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KRITIK:

KICK-ASS


von Christian Mester

KICK-ASS (2010)
Regie: Matthew Vaughn
Cast: Aaron Johnson, Chloe Moretz, Nicolas Cage

Story:
Teenager Dave (Aaron Johnson) fragt sich schon seit geraumer Zeit, wieso es keinen echten Superhelden auf der Welt gibt. Jemand, der sich verkleidet und mutig für Recht und Ordnung kämpft. Von seinen Freunden nur müde belächelt, probiert Dave es selbst aus. Eine Herausforderung, die schon bald schmerzhafte Konsequenzen und verrückte Nachahmer nach sich zieht…

Autor Mark Millar hätte fast
den nächsten SUPERMAN geschrieben

Kritik:
Da hat man sich mal wieder vollkommen vertan. Wer „Kick-Ass“ nur aus der Fernsehwerbung oder anhand diverser Bilder kennt, darf meinen, es wäre ein bunter Kinderfilm mit drittklassigen Marvel-Figuren*. Spätestens jedoch, wenn die kleine Hit Girl (Chloe Moretz) zum ersten Mal mehrere bewaffnete Drogendealer blutig aufschlitzt und feist in Stücke schlägt, bleibt einem gehörig die Spucke weg. Hit Girl mag erst zwölf Jahre alt sein und eine mädchenhafte lila Perücke tragen, metzelt sich aber pfiffig und gnadenlos gekonnt durch ganze Gegnerwellen. Die Kleine erinnert mit ihrer Professionalität an Kracher wie „Equilibrium“ und „Leon – Der Profi“ und gehört mit ihren erstklassigen Kampfszenen genretechnisch schon mit zum Besten des Jahres..

*Genau genommen ist es sogar ein Film mit Kindern und indirekten Marvel-Figuren; „Kick-Ass“ kommt aus dem Icon Comics Verlag, der eine Tochterfirma Marvels ist.

Nicht nur sie darf sich kampfstark präsentieren; auch Neuling Aaron Johnson (Kick-Ass) macht kloppend eine gute Figur. Er kann zwar nicht viel, überzeugt aber mit närrischer Tapfer- und Unbeirrbarkeit, die mitreißt. Nicolas Cage kommt als schlagfertiger, kostümierter Kämpfer hinzu, der wie eine Art Punisher-Batman-Nite Owl-Mix erscheint.

Der Film stellt interessante Fragen: wieso gibt es tatsächlich keine echten maskierten Helden?* Ganz einfach: weil es vollkommen lächerlich aussehen würde, einen maskierten Mann bei helllichtem Tag Patrouille laufen zu sehen. Weil ein echter Held schnell und leicht zurückzuverfolgen und damit immer in Lebensgefahr wäre; weil ein Held ohne Superkräfte oder finanzielle Möglichkeiten Gegnern mit Schusswaffen nicht viel zu entgegnen hätte. Weil Selbstjustiz strafbar ist.

Im Film gibt es ein Poster von Claudia Schiffer;
Regisseur Matthew Vaughn ist mit ihr verheiratet

All das macht „Kick-Ass“ hervorragend zum Thema. Es ist unheimlich lustig zu sehen, wie sich Kick-Ass in seinem albernen Outfit blamiert, wie Gegner ihn zu Mus schlagen und er feststellen muss, dass das Heldendasein alles andere als einfach ist. Gleichzeitig zeigt es aber auch, welche Konsequenzen es haben könnte – Menschen würden es toll finden und unterstützen, sie wären fasziniert, Mädchen würden sogar darauf stehen (was im Zuge der Teenager-Thematik natürlich behandelt wird). Bevor der Film aber zur schrecklich billigen Klamotte ala „Superhero Movie“ wird, verfolgt er darüber hinaus ernstere Gedanken. Was müsste man sein, um sich schwer bewaffnet mit organisiertem Verbrechen anzulegen? Vermutlich lebensmüde – oder soziopathisch.

Diese Ecke füllen Nic Cages und Chloe Moretz’ Figuren aus, die offensichtlichen Spaß daran haben, andere Menschen umzubringen. Dass es für Kick-Ass zu weit geht, merkt man schnell, allerdings wird der Film nicht zum düsteren Werk. Moretz und Cage treten mit abgebrühter Selbstsicherheit auf und sorgen für allerlei Situationskomik – etwa, wenn trainierte Bodyguards sich zu viert nicht trauen, eine unbewaffnete 12jährige anzugreifen und dafür erst eine Bazooka holen müssen. Der Film ist gespickt mit solch irrwitzigen Momenten, die alles entschärfen, das Gezeigte jedoch nicht vergessen lassen. Das Blut hält sich auch in Grenzen: es geht gut zur Sache, wird aber nie zum Splatter.

Der Film ist Parodie insofern, als das er sich über die Gegebenheiten eines möglichen Superhelden lustig macht; er ist selbstkritisch, indem er kaltblütiges Morden der Selbstjustizler ala „The Punisher: Warzone“ kritisch beäugt, gleichzeitig aber auch Hommage, da er viele typischen Elemente beinhaltet, gut gemeinte Winks auf andere Helden besitzt und das grundlegendste, ehrenwerteste Motiv eines Superhelden in den Vordergrund stellt: die Bereitschaft, sich selbstlos für das Gute einzusetzen. Gerade dies wird zu Anfang des Films schön gezeichnet. Kick-Ass verfolgt keine logischen, getriggerten Ziele ala Rache, Stolz oder Prophezeiung, er will ausnahmsweise einfach nur Gutes tun
.  


„Kick-Ass“ hatte ein Budget von gerade einmal 28 Millionen Dollar. Vaughn lässt den Film jedoch erstklassig aussehen und überzeugt mit tollem Gefühl für Auftritte und Kampfszenen. Obwohl Cage hier der große Filmstar ist, fällt seine Präsenz nicht weiter ins Gewicht. Cage hält sich relativ bescheiden, lässt den Jungstars den Vortritt (obwohl er an einer Stelle sogar brennt, verfällt er zu großer Überraschung kein einziges Mal in wildes „Wicker Man“/“Ghost Rider“ Overacting). Chloe Moritz ist eine wahre Entdeckung, Aaron Johnson eine angenehme Überraschung. Ebenfalls gut ist Mark Strong, der schon im Frühjahr in „Sherlock Holmes“ den Bösen gab, später als Bösewicht in „Robin Hood“ zu sehen sein wird und 2011 Green Lanterns Mentor – und späteren Bösewicht Sinestro mimt. Der nächste Parade-Bösewicht?

Bei all dem Lob gibt es jedoch noch zwei Falten im Cape, die sich nicht rausbügeln lassen. Da wäre Christopher Mintz-Plasse, besser bekannt als McLovin aus „Superbad“, der hier als Quasi-Antagonist auftritt. Mintz-Plasses Red Mist ist ein schwacher, weinerlicher Charakter, an dem man noch hätte arbeiten müssen. Zu blass sind seine Szenen, er funktioniert allenfalls als Rahmenfigur Mark Strongs. Andererseits gibt es im Film eine gefühlte Ruhephase. Die erste halbe Stunde ist grandios und die letzte halbe Stunde schließt nahtlos wieder daran an, die Zeit dazwischen verliert an Tempo und fällt merklich ab. Der Film wird zwar zu keinem Augenblick schlecht oder langweilig, doch man merkt, dass etwas fehlte, wenn er später wieder einen Gang hoch schaltet. Der Soundtrack ist poppig, teilweise unharmonisch, in den richtigen Momenten aber sehr effektiv.

*Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich echte Superhelden. Seit 2005 ist ein maskierter Held namens ShadowHare in Ohio unterwegs, der schon landesweit Schlagzeilen gemacht hat und andere Helden ins Leben rief. Mittlerweile gibt es eine Allianz der Helden, der namhafte Nachmacher wie Mr. E, Wall Creeper und Obsidian Avenger angehören. Im Gegensatz zu den Filmfiguren zerschlagen diese allerdings keine Gangsterhäuser; sie helfen lediglich Verletzten, suchen Vermisste und bieten sich als ehrenamtliche Helfer an.

Fazit:
Nach “Wanted“ der nächste originelle Action-Kracher aus der Zeichnerhand Mark Millars. “Kick-Ass“ hat Balls, ist lustig, fetzt mit ausgefallenen Figuren und überrascht mit schonungsloser Gewalt. Empfehlenswert!

8 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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