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Kritik:
Jack Reacher


Kritik von Christian Mester

JACK REACHER
(2012)
Regie: Christopher McQuarrie
Cast: Tom Cruise, Jai Courtney, Werner Herzog

Story:
Ein scheinbar psychisch verwirrter Mann wird festgenommen, nachdem er von einem Parkhaus aus mehrere Leute erschossen haben soll. Bei seiner Vernehmung schreibt er nur auf, dass man einen gewissen Jack Reacher holen mag. Der (Tom Cruise) steht dann auch schon plötzlich auf der Matte und sagt, dass er den Verdächtigen keineswegs retten will - er selbst, ein ehemaliger Militärpolizist, will ihn wegen einer alten Sache bestraft sehen. Dann kommen berechtigte Zweifel auf, dass sich der Vorfall tatsächlich so ereignete...

Kritik:
Da sich bei Mission Impossible aufgrund Tom Cruises' steigendem Alter - er hat die 50 überschritten - so langsam anbahnt, dass er irgendwann nicht mehr der aktivste Agent an vorderster Front sein wird, versucht er nun, sich einen neuen Franchise aufzubauen: die Jack Reacher Reihe. In Buchform gibt es bereits 17 Teile von Autor Lee Childs, dessen Verfilmung direkt zu Beginn für Bestürznis sorgte: Reacher ist im Buch nämlich für gewöhnlich blond, herb und um die 2m groß, was wohl eher auf Dolph Lundgren, als auf den zwar nicht kleinen, aber halt auch nicht 1,80m großen und eher athletischen Cruise zutrifft.

Die Abweichung von der Beschreibung ist dann aber auch das kleinste Problem, denn Cruise selbst ist gewiss keines des Films. Als Reacher ist er ein Eigenbrötler, der charismatisch, wenn auch ein wenig merkwürdig erscheint. Als Holzfällerhemd tragender Jedermann fährt er bevorzugt mit dem Bus, liebt völlige Abkehr von jeglichen Regeln, Verpflichtungen oder Gesetzen, ist zugleich aber auch ein sensationeller Ermittler, Schütze und Nahkämpfer, wenn auch kein Übermensch ala Ethan Hunt; trifft es ihn, schmerzt es, und so geht auch so mancher seiner Pläne zunächst schief. Manches Mal ist gar Glück nötig, um ihn aus prekärer Lage zu retten. Hat jemand eine Geisel in Gewahrsam, sagt Reacher ihm, dass sie ihm egal sei - was man ihm sogar abnimmt, oder aber er wird plötzlich finster und zischt, er habe vor, ihr Blut zu trinken - was auch nicht abwegig erscheint. Es sind diese kleinen Unebenheiten, diese Entfernungen vom klassischen nur-selbstlosen Helden, die die Figur Reachers interessant machen. Cruise selbst ist wie immer hervorragend, auch wenn ihm der Film offen gesagt zu wenig Highlights verpasst.

Im Rest des Films finden sich dann auch weitere Schwächen, die Cruises Leistung untergraben. So ist die Ermittlung an sich relativ langatmig und fällt mehr und mehr gleichgültig in den Hintergrund, sodass es einem egal wird, ob der anfangs festgenommene Schütze nun der richtige ist, oder ob es für irgendwen was ausmacht, wenn die Bösen dieses Mal geschnappt oder zerlegt werden. Rosamund Pike aus der Doom Verfilmung schauspielt sich aufgebracht als Multitasking-Anwältin, die irgendwie den Fall, Reacher und die Verbindung zu ihrem zwielichtigem Vater managen muss, gut durch den Film, aber kann nie wirklich zu Cruise finden. Als verstümmelter Bösewicht ist Nicht-Schauspieler und deutscher Filmemacher Werner Herzog eine tolle Wahl, da mit reinem Auftreten bedrohliche Autorität, doch leider ist er von unfähigen Handlangern umgeben. Angeführt von Jai Courtney (Spartacus, Stirb Langsam 5), erweisen sich diese als tollpatschige Versager, die einen Mann nichtmal mit einem Baseballschläger im engen Raum eines Badezimmers treffen können. Courtney selbst kann leider keinen besseren Eindruck hinterlassen, und das, obwohl er den mano-a-mano Showdown gegen Cruise bekommt.

Regisseur McQuarrie, der für gewöhnlich als Drehbuchautor tätig ist, setzt den ersten (und vielleicht einzigen) Reacher Film sehr schick um und spendiert ihm eine sehenswerte Verfolgungsjagd, vereinzelte Highlights und einen durchweg erstklassigen Cruise, doch insgesamt darf bezweifelt werden, dass wirklich alle Stärken der Buchreihe, die es auf immerhin fast 20 Teile geschafft hat, erfolgreich ins Medium Film übertragen wurden, bzw, dass es einen Film ergibt, der sich selbst auch als Franchise entwickeln können sollte. Es ist ein guter, brauchbarer Film, aber wahrscheinlich nur ein - wie heißt das Buch, auf dem die Story basiert, im Original: One Shot.

Fazit:
Tom Cruise darf's auch mal etwas schwächer angehen: Jack Reacher ist ein solider, guter Thriller, der aber noch viel Freiraum nach oben bietet und bspw. kein Kaliber vom Schlage eines Collateral ist, was er hätte sein können, aber was dann vielleicht noch in etwaigen Fortsetzungen folgen mag.

6 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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