BG Kritik:

Kong: Skull Island


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Kong: Skull Island (US 2017)
Regisseur: Jordan Vogt-Roberts
Cast: Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman, John C. Reilly, Toby Kebbell

Story: 1973: Eine Expedition macht sich auf, eine bisher unbekannte Insel mit dem treffenden Namen Skull Island zu erforschen. Dort treffen sie auf etwas gewaltig Großes...

Die Neuverfilmung des legendären Riesenaffen King Kong ist der zweite Film im großen MonsterVerse von Warner Bros und Legendary Pictures. Im gleichen Universum wie der 2014er Godzilla Reboot angesiedelt, kann Kong: Skull Island aber auch ohne Vorwissen gesehen werden, da die Verbindungen, unter anderem nach dem Abspann, marginaler Natur sind.

Hiernach folgt erst Godzilla 2, dann Godzilla vs. Kong


Egal ob Marvel Cinematic, DC Extended, Universal Monster... alle wollen und oder haben es bereits, ein Shared Universe. Ein gemeinsames Kino-Universum, in dem zwei bis gefühlt unendlich viele Filme angesiedelt und untereinander verbunden sind. Diesem aktuellen Trend folgend, betritt nun der Urvater der Kino-Monster das mit Gareth Edwards Godzilla in 2014 neu geschaffene Kino-Universum. Allerdings in einem dem Godzilla-Film vorgeschaltetem Abenteuer, denn die neue Geschichte um King Kong wurde in das Jahr 1973 verlegt. Unmittelbar nachdem US-Präsident Richard Nixon den Vietnamkrieg für die USA mit dem beschlossenen Waffenstillstand mit Nordvietnam beendet, sollen alle Truppen heimkehren. Mehr oder weniger jedenfalls, denn bevor es in die Heimat geht, soll ein kleiner Trupp Soldaten noch auf einer kleinen, bisher unbekannten Insel im Südpazifik vorbeischauen, welche soeben dank neuer im Erdorbit befindlicher Satelliten entdeckt wurde.

Zusammen mit dem ehemaligen Special Air Service Captain James Conrad (Tom Hiddleston), der Anti-Kriegs und Fotojournalistin Mason Weaver (Brie Larson) und einem Elite-Team um Lieutenant Colonel Preston Packard (Samuel L. Jackson) machen sich die Insel-Entdecker Bill Randa (John Goodman) und Houston Brooks (Corey Hawkins) also auf, Skull Island zu erforschen und zu kartografieren. Als man für letzteren Zweck allerdings auf seismische Bomben zurück greift, erweckt man die Aufmerksamkeit des Königs des Eilands. Und der ist alles andere als erfreut über die seine Insel in Brand steckenden Eindringlinge und geht zum Gegenangriff über, und dabei geht King Kong absolut nicht zimperlich vor. In Kong: Skull Island wird dementsprechend zermalmt, gefressen, aufgespießt... und in die Luft geflogen. Und zwar jede Menge davon. Spätestens wenn der Kult-Potenzial besitzende Nixon-Wackelkopf im Helikopter so richtig loslegt ist klar: Kong: Skull Island ist ein 190 Millionen Dollar teures campy Monster B-Movie, und das offenkundig mit voller Absicht!

Der neue King Kong-Film soll und will wohl vor aber vor allem Spaß verbreiten. Und das tut er, sofern man das mag. Man sollte nur keinen ernsten Kriegsfilm mit Kong erwarten, so wie es die an Apocalypse Now angelehnte Optik und der erste Trailer suggerieren. Nein, es ist "lediglich" ein launiges B-Filmchen, in dem Kong reihenweise Hubschrauber aus der Luft pflückt oder auch mal eben einen Baum herausreißt, mit einer beiläufig lockeren Handbewegung von den Ästen befreit und als überdimensionalen Baseballschläger zum Töten einer fetten Riesenechse benutzen will. Und da es bei einem stilechten Kampf der B-Movie-Monster eben doch auf die Größe ankommt, misst der neue Kong scheinbar irgendwas jenseits der 30 Meter Marke und ist damit wohl der bisher größte Kong, den man abseits von Ishirō Hondas Die Rückkehr des King Kong - das ist der japanische 60er Jahre Streifen mit King Kong gegen Godzilla und der legendären Szene mit dem Baum - je auf der Leinwand bewundern konnte. Und zu bewundern gibt es auf Skull Island einiges, denn effekttechnisch kann sich das Endergebnis absolut sehen lassen. Perfekt sind die Effekte zwar nicht immer, aber wirklich gelungen und auch im Gesamtbild wirklich stimmig. Hier und da zwar etwas künstlich, wirken Kong und seine Insel dennoch lebendig, da das Effekte-Team von Industrial Light & Magic wirklich tolle Detailarbeit geleistet hat. Allein die unzähligen Insekten wie Libellen oder Moskitos, die gefühlt ständig umher fliegen, beleben ungemein. Was mit Kong: Skull Island nun die Kinoleinwände ansteuert, ist dabei aber keine bloße Nacherzählung der bekannten Geschichte in technisch modern und cooler, denn storytechnisch - abseits der Basis mit einer Gruppe Menschen trifft auf einen Riesenaffen - betritt der neue Kong durchaus seine eigenen Pfade. Die Geschichte als solches ist allerdings kaum dicker als ein computeranimiertes Haar von Kong. Wo es genau lang geht, sei hier aber natürlich nicht verraten. Nur soviel: eine hübsche, junge Frau wird hierin irgendwann in der gewaltig großen Hand eines gewissen Affen landen. Bis das passiert, lässt sich Regisseur Jordan Vogt-Roberts (Kings of Summer) allerdings einiges an Zeit, und präsentiert davor und danach eine andere Geschichte, welche diverse Anleihen bei u.a. Herman Melvilles Moby Dick und natürlich Joseph Conrads Herz der Finsternis nimmt, und sich dabei auch vom Feeling deutlich von den bisherigen King Kong-Verfilmungen abgrenzt.

