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KRITIK:
JONAH HEX
von
Christian Mester
JONAH HEX (2010)
Regie: Joe Carnahan
Cast: Josh Brolin, Megan Fox, John Malkovich
Story:
Der wilde Westen. Ein größenwahnsinniger
Bösewicht namens Turnbell (John Malkovich) droht,
ganz Amerika mit Hilfe einer neuartigen Wunderwaffe
zu erobern. Helfen kann da nur Jonah Hex (Josh
Brolin), ein entstellter Cowboy, der mit Turnbell
und dessen Leuten noch ein Huhn zu rupfen hat.
Kritik:
Was im Vorfeld schon verdächtig nach „Wild Wild
West“ klang, entspricht den gesetzten Befürchtungen.
Die Comic-Verfilmung des hierzulande eher
unbekannten Griesgram-Cowboys fällt in exakt
dieselbe Schiene des eher unbeliebten, aber durchaus
akzeptablen Bubblegum-Will-Smith-Blockbusters, nur
merklich schwächer. „Jonah Hex“ sieht sich als
zünftige Sci-Fi-Fantasy-Action-Komödie im wilden
Westen, bleibt jedoch in jeglicher Hinsicht hinter
seinem Potenzial und Smiths Vorgänger zurück.
Die im Film verwendete Zukunftsmusik beispielsweise
ist keineswegs so interessant und einfallsreich wie
im Film von Barry Sonnenfeld. Statt ausgeklügelter
Jules Verne-Riesenspinne und Zug inklusive
eingebautem Panzer gibt es lediglich eine Kanone,
die mit leuchtenden Dragonballs schießt und jenen
Sattel mit eingebauten Gatling-Guns aus dem Trailer.
Dafür bringt er fantastische Elemente mit ein, indem
er seinen Hauptcharakter mit Toten sprechen lässt.
Nutzt man dies um einen bereits Getöteten grimmig
ein zweites Mal erledigen zu können, ist das lustig;
der ganze restliche übernatürliche Hokuspokus wird
insgesamt jedoch viel zu dick aufgetragen und ist
schlichtweg belanglos.
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Im Vorfeld bewarb sich Thomas Jane (THE
PUNISHER)
aufwendig um die Hauptrolle |
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Der sympathische Josh Brolin
(„Planet Terror“, „No Country for Old Men“) hat
erhebliche Schwierigkeiten unter dem dicken Make-Up
verständlich sprechen zu können, versucht sich
jedoch wacker als Kautabak spuckender
Eastwood-Verschnitt mit bissiger Dauerschlechtlaune
und markanten Onelinern. Einige davon funktionieren,
doch Regisseur Jimmy Hayward bekommt es nicht hin,
das Ergebnis lustig, oder ernst genug zu gestalten.
Wie „Knight & Day“ wagt sich „Jonah Hex“ immer
wieder närrischer Weise daran, persönliche Momente
zu etwas Emotionalem zu machen, was jedoch schon
aufgrund des cartoonhaften Auftretens Brolins nicht
hinhauen kann. Was der neue Cruise im direkten
Vergleich jedoch weit besser schafft, ist es, die
kommenden Actionsequenzen rasant und interessant zu
gestalten. Sämtliche Momente im Cowboymix dagegen
sind lahm inszeniert, langweilig und unoriginell.
John Malkovich und Michael Fassbender haben
sichtlichen Spaß in ihren Rollen als Bösewichte,
auch wenn ihnen das Script nicht viel zu bieten hat.
Insbesondere Malkovich darf sich in einer Tour in
seinem Auftritt und Redensart wiederholen, was auf
die Dauer schnell eintönig wird. Megan Fox („Transformers“),
die in der Werbekampagne zum Film immer wieder groß
erwähnt wird, kommt nur überraschend knapp vor. In
ihren wenigen Szenen als Prostituierte versucht sie
vergebens, tough zu wirken. Sie ist nun keine
Schande, aber weitab davon, den Film in irgendeiner
Form aufzuwerten, zumal ihr übertrieben eng
geschnürtes Korsett schon so unbequem aussieht, dass
die Vorstellung ihres offensichtlichen Unwohlseins
jeden aufkommenden Schauwert entmachtet.
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Megan Fox feierte ihr Debüt als
Hintergrundtänzerin in
BAD BOYS II |
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Der Film, der ursprünglich von
den Machern von „Crank“ 1+2 gedreht werden sollte,
die dann aber aufgrund kreativer Differenzen gingen
und erst im letzten Moment an einen anderen abgaben,
ist zudem ein fürchterlich zerschnittener. Um das
kindgerechte PG-13 Rating zu erhalten, setzte
Hayward die Schere an und ließ den Film derart
präzise und unharmonisch zurecht stutzen, dass es
nicht nur bei möglichen Gewaltszenen störend
auffällt. Das grundlegende Drehbuch war stolze 126
Minuten lang – die Kinofassung ist ohne Abspann
gerade einmal peinliche 75 Minuten lang. Ein
offensichtliches Komplettversagen, da so viele der
gedrehten Szenen somit ungemein schlecht gewesen
sein müssen um den Sprung in den ohnehin schon
flauen Film nicht mehr geschafft zu haben (jedes
Mal, wenn ein moderner Film merklich unter 85
Minuten Laufzeit hat, darf man meist zu Recht böse
skeptisch werden).
All das ist eine große Enttäuschung, da man „Jonah
Hex“ mit einigen gut geplanten Änderungen zu einem
durchaus unterhaltsamen Film hätte machen können.
Für einen modernisiert-kernigen Neuaufguss der
Clintwood-Filme ist „Hex“ insgesamt zu albern, zu
abgedreht, zu unruhig und vor allem zu kurz. Für
familiengerechte, satte Popcornunterhaltung ist er
nicht lustig genug, für Freunde des ernsteren
Semesters zu kindgerecht, zu glatt, zu einfallslos.
Genre-Fans blicken loyal auf die letzten Toptitel
„Todeszug nach Yuma“, „Open Range“, „The Proposition“,
„Die Ermordung des Jesse James“ und „Seraphim Falls“
zurück, denn so wirklich fündig wird die
Zufriedenheit hier nicht.
Fazit:
„Jonah Hex“ ist der „Van Helsing“ unter den Western.
Absatteln, meiden und mit gesenkten Erwartungen
hoffen, dass es eine ungeschnittene, wesentlich
längere Fassung auf DVD schafft.
3 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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