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KRITIK:
KNIGHT & DAY
von
Christian Mester
KNIGHT & DAY (2010)
Regie: Joe Carnahan
Cast: Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard
Story:
Da ist man sich im Flugzeug nur mal gerade die
Hände waschen, da bringt während des Fluges ein
zuvor noch recht charmanter Passagier (Tom Cruise)
alle anderen Mitfliegenden, die Stewardess und
Piloten um. Nicht nur das; er erzählt der
fassungslosen Überlebenden June (Cameron Diaz) dann
auch noch grinsend, dass es um eine ungemein
wichtige Mission gehe und somit alles in Ordnung
sei. Die gerät für sie aus den Fugen, als es
nachfolgend um die halbe Welt geht…
Kritik:
Manche hatten es schon geahnt und befürchtet, doch
als der neue Tom Cruise Actioner „Knight & Day“ an
den US-Kassen offiziell nur eher mäßige Zahlen
schrieb, war es schon etwas überraschend. Jeder
Popcornfilm Cruises war bis dato leichtes Geld
gewesen und selbst Diaz’ grausiger
Schmonzettenschmach „Love Vegas“ hatte am
Startwochenende keine schlechteren Zahlen gehabt.
Woran hatte es also gelegen? Am ersten Trailer?
Der ließ den Film klein und verhalten aussehen. Im
Trailer mache es noch den Eindruck, als spiele die
gesamte Handlung in derselben Stadt und als gehe es
primär unweigerlich um die obligatorische
aufkommende Lovestory der beiden, ähnlich wie im
konzeptionell gleich aussehendem „Kiss & Kill“.
Manche munkelten sogar, die Actionszenen im Trailer
seien bereits alle gedrehten und ein kläglicher
Versuch, männliches Publikum in einen Frauenfilm zu
locken.
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Vorherige Namen des Projekts:
TROUBLE MAN und WICHITA |
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Falsche Annahmen, es ist vielmehr
umgekehrt; die vorhersehbare Lovestory kommt
überraschenderweise zu kurz, in diesem Fall hat man
das meiste davon bereits im Trailer gesehen. Was man
nicht kennt, ist die Internationalität des
Abenteuers. June und Roy verschlägt es in die Alpen,
auf eine tropische Insel, nach Deutschland und zu
vielen weiteren Locations. Kleinere Breaks
unterbrechen äußerst konsequente Action, da es in
„Knight & Day“ nahezu pausenlos in Gefechte geht.
Cruise kämpft, schießt, rast und hechtet von einer
gefährlichen Situation in die nächste.
Drückt man ein Auge zu, ist das als platte
Popcornunterhaltung schmackhafte Kost, doch da
treten bereits die ersten Probleme auf. Action gibt
es mehr als genügend, doch obwohl sie recht
abwechslungsreich ausfällt, fehlen echte Highlights.
Ärgerlich ist, dass der rund 150 Millionen Dollar
teure Film oftmals unfertig aussieht. An vielen
Stellen macht es den Anschein, als fehle der letzte
Schliff. So ist es beispielsweise irritierend, bei
einer Motorradflucht vor Gangstern und Stieren immer
wieder zu sehen, dass die Gesichter von Cruise und
Cameron digital, aber ungenau auf die der Stuntmen
projiziert werden.
Zu unspezifisch ist auch der gewählte Ton des Films,
dessen thematischer Schwerpunkt auf Cruises Rolle
liegt. Eigentlich eine für ihn geniale Figurenwahl,
da er als vermeintlich Irrer über sein eigenes
derzeitiges Image lachen kann. Es gibt mehrere
Momente, in denen sein Roy außerordentlich lustig
ist. Der vermeintliche Wahnsinn steht ihm ebenso gut
wie die typische Intensität, die er in den
Actionszenen aufbringt. Hier fehlt dem Drehbuch
jedoch eine nähere Entscheidung. Für eine durch und
durch lustige Action-Komödie ist „Knight & Day“
letztendlich nicht witzig genug. Nach einem tollen
Einstieg verebben die Witze, nur um im späteren
Verlauf noch einmal müde neu aufgewärmt zu werden.
