BG Kritik:

Jurassic World


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Jurassic World (USA 2015)
Regisseur: Colin Trevorrow
Cast: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D´Onofrio, Omar Sy

Story: 22 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ist der Jurassic Park nicht nur endlich eröffnet, er läuft bereits seit zehn Jahren mit großem Erfolg. Weil man jedoch mit den Besucherzahlen nicht länger zufrieden ist und man größere Gewinne will, erfindet man eine gänzlich neue Attraktion: einen aus verschiedenen Tieren zusammengestellten Dinosaurier, der noch gefährlicher als der T-Rex wirken soll. Das ist er auch, allerdings unterschätzen sie das Tier und kriegen unvorgesehene Probleme, als das Ding ausbricht...

Das Leben findet einen Weg. Und Raptoren Motorräder.

Chris Pratt ist nach wie vor Anwärter auf Indiana Jones


Jurassic World ist ein erfreulicher Sommerblockbuster. Zwar keiner für Leute, die es bevorzugt realistisch und etwas subtil haben, aber die Charaktere sind größtenteils gelungen, Action und Effekte gibt es im Übermaß, der Film ist mal spannend, mal amüsant, dabei fraglos immer unterhaltsam, und er spricht heutige Kids ebenso an wie die Nostalgieherzen derer, die Jurassic Park damals im Kino erleben konnten – obgleich er dessen Klasse, Hochspannung oder Wunderwerte selbstredend niemals erreicht. Das strebt man gar nicht erst an, und Neuling Colin Trevorrow ist definitiv kein 93er Spielberg. Er ist aber ein 97er Spielberg, da er mit dessen zweiten Teil durchaus mithalten kann.

Die grundsätzliche Idee des Films ist überraschend meta. Genau wie der Park im Film buhlt auch der Film selbst um neue Besucherrekorde, indem er ein neues Monster vorstellt. Eins, das moderne Generationen begeistern soll. Und das tut es, denn der Indominus Rex ist wahrlich eine der eindrucksvollsten Tier-Schöpfungen, die man bisher im Kino erleben durfte. Er ist groß, kugelsicher, extrem stark, außerdentlich agressiv und verfügt über einige Spezialfeatures, die man sich im Vorfeld besser nicht spoilen lässt. Zugegeben, vom Design her sieht er eher recht gewöhnlich aus, doch er hält, was er verspricht. In jeder seiner zahlreichen Szenen sorgt er für Spektakel und ist klar die Hauptattraktion des Films, ohne so fade wie der Spinosaurus aus Teil 3 zu wirken. Unerwartet ist dabei, wie selbstkritisch der Film mit seiner eigenen Existenz umgeht. Er sagt selbst mehrfach aus, dass der Einsatz hirnloses Spektakels bloß seelenloses Fußgeküsse von Aktionären sei, obwohl er das selbst groß auffährt, und eine der Figuren sagt sogar direkt, dass der Original-Park sehr viel besser gewesen sei als diese neue Konzernversion.

Natürlich würde man so einen Park sofort besuchen wollen, jedoch zeigt der Film mutigerweise die typischen Schattenseiten von Einrichtungen wie Zoos. Alle Parkangestellten nennen die Tiere lediglich Produkte, und es muss erst ein Massaker unter hilflosen Tieren geben, bevor mal jemand bemerkt, dass das lebende Tiere mit Empfindungen sind. Vorher werden selbst Dinobabys täglich hunderten Kindern zum Antatschen und drauf Reiten ausgesetzt, ganz gleich, wie die das finden mögen. Unnötig artifizielle neue Tiere? Bedenken darf man, dass schon die vermeintlich echten Dinosaurier aus dem Original keine authentischen waren. Mit Hilfe externer DNA wieder zum Leben erweckt, waren auch schon T-Rex, Raptoren und Konsorten im Labor gezüchtete Hybridwesen, und obwohl es zweimal schief gegangen sein mag, war es ja auch schon in den ersten beiden Filmen jeweils Plan, die Tiere gewinnbringend auszustellen – und auszubeuten. Dass die Rexe und Raptoren im Filme trotz wissenschaftlicher Entdeckungen keine Federn haben,wird indes von Film wie Parkbetreibern angesprochen: weil es so cooler aussieht, basta.

