BG Kritik:

Jupiter Ascending


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Jupiter Ascending (US 2015)
Regisseur: Lana + Andy Wachowski
Cast: Channing Tatum, Mila Kunis

Story: Jupiter Jones ist eine junge Putzfrau, die von einem besseren Leben schrubbt. Wie gebohnert, so gerufen. So erfährt sie eines Tages, dass sie die wiedergeborene Herrscherin des Universums ist. Das von zahlreichen Aliens bewohnt wird, darunter auch bösen, die ihr nach dem Leben trachten...

Eher Jupiter Descending.

Gerade Oscar Gewinner geworden: Eddie Redmayne


Schon in der Matrix Trilogie wurde es mit Reloaded und Revolutions schwächer, und ihre Folgefilme Speed Racer und Cloud Atlas konnte man als ambitioniert, aber schwer gewöhnungsbedürftig und nicht immer gelungen bezeichnen. Schon Atlas versuchte groß zu sein, doch Jupiter Ascending sollte ganz bescheiden ihr eigenes Star Wars werden. Eine gewaltige Weltraumoper mit epischer Geschichte, inspiriert von legendären Stoffen, um selbst zur nächsten Langzeitlegende zu werden. Wenn man sich da mal nicht zu weit in den Sarlacc begeben hat.

Mila Kunis kann Comedy, weswegen sie schon seit 240 Episoden Meg bei Family Guy spricht, aber als unverhoffte galaktische Königin geht sie gar nicht. Sie wird aus ihrer normalen Welt gerissen, trifft die verrücktesten Wesen und soll das Schicksal des ganzen Planeten bewahren, verhält sich allem gegenüber aber stets schulterzuckend. Sie hat kein glaubwürdiges Erstaunen drauf und bleibt auch in Notsituationen emotionslos und gelassen. Eine Langeweile, die ansteckt. Als wenn Dr Grant in Jurassic Park bei der Sichtung des Brachios gelangweilt auf seinem Handy gescrollt hätte.

Channing Tatum als Albino-Hundemensch ist dann unterhaltsam, wenn er die Klappe hält, mit fliegenden Leuchtskates umherkurvt und gegen verschiedenste Monster kämpft. Alle seine Dialoge sind jedoch für die Tonne, was primär an ihm liegt. Im Prinzip sind beide Figuren simpel, aber mit Möglichkeiten. Sie, die Normalo-Putze, die in den kosmischen Sternenkrieg verwickelt wird, er, der kampferfahrene Mann mit Sünden der Vergangenheit, der ihr bis zum Tod dient, und sich natürlich auch in sie verliebt. Während ihr aber alles egal zu sein scheint, ist er der superstumme, mürrische Kampfautomat, der den Gangsta-Rapper Ninja in Chappie wie eine Mischung aus dem herzlich selbstlosen Filmhund Hachiko und der Eloquenz Platos wirken lässt. Und sie haben null Miteinander. Das sind nicht Han und Leia, das sind nicht einmal Luke und Leia.

Gar nicht mal gut: fast alles


Der Rest ist wahnsinnig. Wie beim irgendwie ähnlichen John Carter haben die Wachowskis keine Kosten und Mühen gescheut, um galaktische Raumschlachten, riesige Raumschiffe und -stationen, gewaltige Planeten, zahlreiche Alienspezies und Platz für 28 Sequels zu schaffen. Wie bei John Carter ist es aber auch too much. Wahrscheinlich wollte man direkt ein so belebtes Universum wie Star Trek oder Star Wars auffahren, aber alles ist so überladen und konfus durcheinander gewürfelt, dass man nach dem Film nochmal bei Wikipedia durchlesen muss, wer jetzt auf welcher Seite war, wer was wollte und welchen Button man für ein niedriges Rating klicken muss.

Da wären die normalen Grey-Aliens. Die mit den Kornkreisen, den Entführungen und dem Vergessen lassen. Gargoyles artige Echsenmenschen mit Flügeln. Tiermensch-Hybriden, die Mechs und Raumschiffe fliegen und von implantierten Schwingen träumen. Punkige Attentäter. Glatzköpfige Androidenfrauen, die Raumschiffe steuern. Trötende Elefantenmenschen. Harry Potter mäßige Bürokraten, die in Terry Gilliams artigen Büros das Ausfüllen diverser Formulare fordern. Eine Art Weltraumpolizei, die sich Aegis nennt. Roboter mit Kanonen als Arme und riesige Nanoschwärme. Und dann sind da noch die Hauptbösewichte: eine unsterbliche Aristokratenfamilie, die galaxienweit Menschenplaneten wie die Erde entwickelt, um deren Bevölkerungen irgendwann zur Herstellung von einem Verjüngungsserum abzuernten. Weil das noch nicht genügend Figuren sind, hat Kunis noch eine cartoonige Immigrantenfamilie zuhause, die mit dem Geld rumknabst und sie sogar dazu bringen will, dass sie ihre Eizellen verkauft, damit sich Cousin Vladdi einen neuen HD Fernseher holen kann.

Kokolores hoch zehn, der zwei Stunden lang stumpf an die Wand geschmissen wird. Kunis wird plötzlich angegriffen, von Tatum gerettet, und dann steht wieder jemand anderes vor ihr, der ihr was über das Universum und ihre Rolle darin erzählt. Bedrohungen kommen kaum zustande, es gibt mehrere Last-Second-Rettungen (Kunis fällt allein dreimal von hoher Stelle herunter und muss gefangen werden) und plötzliche Charakterwendungen gehen genau so unter wie alles andere. Man fühlt sich erschlagen, überfahren und verdattert, unfähig, Handlung oder Figuren im Nachhinein genauer wiedergeben zu können. Und es liegt gewiss nicht dran, dass der Film hohe Kunst wäre, die man erst mehrfach konsumieren müsste. Die Story ist verworren, aber märchensimpel, die Motive der Figuren sind einsilbig, alles bleibt oberflächlich und ist bloß konfus erzählt. Hinsichtlich der Inspirationen ergeben sich große Probleme, denn an allen Ecken und Enden wirkt der Film visuell und inhaltlich zusammengeklaut aus Stargate, Star Wars, Star Trek, Warhammer 4K und allen anderen Marken. Bedauerlich ist, dass die Effekte fast immer erstklassig sind, viele coole Designideen dabei sind und die Action überzeugt; sie lässt jedoch kalt, bleibt einem alles egal und will nichts ineinander greifen. Selbst Michael Giacchino, sonst immer groß als Komponist, enttäuscht mit einem aus anderen bekannten Scores zusammenkopiert wirkendem Werk ohne eigene Persönlichkeit. 3D ist in Ordnung.

Bedauerlich ist Eddie Redmaynes Darstellung des Bösewichts Balem. Als hochnäsiger Prinz von Hochmut spricht er bloß affektiert, mit gelegentlichen Schreianfällen. Ihm mangelts jedoch gänzlich an Bedrohlichkeit. Ra in Roland Emmerichs Stargate war auch sehr feminin und weich wirkend (und vom Crying Game Schauspieler gespielt), machte aber auch deutlich, dass es bloß eine Hülle und er selbst nicht zu unterschätzen war. Redmayne darf nur wie ein versnobbter Sechsjähriger wirken, der Fremde mit Bonbons bewirft und schon beim ersten bösen Blick weinend zu Mami läuft. Schade ist auch, dass den Wachowskis sämtliche Ironie abhanden gekommen ist. Jupiter Ascendings größte Sünde ist es, sich so megaernst zu nehmen, als hätte Christopher Nolan Star Wars neu erfunden. Christopher Nolan macht aber nicht so schlechte Filme.

Fazit:

Sorry, aber was Putzfrau Kunis hier vorzeigt, ist alles andere als sauber. Was ein neuer Star Wars werden wollte, ist spaßloses, überladenes Möchtegern-Epos. Qualitativ nicht besser als die Transformers Sequels, und die haben wenigstens noch Spaß, Bay Actionregie und Figuren wie Bumble. Burp, burp burp burp.

3 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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