BG Kritik:

King Arthur - Legend of the Sword


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

King Arthur - Legend of the Sword (US 2017)
Regisseur: Guy Ritchie
Cast: Charlie Hunnam, Jude Law, CGI-Elefanten

Story: Wie es die Geschichte will, gab es in England einst Ritter, Magier und riesige Elefanten. Eines Tages hintergeht der Königsbruder Vortigern (Jude Law) den beliebten König, dessen magisches Schwert Excalibur daraufhin unlösbar in einem steinernen Block landet. Von nun an Herrscher, fürchtet Vortigern über die nächsten Dekaden nur eines: die Rache des Königssohns Arthur (Charlie Hunnam)…

Wie säh Uwe Bolls Dungeon Siege: Im Namen des Königs wohl als US Blockbuster aus?

Ein weiterer Sherlock Holmes mit Robert Downey jr ist mittlerweile unwahrscheinlich


Da ihm nach der überaus beliebten Sherlock Serie mit Benedict Cumberbatch vermutlich die Lust an weiteren Sherlock Holmes Filmen mit Robert Downey jr vergangen ist (Teil 1, Teil 2), verschlug es Guy Ritchie in eine der berühmtesten heimischen Geschichten. Und weil das Thema Shared Universe aktuell so in ist, erzählt sein King Arthur Film nicht nur die Legend of the Sword, sondern fungiert zudem als Vorgeschichte des zu diesem Zeitpunkt noch jungen Taktgebers der Tafelrunde. Sollte dieser Film tatsächlich Erfolg haben, sollen weitere zu Lancelot und den anderen Tafelrittern folgen, bevor sie dann avengers-mäßig zusammenfinden (Spoiler: der Film hat magische 175 Millionen Dollar gekostet und nur pöbelhafte 140 Mio wieder eingespielt… also kann Ritchie noch ziehen und zerren wie er will, der Arthur Franchise wird wohl nicht mehr Teile kriegen als Til Schweigers deutsches Herr der Ringe, 1 ½ Ritter auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde).

Für den Platz an der Spitze des runden Tischs wählte Ritchie Charlie Hunnam aus, der schon in der Bikerserie Sons of Anarchy auf dem Chefsessel eines Teamtisches landete, was da schon nicht die besten Folgen für besagte Bikergang hatte, hier auch nicht besser läuft. Hunnam hat ein Problem: so gut er mit Sixpack und zeitbrechendem Sidecut auch aussehen mag, fehlt es ihm weiterhin eindeutig an Charisma. Das machte sich schon in Pacific Rim bemerkbar und ist seitdem nicht besser geworden. Seine Figur des legendären Königssohn Arthurs, der andere hier ständig salopp mit „Süßer“ anredet, ist hier leider auch kein bisschen interessant geschrieben. Als Kind sah er den Mord an seinem Vater mit an und eierte seitdem ratlos durch die Weltgeschichte, nicht wissend, dass das Schicksal ihn als Retter des Landes auserkoren hat. Wenigstens erspart man sich eine aufgesetzte Liebesgeschichte obendrauf, aber ansonsten hastet Young Arthur durch eine so generische Fantasystory, dass man sich schnell an Rohrkrepierer wie die unsagbar faden Verfilmungen von Dungeons and Dragons oder Eragon erinnert fühlt. Verglichen mit den Söhnen der Anarchie fehlt es ihm hier dann auch an sympathischen Teammitgliedern, denn einen Clay, eine Gemma, einen Opie, einen Tig sucht man hier vergebens.