Bei Erfolg sollen weitere Parkbesuche folgen


Die Menschen im Film hingegen sind nur zum Teil gelungen. Die rechte Hand des Chefs, gespielt von Bryce Dallas Howard, ist eine verklemmte, karriereorientierte und naive Frau, die sich gewaltige Fehler leistet und erst durch die Ereignisse im Park wieder zu ihrer Menschlichkeit zurückfindet. Howard spielt das sehr passend. Zwei Kinder, ein Zehnjähriger und ein ca. Sechzehnjähriger, die Neffen der Frau, gehen im Park verloren. Zwar nicht so hibbelig wie die beiden Kinder aus dem ersten (und ohne Akrobatikeinlagen), sind sie okaye Figuren, angetrieben von kindlicher Neugier und jugendlichen Hormonen. Chris Pratt indes überrascht mal ein wenig, und das ist leider eher negativ gemeint. Er ist solide, doch ist es eine Rolle, die sein Comedytalent nicht braucht. Die meist Zeit markiert er den toughen, ausdruckslosen Macho a la Typ Clint Eastwood, wirkt dabei aber nicht – abgesehen von seiner Arbeit mit den Raptoren. Viel wurde im Vorfeld darüber gestöhnt, dass die Raptoren hier zu handzahm dressierten Knuddelkumpels reduziert worden wären.

Trotz gewissen Respekts gegenüber des Mannes, der sie seit der Schale aufgezogen und ihnem gewisse Kommandos gelehrt hat, sind es dennoch extrem gefährliche und unberechenbare Tiere. Die Szene mit dem Motorrad und den begleitenden Raptoren mag an sich eher albern gewirkt haben, passt aber im Kontext. Das ist kein Kung Fury, und die Raptoren holen sich noch den gleichen Respekt ein wie in den vorherigen Filmen. Was fraglos fehlt, sind interessante Gespräche. Ob es Paläontologe Grant oder Chaos-Mathematiker Malcom im ersten waren, nachdenklich stimmende, intelligente Dialoge gibt es ebenso wenig wie begeisterte Faszination. Was lediglich Schwerpunkt hat, ist ein Gefühl der Bedrohung, denn jedes Mal wenn der Indominus Rex auftaucht, wissen alle: schluck, jetzt wird’s gefährlich. Man kann das kritisch sehen, dass dann wieder plumpe, überzogen laute Action ansteht, oder man greift tief ins Popcorn und freut sich drauf, dass gleich wieder tief in die Unterhaltungskiste gegriffen wird. Ein wenig an Prometheus indes erinnert so manche Dummheit der Figuren. Der Ausbruch des Indominus und viele seiner späteren Angriffe gehen auf die Kappe von Trotteln, die die Tiere mal wieder töricht unterschätzen und selbst mit Hubschraubern mit Miniguns, mit Soldatenteams und Überwachungsmaßnahmen zu dumm sind, die gefährlichen Tiere in Schach zu halten. Im Unterschied zu Prometheus allerdings nimmt sich Jurassic World nie sonderlich wichtig oder will die Verantwortlichen als besten ihres Fachs verkaufen; außerdem bedarf es einfach gewisser gekünstelter menschlicher Schwächen, da selbst der übergefährlichste, smarteste Dinosaurier unter normalen Bedingungen keinerlei Chance hätte, und erneute Sabotage von innen wäre wohl auch zuviel des Guten gewesen.

Technisch ist Jurassic World auf gehobenen, aber nicht höchsten Niveau. Trevorrow ist ein ordentlicher Regisseur, aber er hat kein Auge für große Bilder, wenig Feingefühl für emotionale Momente, und während das Original noch sehr verhalten auf Dinoszenen setzt – im ganzen Film gab es vielleicht 15-20 Minuten solcher – gibt es in Trevorrows Dinos und damit verbundene Actionszenen am laufenden Band. Was man loben muss: sie hält echt gut auf Trab und endet zum Schluss in einem großartigen Showdown. Wenn man viel, viel Dinoaction sehen will, ist man hier genau richtig. Aber auch diese dritte Fortsetzung muss sich anhören, dass die Dinos aus dem ersten immer noch am besten aussehen. Teil 4 nutzt fast ausschließlich CGI, und das merkt man. Die Effektquali ist gut, aber man spürt einfach, dass man kaum auf Animatronics zum Anfassen gesetzt hat. Respektieren muss man natürlich, dass der Film ein Vielfaches an Dinoszenen hat und fast alle Actionszenen am hellichten Tag stattfinden. Eine noch aufwendigere Umsetzung hätte das Budget eventuell von 200 auf 300 Millionen Dollar hochgesteigert.

Jetzt kann man sagen, dass weniger Action gern für bessere Effekte hätte eingetauscht werden können, allerdings war es halt Trevorrows Konzept, eben so viel Action zu bieten. Der Film ist definitiv was anderes als die anderen. Das kann man schlecht finden oder gutheißen, aber der direkte Vergleich mit dem unantastbaren Klassiker von 1993 fällt damit schwer und scheint sogar ein wenig ungerecht, weil so verschieden. Zu sagen, man finde das Original in jedem Belang besser heißt automatisch, dass man den ganzen Ansatz besser findet. Es gäb bzw gab auch tatsächlich den besseren Film ab, keine Frage, aber das spielt ebenfalls eine Rolle. Michael Giacchinos Score stellt ebenfalls eher eine Schwäche dar. Er greift nur selten auf John Williams berühmten Originalscore zurück, und das nicht sehr effektiv. Seine eigene Musik ist passabel, aber völlig unbesonders und ohne nennenswerte neue Stücke. Das 3D des Film ist völliger Kappes. Bis auf eine Szene, in der der Indominus eine Kralle durch Glas schlägt, ist alles belangloses 3D ohne Tiefenwirkung oder relevante Popout Effekte. Was den nächsten Film betrifft, der sicherlich kommen wird, da Jurassic World vermutlich die Einspielmilliarde knacken wird, lässt der Film sichtlich Platz. Es gibt zwar keinen Cliffhanger, aber nicht alles Offene wird geklärt, manche Figuren verschwinden und es wird am Ende frech nicht gezeigt, welche Konsequenzen dieses ganze Erlebnis für den Park, seine Besitzer und seine Bewohner haben wird. Das wird noch spannend, und egal was die Drehbuchautoren des nächsten vorhaben, sie können weder auf eine noch heftigere Kreatur bauen, noch auf das Konzept der Raptorbuddies, noch auf gewöhnlichen Weiterlauf des Parks wie bisher. Da wird man sich was einfallen lassen müssen.

Fazit:

Action ohne Ende: Jurassic Park 4 fährt eine Menge Spektakel auf und überzeugt als seichter Popcornblockbuster mit viel, viel Dinoaction. Was er nicht ist: subtil, gefühlvoll und voller Wunder, was er aber auch nicht ist: albern, seelenlos, infantil oder schlecht gemacht. Das ist zwar die Explosionen/Miniguns/mehr Explosionen Variante von Jurassic Park, allerdings beugt sich hier keine Megan Fox lasziv über Motorhauben, gibt es keine Penisjokes und wird die Handlung niemals klottendämlich oder nimmt sich sonstwie besonders wichtig. Der Film wird sicher nicht zu den wichtigeren gehören und viele ältere Semester werden das auffällige Product Placement hassen und sich nach einem erwachseneren Film sehnen, aber als 4. Teil eines eigentlich schon ausgestorbenen Franchises ist Jurassic World wie eine herrlich unterhaltsame Themenpark-Achterbahnfahrt mit Wildwasserbahnabschnitt.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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