BG Kritik:

Jurassic World


Seit 6 Jahren bei BG. Er hat Geschichte, Soziologie und Anthropologie studiert und ist ebenfalls als Autor tätig.

Jurassic World (USA 2015)
Regisseur: Colin Trevorrow
Cast: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D´Onofrio, Omar Sy

Story: 22 Jahre nach dem katastrophalen Scheitern des ersten Jurassic Parks, wird der neue Park auf den Ruinen des ersten Parks errichtet. „Jurassic World“ soll größer, aufregender und sicherer sein. Doch ein Park bleibt nur durch Attraktionen erfolgreich. Größer, aufregender und gruseliger sollen die Tiere sein. Das Ergebnis ist ein extra gezüchteter Hybride aus unterschiedlichen Tieren. Hochintelligent, schnell und mit nur einem Ziel, jagen.

„Jurassic Park“ hat eine gesamte Generation berührt, schafft „Jurassic World“ das auch?

Chris Pratt ist nach wie vor Anwärter auf Indiana Jones


Fast jedes Kind liebt Dinosaurier und beinahe jedes hatte einen Spielzeug T-Rex oder Brontosaurus bei sich daheim. Diesen Hype, der beinahe schon eine fest etablierte Kindheitsphase darstellt, wurde durch den 1993 erschienen „Jurassic Park“ millionenfach verstärkt. Steven Spielberg hatte es geschafft, Michael Crichtons Buchvorlage in kürzester Zeit, zu einem seiner berühmtesten Werke zu machen. Dieser Film hat beide zu Ikonen werden lassen, dass Kino auf seine Weise revolutioniert und Computer-, wie auch praktische Effekte den Weg geebnet, wie es davor nur „Star Wars“ oder „Alien“ vermochten. Dabei war die Geschichte so simpel. Ein Vergnügungspark mit echten, lebenden Dinosauriern, gezüchtet mit Hilfe von Genmaterial. Ein Kindheitstraum wird wahr und ein Franchise schlüpft aus dem Ei. Zwei Filme gab es seitdem „Lost World“ und „Jurassic Park 3“ aber von diesen konnte keiner dem ersten Teil auch nur ansatzweise das Wasser reichen. „Jurassic Park“ lebte durch den „Wow-Effekt“, als die Figuren ihren Kopf drehten und die Tiere zum ersten mal gesehen haben, deckte sich die Verwunderung der Figuren 1 zu 1 mit jener der Zuschauer. Nie zuvor sah man solche Effekte und man war erstaunt was die Technik produzieren konnte. „Jurassic Park“ war aber nicht nur eine digitale Sightseeing Tour, er war ein Action und Science-Fiction Film. Der Park scheiterte grandios und im Laufe der Handlung ließen Figuren ihr Leben. Ein recht lineares Überlebensdrama war das Endprodukt aber das Gefühl wirklich etwas Neues gesehen zu haben, nahm trotzdem jeder Zuschauer mit nach Hause. Man wurde verblüfft und genau das fehlt „Jurassic World“.

Der Plot von „Jurassic World“ ist einfach gestrickt und macht vieles wie die Ursprungsgeschichte. Der Park läuft, im Hauptaugenmerk sind zwei Kinder (Ty Simpkins und Nick Robinson), sie sind die Neffen der Verwalterin des Parks Claire (Bryce Dallas Howard) und sind mitten im Geschehen, wenn der Hybride ausbricht und das Sterben beginnt. Nur der Ex-Soldat und Tierexperte Owen (Chris Pratt), hat die Katastrophe kommen sehen und will zusammen mit Claire die Kinder retten und die Kreatur töten. Die Konstellation wie im Originalen „Jurassic Park“, zwei fremde Kinder, die Chefs und der Experte gegen die Kreaturen aus der Urzeit… Und dem Monstrum Indominus Rex aus der Neuzeit. Auch wenn die Nähe zur Urhandlung zu begrüßen ist, so wirft es doch viele Fragen auf. Zu Anfang, wie konnte der Park sich überhaupt erneut aufbauen und finanzieren? Wie sollten die Menschen nach den Ereignissen aus „Jurassic Park“ und „Lost World“ der Firma und dem Park erneut vertrauen? Auch wie sich der Mutterkonzern „InGen“ halten konnte, ist verwunderlich. Jeglicher Versuch diese Frage im Film zu erklären, wirkt absurd. Auch die Charaktere bleiben blasse Stereotypen. Ein Ex-Soldat vermag es plötzlich Velociraptoren zu dressieren und fast schon zu kontrollieren. Dies ist eine nette Idee aber auf Details, wird im Film viel zu wenig eingegangen. Auch die Familiengeschichte der Kinder und ihrer Tante Claire wird sehr oberflächlich behandelt und nimmt dabei fast das gesamte erste Viertel des Films ein. Die Motivationen der Figuren Claire und Owen sind ebenfalls nicht sehr tiefgründig. Insgesamt bleibt die Charakterentwicklung auf der Strecke oder passiert, wenn überhaupt, sehr schlagartig. Zugegeben die Charaktere gehörten auch zu den schwachen Seiten von „Jurassic Park“ aber „Jurassic World“ scheitert auf doppelter Ebene. Die Kinder dienen in erste Linie, dem bereits genannten „Wow-Effekt“ des ersten Filmes zu erzeugen, -wie schon im originalen „Jurassic Park“- aber dieser mag sich nicht einstellen.

Bei Erfolg sollen weitere Parkbesuche folgen


„Jurassic World“ spricht den Zuschauer auf der Meta-Ebene an und nennt das Problem selbst. Die Menschen wollen keine Dinosaurier mehr. Sie kennen sie schon, sie wollen etwas neues, düsteres, etwas gruseligeres. Daher züchtet die Genabteilung unter Dr. Wu (BD Wong aus dem ersten „Jurassic Park“ Film) einen neuen größeren Dinosaurier. Die Besucher sollen hierbei die Kinozuschauer darstellen, die den Film sonst nicht mehr sehen würden. Die alles größer, monströser und düsterer wollen. Chris Pratts Figur Owen, spricht es aber genau an: „Dinosaurier sind wow genug“. Das Problem sind nicht die Dinosaurier. Es ist das CGI, der Mangel an praktischen Effekten und die fesselnde und passende Darstellung. „Jurassic World“ hat wundervolle Effekte aber Regisseur Colin Trevorrow versteht sie, außerhalb von den Actionszenen, nicht in Szene zu setzen. Es ist bombastisch und wie ein „Avengers“ vor 65 Millionen Jahren aber will man das von einem Film der „Jurassic Park“ Reihe? Man vermisst jeglichen Wunsch selbst durch den Park zu streifen. Die Welt wirkt nicht real und die Einführung, welche im Ur-Film wundervoll funktioniert und den Ton angegeben hat, verkommt in „Jurassic World“ unnötig zur Länge. Da hilft auch Michael Giacchino Soundtrack nicht. Dieser ist zwar wirklich gelungen und bedient sich häufig dem originalen John Williams Theme aber das gleiche Gefühl will sie nicht einstellen. Es ist auch zweifelhaft ob die vermenschlichte Darstellung der Tiere hilfreich war. „Jurassic World“ wirkt deplatziert. Als würde sein ein Franchise gegen die aktuell vorherrschende Versoftung wehren. Alle gegen die neue geschaffene Monstrosität, alle gegen die Abkehr vom Ursprung und lieber wieder zurück zu den Wurzeln. Die normalen Dinosaurier reichen vollkommen aus.

Trotzdem ist „Jurassic World“ kein schlechter Film. Ganz im Gegenteil! Trotz aller Kritikpunkte unterhält der Film die übrige Zeit durchgängig. Im Mittelpunkt stehen die Action und ein paar frische Idee für die Dinosaurier, welche die eigentlichen Hauptfiguren des Films sind. Die Actionszenen sind zwar nicht sehr spannend aber dafür gut inszeniert und trotz der niedrigen Altersfreigabe recht brutal in Szene gesetzt. Zudem bekommt man ein furioses Finale, welches man entweder hassen oder lieben wird. Insgesamt ein Actionfeuerwerk mit sympathischen Figuren und ein guter Start für eine neue Reihe. Allerdings kann er mit dem Original nicht mithalten.

Fazit:

„Jurassic World“ klont den Dinosaurier nicht neu. Na gut, das macht er schon aber er erfindet das Rad nicht neu. An „Jurassic Park“ kommt er nicht heran, bringt aber neuen Wind in das fast schon ausgestorbene Franchise. Für Dino und Actionfans eine klare Empfehlung.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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