BG Kritik:

Joy - Alles außer gewöhnlich


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Joy (US 2015)
Regisseur: David O Russell
Cast: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro

Story: Joy Mangano ist eine der erfolgreichsten Haushaltszubehör-Übers-Fernsehen-Verkäuferinnen der Welt – und dies ist ihre Geschichte. Wie sie als junge Mutter eine innovative Idee hatte und reichlich Ellenbogen beweisen musste, um ihren Platz an der Sonne zu erhalten.

Jennifer Lawrence kriegt eine ge-wischt.

Jennifer Lawrence ist im Sommer ein letztes Mal als Mystique zu sehen


Nach der schweißtreibenden Inhaltsangabe mag der ein oder andere bereits den mentalen Schwamm ausgewrungen haben, doch wissen sollte man, dass hier eins der größten Erfolgsteams der letzten Jahre am Drücker ist. Regisseur und Autor David O. Russell ist aktuell einer der meistgeschätzten Filmemacher; zumindest in der Schickeria Hollywoods. Bei den Oscars wurden seine letzten drei Filme allesamt für bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch nominiert. Darunter waren je zwei Nominierungen für Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, letztere gewann sogar einmal. Allein deswegen durfte man gespannt gewesen sein, was Russell Großes in der Lebensgeschichte der QVC Königin zu erzählen sah.

Tatsächlich hat Joy einige interessante Ansätze. Lawrence spielt eine außerordentlich junge Matriarchin, die in den 80ern mit ihrer fernsehsüchtigen Mutter (Virginia Madsen), ihrem bequemen Vater (Robert de Niro), zwei Kindern und ihrem laschen Ehemann zusammenlebt, und als einzige im Haus Selbstbewusstsein, Arbeitswille und Verantwortung hat. Gibt es einen Rohrbruch, kniet sie sich hin und fängt an zu schrauben. Darüber hinaus ist sie seit kleinauf erfinderisch tätig, und so entwickelt sie den Miracle Mop, der das Wischen stark vereinfachen kann.

Was darauf folgt, ist ihr schwieriger Weg bis in die Büros der wichtigsten Fernsehstudios, sowie ihr Kampf gegen Nebenbuhler und zahlreiche Konfliktherde in den eigenen Reihen. Eine einfache Rolle für Lawrence, die ihre Bissigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen nach Winter’s Bone und Silver Linings ein weiteres Mal ausspielen kann. Glaubhaft und charismatisch verkörpert sie das ewige Steh-auf-Mädchen, das sich von nichts unterkriegen, von nichts brechen lässt. Es ist eine Rolle, die Lawrence adrett auf den Leib geschrieben ist - obgleich sie zu jung scheint. Mangano war 10 Jahre älter, als sie ihre Karriere begann, und diese fehlende Dekade sieht man Lawrence trotz aller Bemühungen an.

Außerdem in der Sci-Fi Romanze Passengers mit Chris Pratt


Während Lawrence wie gewohnt hervorragend ist, lässt sich das von den übrigen nicht sagen. Bradley Cooper taucht nur kurz als gelackter Fernsehproduzent auf, und auch De Niro und Madsen sind an die Schwächen des Drehbuches gebunden. Die Geschichte von Joy hat nichts Außergewöhnliches zu bieten, weswegen sie erwartungsgemäß konventionell und absehbar ausfällt, mit dem obligatorischen großen Konflikt kurz vor Ende. Leider verschuldet es Russell, diese Gewöhnlichkeit nicht interessant genug zu inszenieren. Joys Konfliktbewältigung fällt nie sonderlich packend oder emotional aus, und die verschiedenen Charaktere auf ihrem Weg, insbesondere die ihrer Familie, sind selten Aufmerksamkeit wert.

Russell muss das geahnt haben, denn er fügt der Geschichte gerade in der ersten Hälfte zwei weitere Erzählebenen hinzu, indem er die kitschigen Soaps, die Joys Mutter vergöttert, stark involviert, und indem er in Rückblenden zeigt, wie Joy bereits als Kind Erfindergeist besaß. Es verpasst jedoch die Möglichkeiten, und so hat Russell letztendlich nichts über das Wirken des Fernsehgeräts zu erzählen, und selbst die Rückblicke in Joys Kindheit ergänzen nichts Relevantes. Fiel American Hustle durch kuriose Kostüme und lässig lustigen Spirit auf, und sowohl The Fighter als auch Silver Linings durch bemerkenswerte Dialoge und emotionale Höhepunkte, wird Joy allerdings als relativ nichtig in Erinnerung bleiben. Weder für Russell, noch für Lawrence oder Cooper ist es ein wichtiger Film, da alle drei ähnliches bereits sehr viel Sauberes brachten. Unter dem Strich ist das Drehbuch im Eimer, und hätte eine sehr viel längere Bearbeitung benötigt.

Fazit:

Joy ist ein okayer Film geworden, doch dem deutschen Untertitel "alles außer gewöhnlich" wird er nicht gerecht. Trotz versuchter Ebenenspielereien ist Joy weitestgehend konventionell, und während Lawrence trotz Fehlbesetzung Hervorragendes leistet, schrubbt sie vergebens gegen langweilige Nebenfiguren und eine leidlich dünne Story an.

5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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