BG Kritik:

Joe - Rache ist sein


von Christian Mester

Joe (US, 2014)
Regisseur: David Gordon Green
Cast: Nicolas Cage, Tye Sheridan

Story:
Nicolas Cage spielt Joe, einen Forstarbeiter, der für Rodungsunternehmen flächenweit Wälder vergiftet. Joe ist ein gutmütiger, zurückgezogen lebender Kerl mit konfliktreicher Vergangenheit, die eines Tages wieder hervorgebracht wird, als er einen Jungen mit gewalttätigem Vater kennenlernt.

Hölzerne Performance oder brandrodendes Comeback?

Zauberer, Hexenjäger, Höllendämon und -flüchtling, Racheengel, Home Invasion Opfer, Neanderthaler und Quasi-Batman in Kick-Ass. Einseitigkeit kann man Cage demnach nicht vorwerfen, doch ein konsequentes Unvermögen, auf die richtigen Projekte zu setzen. 2009/10 war er zuletzt spitze als durchgeknallter Cop in Bad Lieutenant 2, doch dann folgten Duell der Magier, Der letzte Tempelritter, Drive Angry, Trespass, Seeking Justice, Ghost Rider 2, Stolen und Frozen Ground. Alles Filme, die man sich an verregneten Wochentagen ansehen kann, die aber kein Mensch je nachdrücklicher weiterempfehlen würde. Das heißt, keine Filme, die eines Face/Off, Leaving Las Vegas, Lord of War, Adaptation Nic Cage würdig wären.

Cage hat fünf neue Filme fertig, die alle schwach erscheinen


Joe, in Deutschland immerhin auf Joe - Die Rache ist sein erweitert (ausnahmsweise mal eine gute Titelgebung), ist nicht unbedingt der erwünschte neue Cage, der ihn zu Oscar-Nominierungen zurückführt oder die mauen anderen Filme wiedergutmacht, aber ein ernstzunehmendes Revoltieren. Der Cage, den wir als Ausnahmedarsteller lieben lernten, existiert offenbar noch und wurde wie Mythos Bigfoot in diesen Joe-Wäldern gesichtet. Unter einem dicken Bart und im Holzfällerhemd, wie Dexter. Cage, der hier erstmals gefühlt dazu steht, 50 und nicht mehr 30 zu sein, vergisst sein berüchtigtes Mega-Acting für den Film und spart sich Schreihals-Momente mit weit aufgerissenen Augen, die ihn in den letzten Jahren oft lächerlich erscheinen ließen. Stattdessen formt er Joe zu einer starken, verletzlichen Dramenrolle, hinter der mehr steckt. Mit sehr viel Feingefühl entwickelt er eine charismatische Vaterfigur, die vieles in sich lodern hat, davon aber wenig zu offenbaren bereit ist. Der Titel des Films erweckt falsche Vorstellungen: Joe übt Rache aus, doch der Film ist kein Revenge-Thriller, kein neuer Punisher. Wer Joe Leute fällen und Äxte werfen sehen will, liegt hier falsch.

Der Film konzentriert sich sehr auf einen aufgeweckten Jungen, gespielt von Tye Sheridan, der Joe als mögliche Rettung aus höllischem familiären Umfeld sieht. In der gottverlorenen Gegend, die an die Einöde aus Winter's Bone erinnert, rotiert der junge Gary um seinen brutalen Alkoholiker-Vater, gefesselt an eine tatenlose Mutter, für die er bleiben und des Vaters Prügel ertragen muss. Als drahtige Coming-of-Age Story zeigt sich, wie er sich auf die Arbeit mit Joe stürzt und dessen Kraft und Zuversicht in sich aufsaugt, um selbst erwachsener zu werden. Joe hingegen, der trotz lässiger Einstellung ein verschlossener Mann ist, wacht durch die Vater/Sohn artige Beziehung wieder auf, was aufgrund der Umstände in einer gefährlichen Konfrontation kulminieren muss.

Talentiert: Tye Sheridan


Dass David Gordon Green bei diesem sensibel, sehr an Mud mit Matthew McConaughey erinnerndem Drama über einen Jugendlichen, der durch den Kontakt mit einem älteren Aussenseiter geformt wird, die Regie geführt hat, ist schwer zu fassen. Green inszenierte zuletzt Comedy-Abfall wie Jonah Hills Arschkrampe The Sitter oder die Ritter-Kifferkomödie Your Highness. Früher hat er mal ernstere Filme gemacht, aber wie bei Cage war das lange her. So ist der Film für beide ein relevanter Schritt zurück zu nennenswertem Ergebnis. So ganz oben sind sie nicht angekommen, aber das rechte Licht erscheint wieder erreichbar. "Joe" ist ein rundum guter Film geworden. Mag man Mud, sollte man zulangen, doch nach Möglichkeit beide Filme nicht zu nah aneinander schauen. Dafür sind sie zu identisch und da könnte Joe den Kürzeren zählt, fehlt ihm doch diese Stand by Me Teenager-Magie, da ist er schroffer, wie Winter's Bone.

Fazit:

Cage kanns noch. Joe ist ein gelungenes Coming-of-Age Drama über einen einen bärbeißigen Forstarbeiter, der das Leben eines Jungen nachhaltig zum Besseren verändert. Jetzt haben die 2010er neben Die Croods und Kick-Ass also einen dritten notierbaren Cage zu bieten.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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