home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum


 

KRITIK:

THE KARATE KID


von Christian Westhus

THE KARATE KID (2010)
Regie: Harald Zwart
Cast: Jaden Smith, Jackie Chan

Story:
Der junge Dre (Jaden Smith) und seine Mutter (Taraji P. Henson) verlassen die USA und ziehen für einen Neuanfang nach China. Im fremden Land mit der fremden Sprache und ungewohnten Kultur muss man sich erst zurechtfinden, doch Dre gerät schnell an eine Gruppe Rowdies, die ihn verprügeln. Als er entdeckt, dass in dem unscheinbaren Hausmeister Mr. Han (Jackie Chan) ein Kampfkunst-Meister steckt, will er selbst Kämpfen lernen und findet sich nach Wochen harten Trainings in einem Turnier wieder.

Jaden Smith spielte bereits in DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILL STAND
und DAS STREBEN NACH GLÜCK

Kritik:
„Wax on, wax off!“ Es könnte das Motto der amerikanischen Remake-Bewegung sein. Wachs auftragen, polieren und als etwas Neues verkaufen. Durch stetes Kopieren und Wiederholen bereits vorhandener Filme, schärfen sich die Mechanismen ein, bis man es irgendwann voll drauf hat. Ein wenig Übung braucht Hollywood aber auch weiterhin, denn „Karate Kid 2010“ kann noch nicht Ziel aller Anstrengungen sein. Bemühungen und leichte Fortschritte sind jedoch spürbar.

So ganz eigenständig wollte man es scheinbar auch noch nicht wagen, denn die Verbindung zur beliebten 80er-Jahre Reihe, die es auf insgesamt vier Teile gebracht hat, soll schon im Titel klar sein. Da ist es ganz egal, dass man in China, wo es den jungen Dre mit seiner Mutter hin verschlagen hat, mit Karate eigentlich nicht viel am Hut hat. Das „Kid“ ist ein paar Jährchen jünger als Ralph Macchio damals und inhaltlich setzt man voll auf die Fremdenwirkung, als man das zur Kampfkunst gehörige Land bereist, was sich die alte Reihe noch für den zweiten Teil aufgehoben hatte. So darf sich China in einem großen US-Film präsentieren und entsprechend sonnig läuft das Ganze hier auch ab. Das kann schlicht „positive Eigenwerbung“ genannt werden, denn politischer wird auch der Film nicht.

Für Jaden Smith, alias Dre, ist es der Kulturschock pur. Er und seine Mutter kommen ohne große Sprach- oder Kulturkenntnisse ins Land und stolpern sich durch die ersten Tage. Immerhin verhalten sich beide nicht wie die sonstigen US-Klischee-Trampel, sondern bemühen sich, in der neuen Heimat zurechtzukommen. Und China reagiert, zeigt sich bunt, freundlich, erstaunlich flexibel mit der englischen Sprache und auch allgemein weltoffen. Dre bringt es zwar bereits am ersten Tag fertig, vermöbelt zu werden, findet jedoch auch sofort eine Vertrauensperson, die ihn fortan etwas durch die Schule, die Stadt und das Land führt. So schnell ist der Film aber nicht immer. Man lässt sich Zeit und manchmal eindeutig zu viel Zeit. Das ist einerseits löblich, weil so der schreckliche holterdiepolter Charakter ähnlicher Filme vermieden wird. Andererseits hätte es nicht unbedingt gleich eine Dreiviertelstunde dauern müssen, ehe Jackie Chan das erste Mal markant in Erscheinung tritt.

Der Film ist der fünfte Teil der
KARATE KID Reihe

Chan ist die logische Wahl für den Part des Kung-Fu Meisters, der unter der Fassade des Hausmeisters steckt. Ein früher Moment ist eine sehr gelungene Ironisierung des Originalfilms, ansonsten aber ist der Humor, der von Mr. Han ausgeht, eher trockener Natur, wenn er überhaupt auftritt. Wesentlich deutlicher noch als Pat Moritas Miyagi, ist Mr. Han von der schweigsamen und bisweilen traurigen Sorte. Die überraschend ernsthafte und charakterfokussierte Darstellung ist ein großer Pluspunkt des Films, denn Chan zeigt, dass in ihm wirklich ein Darsteller steckt. Und das Drehbuch versteht ziemlich gut, wie es Humor und Nachdenklichkeit in einem solchen Unterhaltungsfilm zu dosieren hat. Auch Dre profitiert davon, denn mit etwas mehr Einleitung und etwas mehr Mühe bei der Charakterisierung, verflüchtigen sich alle Befürchtungen, Dre sei ein nerviges, verzogenes Klischee-Kind, was mit dem Holzhammer innerhalb von fünf Minuten zum disziplinierten Kampfkunst-Ass wird. Wobei es auch in diesem Film klar sein sollte, dass sich die Trainingserfolge zu schnell einstellen und allgemein ein paar Nummern zu groß sind. Darum geht es ja auch nicht. So haarklein dürfte man auch Ralph Macchios Erfolg nicht zerrupfen.

Die andere Befürchtung, Hollywood-Gigant Will Smith habe vor lauter Langeweile mit diesem Film versuchen wollen, seinen Sohn zum Star zu pushen, verpufft nahezu komplett. Jaden Smith neigt zwar hier und da zu ein paar Einlagen einer Ghetto-Diva, zeigt sich ansonsten aber ebenfalls motiviert, diszipliniert und in den spaßigen Trainings- und Kampfszenen nicht ungeschickt. Selbst die zwischenmenschlichen Töne stoßen nur halb so bitter auf, wie sie könnten. „The Karate Kid 2010“ ist, und das muss klar gesagt sein, ein guter Film – als Komparativ. Er ist ‚besser’ als erwartet oder ‚nicht so oberflächlich’ wie befürchtet, aber wirklich gut ist er nur selten. Dafür ist das ganze Projekt zu sehr um Vorsicht bemüht. Die Vorsicht, keine zu großen Fehler zu machen und nach Möglichkeit keine Zuschauergruppe zu vergraulen.

Entsprechend hangelt sich der Film inhaltlich ziemlich erwartungsgemäß an den erwarteten Stationen entlang, grast hier und da ein Klischee ab, während China seine Pforten öffnet. Mit Jackie Chan als Botschafter war eine Menge möglich und so fühlt sich gerade der Mittelteil an, als befinde man sich im wilden China-Sightseeing. Wider jeglicher Machbarkeit rast Dre mit seiner jeweiligen Begleitung durch Stadt und Land, besucht im einen Moment noch einen Videospiel-Arcade, rennt dann durch Pekings Innenstadt, turnt vorm Olympiastadion her und trainiert einen Moment später auf der Großen Mauer. Natürlich dürfen auch die Verbotene Stadt und das faszinierende Wudang Kloster nicht fehlen. Das wirkt natürlich von vorne bis hinten konstruiert, ist aber immerhin schön anzuschauen und macht auch oft genug Sinn für die Handlung. Optisch machen die berühmten Ortschaften und der – für westliche Gefilde – exotische Flair Chinas viel Eindruck. Die Farben sind satt, die Präsentation braucht keinerlei Bescheidenheit und so passt es für einen Film dieser Art einfach zusammen. Figuren und Handlung sind für den Großteil des Films sympathisch und unterhaltsam, was schon mal die Hauptsache ist.

Ohne zu große Schlenker zeigen aber alle inhaltlichen Richtungspfeile aufs Finale. Mr. Hans Geschichte, die Beziehung zwischen Dre und seiner Mutter bzw. der Mitschülerin – all das hat nur sekundäre Wichtigkeit und involviert im Umkehrschluss auch kaum. Das Turnier ist der Moment, wo alles zusammenkommt und plötzlich machen auch Mr. Hans merkwürdigen Trainingsideen Sinn. Auf der Gegenseite ist die gegnerische Schule genau so dämlich einseitig unfair und böse gezeichnet, wie im Originalfilm und so ganz ohne Charakterisierung, nur durch fiese Taten sprechend, lassen sich filmische Feindbilder nur all zu leicht akzeptieren. Damit macht es sich der Film natürlich enorm einfach, aber so funktionieren diese Geschichten eben. Bei all den sonstigen Bemühungen um etwas mehr Ernst, Respekt und Anspruch, ist das Finale dann auch das eine Eingeständnis an die Massen und die Fans des ersten Films.

Das Turnier, von dem zu Beginn noch kaum jemand wusste, ist plötzlich ein monströses Spektakel, an dem halb China beteiligt ist, um multimedial darüber zu berichten. Die Choreographie der Kämpfe ist ordentlich, der Schnitt hat einen Zahn zu viel drauf und der Ablauf dürfte nicht sonderlich überraschend sein. Smith ist in Sachen Kampffertigkeiten tatsächlich nicht schlecht, während Chans Mentorrolle inzwischen auf ein anfeuerndes Nichts reduziert wird. Am Ende prasseln all der Kitsch, der Pathos und die Oberflächlichkeiten auf den Zuschauer herab, die man eigentlich schon in den vorherigen 120 Minuten erwartet hatte. Der Weg bis zum Turnier war beachtlich und erfreulich, aber nun stehen die Zeichen auf voll-ins-Fressbett-Dramaturgie, die an Peinlichkeiten wie „Rocky IV“ erinnert. Sogar einen wenig gelungenen Ersatz für den „Kranich“ pflanzt man mit ein. Dass der Film - dieses Remake - aber erst jetzt so wird, grenzt schon fast an ein Wunder.

Fazit:
Das 2010er „Karate Kid“ ist ein in doppelter Sicht respektvolles Remake. Die Geschichte sorgt für kaum Überraschungen, aber die Behandlung der Figuren lässt erfreulicher Weise Bemühen erkennen. Chan und Smith harmonieren gut, das Land China ist ein gelungener Schauplatz und das Training ist unterhaltsam. Erst im Finale werden die ganz schweren Klischee-Geschütze aufgefahren. Insgesamt besser, als man erwarten konnte.
 

5,5 / 10


Das Copyright der genannten Markennamen und genutzten Promotionsmaterialien
liegt bei den entsprechenden Besitzern. Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich.