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KRITIK:

KAMPF DER TITANEN


von Christian Mester

CLASH OF THE TITANS (2010)
Regie: Louis Leterrier
Cast: Sam Worthington, Gemma Arterton

Story:
Hades (Ralph Fiennes) ist unerfreut. Weil die Menschen der Großstadt Argos nicht mehr länger auf die Götter hören wollen, überredet er Obergott Zeus (Liam Neeson) dazu, sie vor die Wahl zu stellen. Entweder opfern sie ihre geliebte Prinzessin Andromeda (Alexa Davalos) oder ein gewaltiger Supergodzilla taucht auf und vernichtet sie alle.

Hoffnung naht in Form eines jungen Halbgott-Fischers (Sam Worthington), der sein persönliches Huhn mit Hades zu rupfen hat und sich anbietet, eine spezielle Geheimwaffe zu besorgen. Seine Reise führt ihn zu explodierenden Holzmenschen, zu göttlichen Schönheiten, fauchenden Serpentinenfrauen, steilen fliegenden Hengsten und letztendlich natürlich zum Supergodzilla selbst, dem tentakligen Kraken.

Das Original stammt aus dem Jahr 1981,
die im neuen Film gezeigte Eule Bubo gehörte zum alten Film dazu

Kritik:
Vorab: „Kampf der Titanen“ sollte man auf jeden Fall unbedingt im herkömmlichen 2D-Format sehen. Die 3D Effekte kamen erst nachträglich hinzu und sind so schlecht, dass sie das Filmerlebnis negativ beeinträchtigen.

Monströse Kreaturenkeilerei vom Regisseur von „Der unglaubliche Hulk“? Klingt erstmal nach köstlichem Popcornkino. Ist er auch. Der „Kampf der Titanen“ ist tolles Haudrauf-Kino mit viel Action, einigen netten Sprüchen, hübschen Frauen und sehenswerten Riesenmonstern... sofern man sich bloß nicht mehr als stumpfe Popcornaction erwartet.

Wie in einem Videospiel fängt Perseus als ahnungsloser Taugenichts an, der in kürzester Zeit Erfahrungspunkte und Fertigkeiten sammelt, Rüstungen und Waffen bekommt und sich nach jedem Level einem übernatürlichen Endgegner stellen darf. Jeder Bossgegner wird mit einem vorher erlangtem Superitem besiegt, seine Begleitung besteht aus Zauberern, Bogenschützen und Nahkämpfern und selbst der Showdown sieht so sehr nach Game-Material aus, dass man fast erwartet, jeden Moment irgendeine Quick-Time-Sequenz abklicken zu müssen. Wer nun generell wenig Geduld hat und schon bei jedem längerem Dialog fingertrommelnd auf die Uhr sieht, wird sich in Louis Leterriers griechischem Mythenreißer reichlich wohl fühlen.

Eigentlich müsste der Film KAMPF DER GÖTTER heißen,
da Titanen im gesamten Film nicht vorkommen (sie werden im Vorspann kurz erwähnt)

Geht man ins Detail, ist der „Kampf der Titanen“ gerade mal knapp über Mittelmaß.

Es liegt an den Effekten und der Ausstattung. Die Effekte sind durch die Bank weg in Ordnung und akzeptabel, doch während einige wirklich hervorragend aussehen – der Kraken beispielsweise, der an den Ottoia aus „Octalus – Deep Rising“ erinnert – gehen manch andere eher weniger. Die Medusa sieht wie eine blamable Videospielfigur aus, Toten-Fährmann Charon wie eine a abgehalfterte Freizeitparkfigur und da auch manche Szenerien (Argos, Olymp) unfertig erscheinen, fällt es immer wieder schwer, sich dauerhaft in die Geschichte hinein versetzen zu können. Die glitzernden Ritterrüstungen der Götter sehen genauso albern aus wie Hades Lumpenkostüm (an dieser Stelle sei angefügt, dass man besser kein einziges Wort über die Authentizität der Adaptation der griechischen Mythologie verliert, da alles hohler Kokolores und nicht besser als bei „Percy Jackson“ ist) und Calibos’ Sumpfdotterversteck mit sauberen Kerzen lässt an ein billiges Phantom der Opera denken.

