht subtil genug ist, für den hält der zur Karikatur des sinistren Deutschen gewordene Udo Kier ein paar Mal seine markante Visage in die Kamera.

Man kann nicht behaupten, die Chose wäre ein riesengroßer Rohrkrepierer, aber aus der vermeintlich mutigen Prämisse wird meist nur lauwarmer Witz-Kakao, dem umso mehr die Puste ausgeht, als man sich entschließt eine Polit-Satire zu werden. Auf der Erde bereitet nämlich eine fitness- und jagdbegeisterte US-Politikerin mit einem verdächtig bekannt vorkommenden Aussehen ihrer Wiederwahl vor. Und als bekannt wird, dass eine kleine Gruppe Mond-Nazis in den United States of the Americans (wie Götz Ottos amüsant verpeilter Vorzeige-Nazi sagen würde) nach Smartphones (!) sucht, sehen Madam President und ihre Kampflesben/Vollweib-PR-Beraterin die Chance zum Marketing-Coup. Denn mit strammen Uniformen und roten Bändern kann man bekanntlich Wahlen gewinnen. Nur die Symbole muss man austauschen. Was da im und ums Oval Office, bei den Vereinten Nationen oder im der Präsidentin ihr Wohnzimmer passiert, macht wenig Sinn, nimmt sich aber einen Hauch zu ernst und versäumt es, die nötigen Treffer zu setzen. Statt dass man den Nazi-Trupp, der den SS-Totenkopf wie selbstverständlich durch Downtown Manhattan trägt, in absurde Abenteuer stürzt, befinden wir uns bald zwischen zwei frischen (nennen wir’s mal so) Liebesbeziehungen, von denen eine noch lächerlicher wirkt als die andere. 

Es ist ein eigenartiges Hin und Her, das sich seine liebe Zeit gönnt, um erschreckend wenig zu sagen. Dass Nazis vom Mond bei den modernen Trends der Intimfrisur an den Führer denken, ist nun wahrlich keine neue Idee. Und die US-Wahlkampf- und Außenpolitik mit Nazis und dem Faschismus zu vergleichen (natürlich ohne den Holocaust zu erwähnen, denn das drückt bekanntlich die Stimmung), ist an sich eine angenehm freche Idee, die dann jedoch nicht mehr als harmlose Polemik bietet. Und damit kann man weder schocken, noch irgendwas Fundiertes über den Zustand unserer aktuellen Gesellschaft aussagen. Auch nicht, wenn man Erschießungen und Prügeleien musikalisch mit Nationalhymnen kombiniert, oder wenn das irritierend zynische (und abermals ziellose) Ende mit musikalischem Pathos noch trister wirkt. Der beste Gag, der gleichzeitig auch politisch funktioniert, betrifft bezeichnenderweise Nordkorea. So fühlt sich „Iron Sky“ an, wie eine unterdurchschnittliche Folge „South Park“. Man mixt Provokationen und ein ziellos kritisches Polit-Potpourri zusammen, garniert mit ein paar Albernheiten, und heraus kommt ein laues Lüftchen, das nicht weh tut und nicht zuletzt deswegen schon verloren hat. Alles irgendwie ganz okay, in regelmäßigen Abständen ist immer was zum Schmunzeln dabei, und die meisten Darsteller sind mit ausreichend Selbstironie dabei, um ihre hemmungslos dämlichen Rollen auszufüllen. Aber es wäre verwunderlich, wenn „Iron Sky“ in einigen Jahren für mehr bekannt wäre, als für seine „Nazis vom Mond“ Grundidee und die überwiegend blitzsauberen Effekte. Für ein Budget von weniger als 10 Millionen Euro kann sich der digitale Rambazamba mehr als sehen lassen und so schaltet auch Regisseur Vuorensola zum Finale auf Krawall, der nicht langweilt, aber angesichts des eigentlich absurden Umfelds noch viel zu sehr nach normaler Science-Fiction aussieht.

Fazit:
Trotz mehr als beachtlicher Effektarbeit fällt den Machern von „Iron Sky“ zu wenig ein, um die lustige Grundidee der Invasion durch Nazis vom Mond über 90 Minuten hinweg lustig zu gestalten. Auch als Satire gegen die aktuelle US-Politik gelingt zu wenig. „Iron Sky“ ist überwiegend erträglich und nett, sollte aber genau das eigentlich nicht sein.

4 / 10

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