BG Kritik:

Jack Reacher 2: Kein Weg zurück


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Jack Reacher 2: Never Go Back (US 2016)
Regisseur: Edward Zwick
Cast: Tom Cruise, Robin Sparkles, Danika Yarosh

Story: Als Jack Reacher sein Büro besucht um mit einer alten Kollegin der Militärpolizei auszugehen, erfährt er, dass sie gerade verhaftet worden ist. Auch er selbst wird kurz darauf des Mordes bezichtigt. Klare Sache: irgendwas stimmt da nicht, irgendjemand will sie beide loswerden. Also lässt Reacher seine Finger knacken und macht sich auf, das Problem zu lösen…

Reacht nicht.

Cruise kehrt 2017 mit einem Remake von Die Mumie zurück...


Jack Reacher ist ein Relikt. Die Buchreihe, die Figur, sein Darsteller. Schon seit 21 Büchern zieht Reacher als Landstreicher umher und löst knochenbrechend diverse Provinzprobleme, wie es einst das A-Team oder der Bixby Hulk taten. Beide Jack Reacher Filme nehmen zudem einen Platz ein, den es so kaum noch gibt: den des drahtigen, dreckigen Actionfilms, der weniger als 100 Millionen Dollar kostet, ganz ohne Sci-Fi- und Fantasy-Aspekte auskommt und sich auch mal nicht anschickt, jeder vierköpfigen Familie zu gefallen.

Kein Weg zurück, der zweite Reacher Film, basiert auf dem 18. Buch. Wieso man aus all den Büchern ausgerechnet diese Story nehmen musste, wird wohl ein unverständliches Rätsel bleiben, denn was schon in Romanform nicht funktionieren wollte, klappt im Film noch weniger. Reacher steht also unter Mordverdacht, doch Spannung will dabei keine aufkommen. Er ist ein Meister des Untertauchens, kann sich aus allem selbst befreien und hat mehr Kampferfahrung als jeder andere Polizist. Zudem ist er Tom fucking Cruise. Natürlich hat niemand eine Chance gegen diesen Reacher, doch leider macht der Film fast nichts draus, will geerdet bleiben, nicht zu viel Spaß machen. Also wird teils so getan, als müsse er wirklich fliehen oder als wisse er mal nicht weiter, was von der Inszenierung her wenig glaubhaft wirkt und nie echten Thrill aufkommen lässt. Der Unauffindbare wird nicht national gesucht, flieht nicht vor CIA und FBI. Stattdessen gibt es die typischen zwei Deppen, die töricht hinterher fahren und sich dann welche fangen.

Im Vergleich zum ersten Film ist Reacher hier mit einer Partnerin unterwegs, gespielt von Robin Sparkles a la Cobie Smulders. Die überzeugt als toughe Ex-Soldatin auf der Flucht, das aber nur außerhalb der Actionszenen. Schlimmer ist, dass die gesamte Filmstory eine Art Hindernis zwischen einem Date der beiden darstellt, für das die beiden sichtlich null Chemie miteinander haben. Selbst nachdem sie ihr Oberteil auszieht oder nur mit Morgenmantel bekleidet in einem Motelzimmer neben ihm liegt, geht weniger als gar nichts, gibt es keinerlei Funken. Würde man einige Dialoge so umschreiben, dass die zwei Geschwister wären, würde man es direkt glauben können. Und auch sonst hat die Beziehung der beiden fast nichts zu offerieren. Sie bleibt relativ professionell, zeigt aber null Reaktion auf Reachers gewohnt rohen Zugriffsart.

... und 2018 mit dem nächsten Mission: Impossible


Ob Denzel Washingtons Equalizer den zweiten Reacher inspiriert haben mag? Reacher 2 ist nämlich merklich härter. Nicht unbedingt in seinen Bildern, aber so gnadenlos schlug Reacher im ersten Teil noch nicht zu. Eine unnötige Brutalität, die die Figur vielleicht sogar ein Stück unsympathischer macht. Seine Drohungen und Dreistigkeiten sind amüsant, doch seine Offensiven wirken selten so badass imposant, wie es der Film gern hätte. Hinzu kommt, dass im Vergleich zum ersten Film nennenswerte Gegner fehlen. Er schlägt und tritt sich durch gesichtslose Gegner, dazu hauptsächlich durch den völlig unbekannten Patrick Heusinger, der als namenloser Killer Marke Bourne-Kontrahent auftritt, aber keinerlei Profil aufweist. Als tatsächliches Gesicht taucht der früher mal in Prison Break geniale Robert Knepper auf, der seinen lahmen, einsilbigen Auftritt vermutlich in der Mittagspause eines anderen Projekts gedreht haben mag.

Ach ja, da war noch was. Als weiteres Element taucht eine blonde Jugendliche auf, die die Frage im Raum stehen lässt, ob Reacher ihr biologischer Vater ist oder nicht. Natürlich wird auch sie mit in den Konflikt um Reachers Kollegin involviert, und der sonst so einsame und stoische Soldat versucht sich langsam mit dem Gedanken anzufreunden, mit ihr eine Familie zu haben. Da kommt sein Beschützerinstinkt durch (das amerikanische Till und Luna Schweiger) und Danika Yarosh spielt die eventuelle Tochter Reachers durchaus charismatisch, doch was es auch sein mag, Cruise vermag es ausnahmsweise mal nicht, schauspielerisch interessant mit den beiden Frauen umzugehen, seinen verhärteten Reacher emotional anzuknacksen. Er bleibt ein mimikloser Drohklotz, relativ unnahbar. Wenige kurze Anflüge von Humor lassen fast erahnen, wie unpassend der gewählte Ton ist.

Und sonst? Edward Zwick hat den gedreht. Der den guten The Last Samurai und den exzellenten Blood Diamond gemacht hat. Hier muss er die Regie aber insgeheim einem Praktikanten überlassen haben, denn der Film sieht klein und fade runtergefilmt aus, hat bis auf passable Nahkämpfe keinerlei Action und passt qualitativ im Gesamtbild eher ins Fach Nicolas Cage Blu-ray VÖ, anstatt in die Cruise Kinopflichtfilm Schublade.

Fazit:

Reacher ist also ein Relikt. Schade, dass der Film nichts darüber zu sagen hat. Zwicks und Cruises Versuch scheitert, die Figur Reacher weiter zu festigen. In seinem konfusen, emotions- und spannungslosen neuestem Fall schlägt er irrelevante Nobodies zusammen und lebt Beziehungen zu Frauen und möglichen Kindern, die substanzloser nicht ausfallen könnten - all das verpackt in einem uninspiriert generisch aussehendem 0815 Thriller, und damit mit Blick auf Cruises sonst bemerkenswerte Filmografie, einer seiner schwächsten Titel. Hoffentlich führt doch noch ein Weg zurück.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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