Es liegt an den Darstellern. Sam Worthington ist ein netter Kerl, aber wie in seinen anderen beiden Blockbustern spielt er auch hier eine relativ leere Rolle. Perseus glänzt in seinen Heldenmomenten und durch kleinere Randbemerkungen, doch die meiste Zeit agiert er bloß passiv und distanziert. Obwohl er einen Fischersohn spielt der sein Leben lang nichts Besonderes gesehen hat, zeigt er kaum Reaktionen auf Holzmenschen, Monster und Götter. Worthington spielt hier übrigens zum dritten Mal in Folge einen Halbmensch. In „Terminator 4“ spielte er halb Mensch, halb Maschine, in „Avatar“ halb Mensch, halb Na’Vi – hier halb Mensch, halb Gott. Was als nächstes, eine Rolle als Halbelf, oder als Gehacktes halb und halb? Zu wünschen wäre jedenfalls mal etwas mit Emotionen oder etwas, das mal nicht nach mutigem Slacker aussieht.

Die anderen Darsteller sind ebenfalls okay, doch kaum der Rede wert. Gemma Arterton („Prince of Persia“) und Alexa Davalos („Riddick“) sind hübsch, Liam Neeson im 70er Glitzersuit gibt mal wieder die Vater-/Mentorenrolle und Ralph Fiennes keucht sich "auf der Suche nach einem Hustenbonbon" (Zitat C. Westhus) voldemortig durch die Gegend (wer „Rome“ gesehen hat, schmunzelt noch über Polly Walker). Bester Darsteller des ganzen Films ist noch „Casino Royale“ Bösewicht Mads Mikkelsen, der als beinharter Krieger Eindruck hinterlässt, aber leider nur kurz zu sehen ist
.  


Es liegt an der Regie. Louis Leterrier (le terrier… der Terrier?) zerschnippelte das Drehbuch, kürzte fast 20 Minuten Material und fügte ein paar eigene Ideen hinzu, die „Kampf der Titanen“ oftmals unlogisch, inkonsequent und durchweg gehastet erscheinen lassen. Jedes Mal, wenn es fast zu einer interessanten Charakterszene kommt, schaltet der Film wieder einen Gang weiter und prescht eilig zur nächsten Actionsequenz. Das ist für den Film als Unterhaltung nicht weiter schlimm, doch weil sich die Handlung bierernst nimmt und das Epische immer wieder unterstreichen will, vermasselt es sich das und entfernt sich immer wieder davon, mehr als blasse Unterhaltung zu sein. Das Endresultat der meisten Zuschauer wird sicher „der Kraken war klasse“ sein, doch es ist schade, da die griechische Mythologie eigentlich soviel mehr als das bietet. Gar keine Frage: weitere Minuten hätten dem Film gut getan. Minuten, die erklären würden, wieso Perseus Andromeda retten will, wieso Zeus einen Sinneswandel bekommt und welche Ziele Athena und Apollo verfolgen (die im Film auf kleine Cameos zusammenreduziert wurden).

Es liegt an der Action. Ein Film wie dieser müsste eigentlich ein paar der göttlichsten Actionszenen des Jahres in petto haben, doch obwohl es viele, viele Kämpfe gibt, gibt es keine einzige, wirklich heraus stechende Szene. Alles passiert und ist unterhaltsam, doch kein einziges Mal in irgendeiner Form außerordentlich, was durch teils marode Effekte, fehlende Spannung und Mangel an Onelinern/Spaß nicht unbedingt gelungen unterstrichen wird.

Im Vergleich zum Original von 1981 braucht sich der Neuling sicher nicht verstecken – das Original mit den Ray Harryhausen Effekten war wegen seiner speziellen Effekte charmante Fantasy-Kunst, doch der eigentliche Film drum herum maues Abenteuer. Das Remake ist flotter, dafür haben die CGI Kreaturen nicht ganz den Glanz einer mühselig inszenierten Stop-Motion Figur… auch wenn der neue Kraken bei aller Kritik in diesem Jahr sicher mit zu den besten Filmgeschöpfen gehört.

Fazit:
Ein ordentlicher Fantasy-Actioner mit einer handvoll guten Szenen, bleibt dafür leider recht charakterlos. Mit geringen Erwartungen wird man gut unterhalten werden, von einem Highlight ist er jedoch titanenweit entfernt.

6 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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