Der großartige Jude Law versauert als phrasendreschender Magier Vortigern und bekommt keine einzige gute Szene spendiert. Mehrfach zeigt er im stillen Kämmerlein magische Fähigkeiten wie Feuerbälle, nur um sie dann beim Aufeinandertreffen mit Arthur nie einzusetzen. Immer wieder lässt er ihn entkommen und seine inkompetenten Soldaten hinterherjagen. Selbst für den Showdown verrät ihn das Script, denn anstelle Laws darf Hunnam vor einfallslosen Greenscreen-Nebel gegen einen CGI Shao Khan rumschwerten. Wirklich: Ray Liotta hatte es in Uwe Bolls Im Namen des Königs nicht schlechter. Die Story untergräbt sich generell selbst, denn Hunnams Figur hat eigentlich gar nicht im Sinn, den amtierenden König zu stürzen. Selbst als er das Schwert endlich in der Hand hält, will er eigentlich nichts damit zu tun haben und schleudert es trotzig weg, ins Meer. Sicherlich erscheint Law arrogant, aber andererseits schaut es in der Stadt derweil nicht aus, als gehe es den Bürgern schlechter als denen aus Game of Thrones beispielsweise. Demzufolge haben wir einen wenig sympathischen Helden, der unwillens gegen einen kaum schlimmen Bösen antreten soll.

Hunnams Sons of Anarchy Serie bekommt in Kürze ein Spin-off: Mayans MC


Es ist vermutlich der erste Artus-Film mit überdimensionierten Tieren, die an verschiedenen Stellen der Story urplötzlich auftauchen und teils von Magiern kontrolliert werden. Es wirkt eher komisch, als mochte Ritchie bloß die Ottifanten, äh, Olifanten aus Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs, zumal die Tiere kaum effektiv eingesetzt werden, demnach als Aspekte dieser Fantasyvorstellung kaum wichtige Rollen spielen (wieso die gute Hexe, die erst Guinevere war, aber vermutlich für ein geplantes neues Casting entnamt wurde, ihre Tiere nicht direkt gegen den König einsetzt, darf man wohl nicht fragen). Die wohl markanteste Unterscheidung dieses Films von anderen Genrevertretern ist allerdings zweifelsohne seine Regie. Für Guy Ritchie muss es eine reine Experimentierkiste gewesen sein, denn neben handelsüblicher Szenen nutzt er verschiedenste Kamerawinkel, wirft zufällig GoPro-Aufnahmen mit rein und setzt auf Stakkatoschnitt, um King Hipster: Legend of Sword so modern und knackig aussehen zu lassen wie Hunnams Sidecut. Ein ritterliches Jason Bourne meets Hardcore meets Crank, nur halt weder passend, noch pointiert, noch unterhaltsam eingesetzt. Leider will das Konzept generell nicht so ganz aufgehen, denn den Film plagt ein gewaltiges Übergewicht. Ritchie muss den Zaster genutzt haben, um gleich eine ganze Trilogie auf einmal zu drehen.

Es gibt unzählige Montagen im Film, in denen lange Abläufe auf die Schnelle zusammengefasst werden, darunter sogar ganze Abenteuer auf Monsterinseln. Manches Mal kommt die typische Ritchie Schnellmontage, bei der beispielsweise ein cleverer Diebstahl direkt in Bildern gezeigt wird, während jemand davon spricht. Aufgrund eines Übermaßes an gefilmten Material überkam es Ritchie hier aber, und so kommt eine Montage nach der anderen. King Arthur wirkt also wie eine auf einen Film runtergeschnittene Serie, durch die vieles gestaucht und verpasst erscheint.

Aber audiovisuell kann er was? Manches. Das alte London, die Schlösser und Panorama-Aufnahmen der Landschaften sehen anständig aus, doch alles was mit Magie zu tun hat, alle animierten Tiere und der separate Showdownlevel des komplett computeranimierten Bösewichts lassen fragen, ob der Film für gute Effekte wirklich erst noch teurer hätte werden müssen. Daniel Pemberton, der für Ritchie schon den Codename UNCLE vertont hatte, orientiert sich musikalisch sehr an Hans Zimmers Musik für Ritchies ersten Sherlock Holmes.

Fazit:

Hach ja. Hätte sein können, ist nicht. Mit King Arthur sollte ein cooler neuer Fantasyactioner in Reihe gehen, doch womöglich übernahm sich der meistens kompetente Guy Ritchie mit der Mammutproduktion. Vielleicht kann ihn ein 3 Stunden langer Director’s Cut auf Blu-ray noch die Tafelschokolade retten, aber in der Kinofassung ist Legend of the Sidecut sogar schwächer als der nur mäßige 2004er King Arthur Film mit Keira Knightley, Clive Owen und Til Schweiger.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich