hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
The King's Speech
Die Rede des Königs


von Christian Mester

THE KINGS SPEECH (2011)
Regie: Tom Hooper
Cast: Colin Firth, Geoffrey Rush

Story:
England, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Der britische Königssohn George VI. (Colin Firth) stellt zu eigenem Bedauern fest, dass er der nächste König des weltweit agierenden Royale Empires werden muss. Ein königlicher Konflikt, denn der eigentlich stolze Adelige leidet seit jüngster Kindheit an einem schweren Sprachfehler - er stottert – und würde stattdessen lieber ein unauffälliger Unbekannter zweiter Reihe bleiben. Schwierig, wenn man als König regelmäßig Ansprachen halten muss. Helfen kann Lionel Logue (Geoffrey Rush), ein australischer Sprachtherapeut mit ungewöhnlicher Methodik…

Kritik:
"The King's Speech" ist ungemein amüsant.

Zwar dreht sich die Handlung 'nur' um einen Adeligen, der von einem Therapeuten behandelt wird, doch das Resultat ist einer der amüsantesten Filme des ersten Kinoquartals, vermutlich sogar des ganzen Jahres. "The King's Speech" zieht seinen Humor daraus, dass sich der zukünftige König machtlos einem gewöhnlichen Bürger ergeben muss, der die Hilflosigkeit der ansonsten unantastbaren Herrscherfigur scheinbar dreist ausnutzt. Geoffrey Rush ("Pirates of the Caribbean 1-4") ist gar großartig darin, dem König als smarter Bürgervertreter mit Schmackes auf die royalen Zehen zu treten. Er ignoriert den gefürchteten Adelstitel und die damit verbundenen Plattitüden, behandelt George also wie einen gewöhnlichen Sterblichen und konfrontiert ihn mit scheinbar blödsinnigen, ihn womöglich degradierenden Aufgaben, bis dieser irgendwann wutentbrannt explodiert - und wieder klein wird, als er feststellt, dass die Aufgaben des vermuteten Kabarettisten tatsächlich funktionieren.

Rushs Figur macht sich einen Spaß daraus, dass George in einem goldenen Käfig aufgewachsen ist und normale bürgerlichen Umgang nicht kennt, macht sich dabei jedoch kein einziges Mal über den König als Privatperson lustig. Von Minute Eins an erkennt er die wahre Person hinter dem Königstitel, sorgt sich um ihn und nutzt eine mit Stacheldraht umwickelte, unter Strom stehende Kneifzange, um George aus ehrlichem Interesse hinter dessen schwerer Maskerade erreichen zu können. Um sich mit dem König messen zu können, muss er dafür schwere Geschütze auffahren und dem Landesherrscher wortstark die Stirn bieten, was immer wieder zu köstlich amüsanten Schlagabtäuschen führt. Im Vergleich zum thematisch ähnlichen "Reine Nervensache" mit Billy Crystal und Robert De Niro bleibt "The King's Speech" jedoch auf dem Teppich - der Humor bleibt auf gehobenem Niveau und wird nie zur familienorientierten Spaßnummer, fällt zuweilen sogar knapp und subtil aus, sodass kleine Mimikwandel bereits lachen lassen.

Die Stotterprobleme des Königs haben selbstredend Hintergründe, und so funktioniert „The King’s Speech“ in seiner gefühlten anderen Hälfte auch als seriöses Drama. Die Bürde, ein Land in Zeiten eines drohenden neuen Weltkriegs zu leiten, inmitten dessen die potente Stimme des Volkes zu sein und die Ehre und Tradition des ehrwürdigen Königtums beizubehalten, werden für George zum krtischen Problem, denn trotz stattlicher Figur und zuweilen einschüchternden Wutattacken ist er in Wahrheit ein verängstigter, verstörter Junge, der in eine neue Rolle gezwungen wird, die seinen mächtigen Stolz und sein Selbstbewusstsein in den Grundmauern erschüttern. Colin Firth ist beeindruckend in der Rolle des vielschichtigen Adeligen, der im Sprachtraining mit Logue immer wieder mit seinen alten Kindheitsdämonen konfrontiert wird und sich nur mit großer Mühe bemühen kann, nicht zu gehen und einfach alles zurück zu lassen; er kann es nicht, da sein Bruder den Thron bereits für eine Frau vergab und die Familie keine weitere Schande ermöglicht. Seine Mischung einer gefassten, starken, unerreichbaren Persönlichkeit, gepaart mit schrecklichen Ängsten und Hilflosigkeit macht die Rolle äußerst interessant, und Firth gelingt es, alle Facetten ergreifend umzusetzen.

Unterstützt werden beide von nicht weiter auffälligen, aber guten Nebenrollen von Timothy Spall, Helena Bonham-Carter und Michael Gambon, die allesamt aus den Harry Potter Filmen vorbeischneien (Wurmschwanz, Bellatrix, Dumbledore), sowie Guy Pearce, der leider nur in einer kleinen Nebenrolle auftaucht und nach wie vor auf seinen großen Filmdurchbruch warten muss.

Regisseur Tom Hooper liefert einen Film ab, der sehr beherzt und leichtfüßig ist und trotz der zunächst steif wirkenden Thematik Spaß macht. Das Hauptlob gebührt den beiden Schauspielern, doch er hilft ungemein, das Timing ihrer oftmals hervorragenden Dialoge perfekt auszureizen und ihre ständigen Unterhaltung nicht steif wirken zu lassen. Filmerisch ist "The King's Speech" gut umgesetzt, wenn auch das Pacing im ersten Drittel noch ein wenig unausgewogen bleibt und man inhaltlich ein wenig enttäuscht sein kann, dass der Film so geradlinig wirkt. Der König hat sein Problem, engagiert Rush und übers Training geht es dann bis zum Finale, zur Prüfung. Damit hat der Film in etwa den Charakter eines Sportdramas wie "Karate Kid", denn so wie Daniel-san im Film nicht verstehen kann, was Mr. Miyagi mit Auftragen und Polieren meint, ist der König erbost, Singen zu müssen oder mit vulgären Ausdrücken um sich zu werfen. Beide Gruppen trainieren eifrig und mit ungewöhnlichen Maßnahmen, werden im Verlauf mehrerer Auseinandersetzungen zu Freunden und müssen sich am Ende in einer großen Prüfung beweisen. Der König benötigt dafür zwar keinen Kranich-Kick, doch wenn er am Ende zur titelgebenden Königsrede antritt, fühlt man sich fraglos genau so wie im Finale von "Karate Kid".

Fazit:
Ein guter Film mit exzellenten Darstellern, dessen Titel, Poster und Inhalt einen leicht falschen Eindruck geben: das Ding ist amüsant, nicht stocksteif, dialoglastig, aber erfrischend, ernst, aber nie öde. Zusätzliche Anmerkung: Lob gebührt der deutschen Synchronisation, die vor allem Firths offensichtlich mühevolle Sprachdarbietung überzeugend umsetzen. 

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich