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Kritik:
Justice League


von Christian Mester

JUSTICE LEAGUE
(2017)
Regie: Zack Snyder und ein bisschen Joss Whedon
Cast: Bat Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Jeremy Irons, Henry Cavills Schnauzbart

Story:
Batmans Albtraum aus BVS könnte Realität werden, denn die geflügelten Alien-Dämonen, die er in seinen verrückten Visionen erblickte, werden immer häufiger in Gotham und Umgebung gesehen. So beschließen er und Wonder Woman, besser ein Team von Leuten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zusammenzustellen, das sich der drohenden ominösen Gefahr aus dem All mutig entgegen stellen kann.

Kritik:
Dass der bisherige DCEU Kinoverlauf eher recht holprig verlief, ist wohl in erster Linie daran festzumachen, dass man sich intern andauernd umentscheidet und man keine klare Linie verfolgt. Suicide Squad wurde erst witziger, nachdem ein irreführend witziger Trailer Beliebtheit erlangte, und der Joker wurde drastisch reduziert, als man mit seiner Performance so gar nicht zufrieden war. Dass Superman schon in seinem zweiten Film gegen Batman antritt und sogar stirbt, war keine bewusste kreative Entscheidung, sondern eine unbedachte Vorgabe von ganz oben. Das Problem? Man of Steel (Kritik) hatte „nur“ rund 670 Millionen Dollar eingespielt. Das gab Profit, allerdings erzielte der im selben Jahr veröffentlichte Iron Man 3 über eine Milliarde Einspiel, also fast doppelt so viel, und darauf war man neidisch. Also Batman und Supermantod und Wonder Woman und die Vorstellung der anderen Justice League Mitglieder Aquaman und Cyborg alles hastig zusammengestopft in einen tonal seltsamen, verfehlt überernsten und gänzlich emotionslos kühlen Kuddelmuddelstreifen (Kritik). So skandalös es sein mag, aber dass der Captain America Film aus demselben Jahr mehr einspielen konnte als das erste Aufeinandertreffen von Batman und Superman, war leider verdient. Dass etwas geändert werden musste, wurde bemerkt, und das merkt man Justice League an.

Verglichen mit Wonder Woman (Kritik), der auch schon heiterer ausfiel, ist Justice League noch lockerer, mit einem leichtfüßigen Grundton, viel trockenem Humor und einem völligen Verzicht auf theatralische Ernsthaftigkeit. Das ergibt einen angenehm kurzweiligeren neuen Teil der Reihe, lässt aber in vielerlei Hinsicht grübeln. So versucht dieser Film beispielsweise, den Tod Supermans als globales Trauerereignis zu verkaufen, dass die Kriminalität hochschnellen ließ, dass das Superteam rund um Wonder Woman langsam verzweifeln lässt, und es wird so getan, als wären Batman und Superman beste Buddies gewesen – auch wenn Batman ihn bis zuletzt mit langer Vorbereitung töten wollte, auch wenn BVS aufgrund Zack Snyders fragwürdiger Weltanschauung extremen Wert darauf legte, Supermans selbstlose Hilfsbereitschaft in Frage zu stellen, und die Kleinkriminalität noch immer Heidenmuffensausen vor Batman und Wonder Woman haben sollte. Dieses Mal ging man ängstlich auf Nummer Sicher, und so ist der Film als Superheldenbeitrag ein Minimum an gesetzten Ansprüchen. Es gibt einen simplen Bösewicht, der zur Weltvernichtung drei MacGuffins benötigt, also versucht die Gerechtigkeitsliga, ihn davon abzuhalten. Das war's. Für keine der Heldenfiguren gibt es so etwas wie eine wirkliche Handlung, es folgen lediglich teaminterne Gespräche, die meistens aus Kalauern bestehen, und generische Actionszenen, in denen die Helden ihre Kräfte und Gadgets einsetzen dürfen. BVS hatte fürchterlich lange und langweilige Nebenplots wie Lois' Patronenermittlung, die nichts als Speck waren, doch so ganz ohne Nebenhandlungen wirkt Justice League schon fast zu schlank.

Wessen Entscheidung es auch gewesen sein mag – Afflecks, weil er die Kritik an BVS nicht mochte oder die des Studios, da Affleck ein gewaltiges Alkoholproblem hatte: Fakt ist, dass Affleck noch vor Release dieses Films als Regisseur des Batman Solofilms abgedankt hatte, und sogar mehrfach in Erwägung zog, ganz aufzuhören. Das hätte ein Debakel für diesen Teil bedeuten können. Im Film sieht man ihm eine mögliche Unlust aber nicht an, wenn ihm hier auch zwei Aspekte entgegen kommen. Zum einen muss Batman in diesem dünnen Script bloß heitere Sprüche bringen, zum anderen ist Affleck halt ein Talent, das selbst gelangweilt noch sehenswert ist. Schlechter trifft es Gal Gadot, die schauspieltechnisch fraglos arg limitiert ist, von Patty Jenkins aber genau topstens dirigiert werden konnte. Dass Snyder die Kamera ständig auf ihren Hintern schielen und ihr weniger zu erzählen lässt, ist eine Sache, doch vor seinem Auge fällt sie auch schauspielerisch schwächer aus. Nicht schlecht, aber wie schon in BVS kann sich der Gedanke breitmachen, dass sie vielleicht doch nicht die idealste Wahl war.

Im Vorfeld hatten viele vermutet, dass Jason Momoa zum Thor von DC werden könnte, doch seine Beteiligung im Film fällt eher schwach aus. Bis auf die wenigen Momente aus dem Trailer bekommt der hemdlose Mann mit dem wallenden Haar recht wenig zu tun, und eine längere Sequenz in seiner Unterwasserwelt fällt visuell sogar eher hässlich aus (was nicht gerade neugierig macht, wie James Wans kommender Aquaman ausfallen wird). Besser als erwartet ist Neuling Ray Fisher als Cyborg, der zwar nicht mehr Persönlichkeit bekommt oder auffälliger gespielt ist (wenn auch nicht so auffällig, dass er einen eigenen Film tragen könnte), dafür aber mehr zu tun bekommt und mit seinem Iron Man Leuchtanzug optisch zumindest ein bisschen heraus sticht. Gewinner des Films ist Ezra Miller als nervöser, naiver Flash, der das Team harter Knochen herrlich aufheitert.

Wie bei fast allen Superhelden Filmen ist auch dieser Bösewicht, ein gehelmter, 3 Meter großer Superkrieger namens Steppenwolf ein rein funktioneller Typ, der finster grummelnd die Welt vernichten will (weil deshalb) und die meisten Schläge seiner Gegner aushält. Er erfüllt seinen Zweck, kann aber maximal ein Schulterzucken hinterlassen und ist nur deswegen knapp besser als der wortlose Doomsday oder der hundsmiserable Incubus aus Suicide Squad (Kritik), weil er ein paar mehr Szenen bekommt. Letos Joker war kein Erfolg, aber wenigstens schon auf den ersten Blick eine umgesetzte Idee. Am spannendsten war ohnehin, was Snyder mit Supermans Rückkehr machen würde, und jap, so wie er schon Supermans Tod verkorkste, ist auch Supermans Auferstehung ein halbes Debakel. Wieder hat es emotional null Gewicht und wieder folgt ein tonal völlig seltsamer Konflikt, um Fangewichse zu zeigen, wie das wohl aussieht, wenn diese ausgesprochen mächtigen Figuren gegeneinander antreten. Immerhin konnte Snyder es sich dieses Mal verkneifen, Supermans Hilfsbereitschaft zu denunzieren. Vielleicht war es auch Whedons Änderung, aber gegen Ende des Films scheint endlich der Superman erreicht zu sein, der er sein müsste: Spaß daran habend, anderen zu helfen.

Wie viel Joss Whedon nach dem tragischen Kindstods Snyders tatsächlich umgeschrieben und neu gedreht hat, werden wir vermutlich nie erfahren, allerdings kann man klar sehen, dass das Resultat eine versuchte Mischung ist, eine Mixtur der bisherigen DC und Marvel Elixiere, geschient mit Story und Figuren, mit denen möglichst absolut nichts riskiert wird. All das kann man hinnehmen, wenn es denn wie ein X-Men: Apocalypse kompetent inszeniert ist, aber Justice League hat dann doch so einige Macken. Für einen 300 Millionen Dollar teuren Superultra-Eventfilm sehen viele computergesteuerten Szenen maximal durchschnittlich bis miserabel aus. Trotz relativ vieler Actionmomente gibt es keine einzige hervorstechende Sequenz wie etwa den Iron Man vs Hulk Kampf aus Whedons Age of Ultron oder den Batman v Superman Kampf aus Batman v Superman, selbst die Flash-Rennszenen haben nie das Flair der beiden (!) gezeigten Quicksilvers, Danny Elfmans Score ist so funktionell und charakterlos wie Steppenwolf selbst, und das Finale vor zerstörter, brennender Gegend erscheint nach den beiden DC Finalen gegen Doomsday und Ares fast schon imitiert. Einige der Sets und Hintergründe wie die in Atlantis sehen billig aus, keins der Kostüme sticht hervor, Batmans neue Fahrzeuge, das Flugzeug Flying Fox und das Tunnelfahrzeug Nightcrawler sind uninspiriert langweilige Designs und sowohl die Verweise auf vorherige Lore-Elemente (explodierende Pinguine, Grodd etc) als auch auf kommende (Darkseid, Flashs Vater, „eigene Liga“) sind wenig elegant gesetzt.

Witzig ist übrigens folgende grandiose Hollywood-Anekdote: als Henry Cavill für Nachdrehs wieder Superman spielen musste, hatte er einen fetten Schnauzbart. Den hatte er, weil er zur gleichen Zeit eine Rolle im neuen Mission Impossible drehte - und Paramount Pictures verbat es ihm, den Pornobalken zeitig abzurasieren. Also musste Warner mehrere Millionen Dollar dafür aufbringen, dass eifrige CGI-Zeichner Cavills Bart mit Hautoptik übermalen mussten, und das Frame für Frame. Zu sehen ist das bereits in der allerersten Szene des Films.


Fazit:
Mag man Superheldenfilme generell, ist Justice League amüsanter, kurzweiliger Actionspaß mit einigen netten Momenten.
Besser als BVS und Suicide Squad, aber längst nicht so rund wie beim offensichtlichen Vorbild der Marvel Filme. Auch bleibt zu erwarten, dass Justice League als Film schon bald kaum noch Relevanz haben wird, weil er einfach ungemein austauschbar wirkt. Das wäre okay, aber als Fan des gesamten Genres darf man wahrlich unterwältigt sein, dass aus dem ersten Justice League Film nicht mehr geworden ist.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabe

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