Cruise kann sich ebenfalls nicht entscheiden, ob er
nun komplett verrückt oder doch recht gefasst
spielt. Sein Versuch, einen lustigen „Mission
Impossible“ zu drehen misslingt damit. Für
wirklichen Effekt hätte Regisseur James Mangold
Cruise so albern wie in „Tropic Thunder“ inszenieren
müssen. Als halbgare Parodie ist es zu wenig,
weswegen ein ernster vierter Teil die wahrscheinlich
bessere Wahl gewesen wäre.
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Der Misserfolg des Films erschwert den
Produktionsstart von MISSION IMPOSSIBLE IV |
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Für eine ernstzunehmende
Actiongeschichte mangelt es „Knight & Day“ primär an
Handlungstiefe. Roy und June versuchen, eine
neuartige Energiequelle und dessen Erfinder (Paul
Dano aus „There will be Blood“) zu beschützen,
gejagt werden sie dabei von einem korrupten
CIA-Agenten (Peter Sarsgaard) und einem schrecklich
austauschbaren Waffenhändler. Dano und Sarsgaard,
zwei im Regelfall hervorragende Darsteller, bekommen
hauchdünne Kurzauftritte, die zudem oberflächlich
und einsilbig ausfallen. Was bleibt, ist eine Armada
gesichtsloser Henchmen, die zahlreich, aber
unblutig, spannungs- und belanglos erledigt werden.
Was fehlt, ist eine greifbare Geschichte, eine gute
Rahmenhandlung und ein ernstzunehmender
Gegenspieler. Wäre es kein Cruise, könnte „Knight &
Day“ in der Beziehung aufgrund der Leichtigkeit
sogar Stoff für Kinderfilme ala „Inspector Gadget“
sein.
Cameron Diaz bringt gleich zwei Überraschungen mit.
Zum einen verwundert es, dass sie es ist, die die
tatsächliche Hauptrolle im Film hat. Cruise ist
mehrmals für längere Abschnitte nicht mit dabei,
doch das damit erwartete Desaster bleibt aus. Sie
ist nicht unbedingt bemerkenswert, hält sich aber
gut und vermeidet es, June zum dauerhysterischen
Nervenwrack zu machen. Ihre anfängliche Unsicherheit
ist recht sympathisch, oft niedlich, eine spätere
aufflammende Selbstsicherheit dann doch zuviel des
Guten.
Regisseur James Mangold, der mit „Walk the Line“,
„Copland“, „Identität“ und „Todeszug nach Yuma“
bereits Gutes ablieferte, bleibt wie Cruise hinter
seinen Möglichkeien zurück. Die Actionszenen sind
gekonnt inszeniert, ihnen fehlt es hedicg wie
bereits gesagt an denkwürdigen Momenten, den
Effekten oftmals an Feinarbeit. Der Score ist
größtenteils gelungen, insbesondere eine spätere
Motorradjagd durch eine spanische Kleinstadt ist
pointiert untermalt. Da der Film blutleer ist, sich
jegliche Spannung spart und jeder Kampf zum platten
Schießbudenfiguren pölen wird, bleibt leidiglich
eine substanzlose Kaugummimasse, die für kurze Zeit
schmeckt, an die man sich jedoch nicht lange
erinnern wird.
Fazit:
Mut zu Extremen hätte „Knight & Day“ sicher
unterhaltsamer gemacht. So ist es ein flotter,
familienfreundlicher, durchaus unterhaltsamer, aber
insgesamt zu oberflächlicher „Mission Impossible“
light, den man sich zwischendurch mal reinsnacken
kann, den man sich aber auch einfach gänzlich sparen
kann. Kein Reinfall, aber für einen derart teuren,
derart besetzten Sommer-Blockbuster zu wenig.
6 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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