BG Kritik:

Kill Billy


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur war er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin tätig.

Kill Billy (NOR 2014)
Regisseur: Gunnar Vikene
Cast: Bjørn Sundquist, Björn Granath, Fanny Ketter

Seit mehr als 40 Jahren schuftet Harold Lunde gemeinsam mit seiner Frau Marny in seinem Möbelgeschäft "Lunde Furniture". Doch damit ist es schlagartig vorbei. IKEA eröffnet eine große Filiale direkt nebenan und zerstört dadurch sein Lebenswerk. Harold und Marny verlieren nicht nur ihr Geschäft, sondern auch ihr Haus an die Bank. In seiner Wut und Verzweiflung denkt Harold nur an eins: Rache. Er besorgt sich eine Pistole und startet seinen alten Saab. Er hat nur ein Ziel: Den IKEA Gründer Ingvar Kamprad zu entführen! Entgegen aller Erwartungen gelingt der Plan - doch die Aktion nimmt schon bald eine unerwartet tragisch-komische Wendung.

Gehst du ins Kino oder überlegst du noch? Hier ein kleiner Denkanstoß.

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IKEA ist beliebt. Nahezu jeder wird bestimmt ein Möbelstück des bekannten schwedischen Möbelhauses in seinem Haus, seiner Wohnung oder seinem Zimmer wiederfinden. Selbst der Großteil an Räumen in Serien oder Filmen des deutschen Fernsehen sind nicht sicher vor den praktischen, günstigen aber zuweilen vielleicht eintönigen Fabrikaturen von IKEA. Der deutsche Verleihtitel kann dann sogar mit dem Namen eines der beliebtesten Regalreihen des Möbelherstellers einen aussagekräftigen und für Filmnerds referenzreichen Titel kreieren. Ob es dann aber auch noch die Tagline "Lebst du noch, oder war's das schon" braucht, sei mal dahingestellt. So eine Monopolstellung kann natürlich nicht jedem gut tun. Am allerwenigsten einem selbstständigen, kleinen privaten Möbelhaus wie es der Protagonist im vorliegenden Film besitzt.

Es fängt an sich konventionell, aber vielversprechend an, wenn Harold sich nicht einfach unterkriegen lassen will bzw. das Leben es ihm nicht zulässt. Wie ein Damoklesschwert schweben in den ersten Minuten immer wieder die gelb beleuchteten Lettern von IKEA im Hintergrund. In keiner Einstellung scheinen sie mal nicht sichtbar zu sein und versetzen einen in die Lage des alternden Möbelmachers.

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Es scheint anfangs etwas einfach argumentiert zu sein, wenn Harold vor allem auf die Qualität seiner Arbeit im Vergleich zu den Plastikmöbeln der Konkurrenz eingeht, doch die Probleme, die er mit den modernen Möbelstücken hat werden im ersten Drittel immer mal wieder ganz nett in die laufende Handlung miteingebaut. Und wenn ihn der eigene Sohn schließlich in seine Wohnung lässt, die er aus Geldmangel mit IKEA-Möbeln ausgestattet hat wird klar, dass die Vendetta von Harold nur von ihm allein begangen werden kann.

Leider flacht das Ganze dann ab, sobald er ein Ziel findet und entführt. Dann wird das mehr ein kleines Duell zweier, sturer alter Herren. Hier findet man da nichts mehr von irgendwelcher Kritik oder sonstigen sozial-kritischen Untertönen. Als ob der Aufhänger mit IKEA etc. völlig vergessen wurde. Dann haben wir hier einfach wieder nur eine weitere Altherren-Komödie aus dem Norden. Der Markt wurde doch eigentlich erst schon vor ein paar Wochen mit dem schwedischen Film EIN MANN NAMENS OVE bedient. Andererseits ist es weniger überraschend, dass IKEA am Ende nicht mehr groß an den Pranger gestellt wird, sonst hätten die Damen und Herren bestimmt nicht dem inflationären Gebrauchs ihres Logos in der ersten Hälfte des Films zugestimmt.

Fazit:

Was auf dem Papier interessant klingt, verkommt leider sehr schnell zu einer weiteren skandinavischen Komödie ohne größere Glanzmomente. Unterhaltsam ja, aber selbst die kritischen Seitenhiebe auf die Großindustrie verwässern schnell.

4,5 / 10

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