BG Kritik:

John Wick


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

John Wick (US 2015)
Regisseur: Chad Stahelski, David Leitch
Cast: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Adrianne Palicki

Story: Es heißt, John Wick selbst sei nicht der Sensemann. Er sei der Mann, den du rufst, wenn du den Sensemann tot sehen wolltest. Als der naive Sohn eines Mafiasyndikats bei besagtem Wick einbricht, seinen Hund tötet und sein Auto stiehlt, beschwört dieser für sich und jeden, der ihn schützen will ein jähes Ende herbei.

Keanu Reeves räumt ordentlich auf: vielleicht der beste Oldschool-Actionfilm des Jahres.

Keanu Reeves ist bereits 50, lässt sich das aber nicht anmerken oder ansehen


Taken 3, The Equalizer und John Wick sind alles drei Filme eines sehr alten Action-Untergenres, das seinen Ursprung noch vor den Western im Eastern hatte. Der einsame Samurai, der für einen guten Zweck oder aus verständlicher Vergeltung gegen eine Übermacht von Gegnern antritt und selbst unwahrscheinlichste Szenarien durch Glück, Können und Schicksal überlebt. Es ist eine schlichte Prämisse, die aber nach wie vor eine zeitlos beliebte Fantasie ist. Für den geringeren Anspruch gibt es seit rund 20 Jahren gar eine äußerst lebendige Subkultur. Darsteller wie Scott Adkins, Van Damme, Seagal, Lundgren oder Wrestler wie Stone Cold Steve Austin versorgen Fans jährlich mit etlichen Ein-Mann-Armee Filmen, in denen böse Handlanger in großer Zahl vermöbelt, erschossen und fachmännisch entsorgt werden.

Selten finden solche Filme ihren Weg höher budgetiert bis ins Kino, allerdings, sofern man nicht gerade Jason Statham heißt, oft nur, wenn namhafte Schauspieler Gefallen dran finden. Schauspieler, die selbst nicht unbedingt erfahrene Kampfsportler sind, aber eine vielseitige Karriere haben, welche auch Actionhighlights beinhielten. In diesen Fällen sind es dann mal Filme, die Aliens, Matrix-Agenten und andere Effektspielereien Hollywoods weglassen und das ganze auf einen Mann mit Waffen gegen viele, viele, viele andere Männer mit Waffen fokussiert. Einfache Sache, dennoch leicht zu verkorksen.

Taken 3 hat in diesem Jahr bereits eindrucksvoll bewiesen, wie man’s nicht macht. Zwei essentielle Faktoren gilt es zu berücksichtigen: wie ist die Action geworden und wie die Anführer der bösen Scharen? In Taken 3 ist es eine armselige Wurst, die nichts kann, Neeson nichts zu entgegen hat und keinerlei Rückrat aufweist. Bei Wick spielt ihn Michael Nyqvist, der schon in Mission: Impossible 4 gegen Tom Cruise antrat. Hier ist er ein abergläubiger Patriarch, der in all seinen Szenen zu unterhalten weiß. Ein mächtiger Mann, der John Wick als personifizierten göttlichen Zorn sieht und ständig mit sich ringt, ob er seinem Schicksal wütend trotzen oder ob er sich direkt ehrfürchtig ergeben soll. Oft muss er lachen; weil Wicks ständiges Überleben absurd ist, weil sein dummer Sohn (Alfie Allen aus Game of Thrones) alles in den Wind schießt, was er ihm jahrelang als Imperium aufgebaut hat und weil er es insgeheim immer gewusst zu haben schien, dass das Schicksal ihn eines Tages für all seine Vergehen richten wird. Es ist eine gute Rolle, die Keanu Reeves‘ gänzlich stoische und stille Art wichtig gegenübersteht. Wick selbst redet kaum und durchläuft keinerlei Wandlung. Sucht man eine Schwäche, dann ist Reeves sie. Er bleibt sehr kühl, zu kühl. Wenige emotionale Momente bewegen nur aufgrund der Motive toter Hund, sterbende Frau, nicht Reeves wegen. Er ist nicht schlecht, aber von allen Stellen müsste man hier am ehesten ansetzen, um den Film noch stärker zu machen.

Willem Dafoe spielt nicht den Welpen.


Die Action in John Wick ist schlicht superb. Wir sprechen da nicht von ausfallenden Stunts und Karambolagen a la Captain America 2 oder wüste Nahkämpfen wie bei The Raid, aber Wicks Feuergefechte machen unheimlichen Spaß. Das Regieteam Chad Stahelski und David Leitch weiß, dass man in erster Linie zusehen können will. So gibt es keine wackelige Actionkamera oder flackernde Ein-Sekundenschnitte, sondern klare Übersicht. Wir sehen immer, wo wer gerade ist und dass es Reeves selbst ist, der sich ins Gerangel stürzt. Was Wick von anderen Figuren unterscheidet: Er hat eine verrückte Vorliebe für Kopfschüsse und setzt im Nahkampf Judo ein, um Leute zu entwaffnen und in neue Positionen zu rollen, sodass er ihnen in den Kopf schießen kann. Er wirkt sehr schnell und geschmeidig, und geht sehr effizient vor, wenngleich ihm die Inkompetenz diverser Goons gelegen kommt. Perfekt ist der Gewaltgrad: alles ist deftige R-Rated Action, ist aber nie so unnötig ausufernd graphisch wie es Sabotage und Equalizer waren.

Das gäbe schon einen unterhaltsamen Film ab, aber dann legen Stahelski und Leitch noch ein Magazin drauf. In Nebenrollen kommen Leute wie Willem Dafoe, Lance Reddick, Ian McShane und Adrianne Palicki hinzu, um eine Art Attentäter-Liga wie die aus Wanted zu repräsentieren. Das könnte rasch albern wirken, doch die Macher nutzen es, um gelungenen Humor unterzumischen und das Geschehen kurzweilig neu aufzupeppen. Es sorgt auch dafür, dass John Wicks Filmwelt etwas mehr Tiefe erhält. Gerne würde man nach dem Film mehr über Wicks Vergangenheit und die Liga erfahren, was man von den Nebenfiguren aus Taken 3 und Equalizer nicht unbedingt sagen kann. Visuell ist der Film zumeist in einem coolen Blau-Lila-Ton gehalten, was dem penetranten Blaufilter der Underworld Filme keineswegs nahe kommt. Musikalisch sorgt Tyler Bates (Guardians of the Galaxy) für eine gute Auswahl eigener atmosphärischer Stücke und geeigneter Soundtrackstücke, einiges Elektronisches, einiges Rockiges, dazu ein prägnantes Stück von Marilyn Manson (produziert von eben jenem Tyler Bates), der für Keanu Reeves auch schon auf den Matrix Soundtracks zugegen war. Mehr Matrix-Verbindungen? Einer der Handlanger ist Daniel Bernhardt aka Agent Johnson, und Regisseur Chad Stahelski war Reeves‘ persönliches Stuntdouble in der Matrix Trilogie.

Fazit:

John Wick hat, was das klassische Actionherz begehrt: astreine Action und gute Gegner. Mister Wick schafft es vielleicht nicht in den McClane/Rambo Olymp, aber es ist der wahrscheinlich beste einsilbige Einer-gegen-alle Film seit dem ersten Taken.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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