Der letzte King Kong Film liegt 12 Jahre zurück


Präsentierte Peter Jackson im letzten Kinofilm mit King Kong ein nostalgisch klassisches Abenteuer mit märchenhaftem, romantischen Charme und 30er Jahre Feeling in Überlänge, kommt der neue Kong weit weniger charmant daher. Dafür aber auch weit weniger kitschig und in knackige, gut 120 Minuten verpackt. So präsentiert Vogt-Roberts seinen Kong: Skull Island als einen außerordentlichen Genre-Mix. Einen, der allerdings über weite Strecken erstaunlich gut harmoniert und zu funktionieren weiß. So ist Skull Island zugleich ein durchaus bedrohlich wirkendes Abenteuer mit Vietnamkriegs-Optik, wie ein schwarzhumorig witziger bis satirischer, und dabei ab und an verdammt brutaler Spaß voller Feuergefechte, buntem Rauch, riesigen Napalm-Explosionen und monströsen Monster-Fights in Zeitlupe. Wer am Endkampf in Jurassic World und den Fights in Pacific Rim seinen Spaß hatte, dem dürften die körperlichen Duelle auf Skull Island ebenso zusagen. Mega abgebrühtes Baum schwingen inklusive, so für Freunde von Die Rückkehr des King Kong. Dabei nicht ganz so überzogen wie in Pacific Rim, aber dennoch mit deutlichen Parallelen und ab und an mit sichtbarem Augenzwinkern inszeniert, distanziert sich Vogt-Roberts Kong hier doch erstaunlich weit vom eher pur ernsten Ton von Edwards Godzilla und geht seinen eigenen Weg. Dieser ist wie erwähnt ein Mix aus harten Szenen und gut verteiltem Humor, dabei augenzwinkernd und deutlich mehr campy und überzogen. Allerdings ohne dabei richtig in Richtung Trash abzugleiten. Singende Mini-Zwillinge in einem Käfig gibt es also keine. Zumindest noch nicht, so im Hinblick auf das bereits beschlossene Aufeinandertreffen mit Godzilla. Trotzdem ist Kong: Skull Island schon jetzt nicht hundertprozentig ernstes Blockbuster-Kino welches ab und an herrlich böse und dank Samuel L. Jackson auch mit dem einen oder anderen markigen und coolen Oneliner daher kommt. Ein bisschen mehr Herz und Emotionalität hätte dabei aber vielleicht nicht geschadet. So erreicht der neue Riesenaffe hier nie die Komplexität und Bandbreite wie unter Peter Jackson. Ein facettenloses Etwas wie Edwards Godzilla ist aber auch der neue Kong glücklicherweise nicht. Hat aber fairerweise als Primat auch mehr Ausdrucksmöglichkeiten als eine überdimensionierte Echse. Ja, auch dieser Kong hat weiter Charakter und Seele, kennt Schmerz, Verlust und jede Menge Wut und bleibt der tragische Anti-Held der seinen Namen tragenden Geschichte. Diesmal ist er zudem aber auch noch so cool wie wohl noch nie zuvor in seiner über 80-Jährigen Kinokarriere.

Nicht unerwähnt bleiben sollen daneben natürlich die menschlichen Darsteller, welche alle einen guten Job machen. Talent schadet eben auch in einem Blockbuster von Monsterfilm nicht, und auch wenn der Cast aus u.a. Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman und dem Muskel gestählten - und diese auch ständig anspannenden - Tom Hiddleston hier keine Preise erwarten dürfte, geben ihnen das Drehbuch und die Regie doch genug in die Hand. Spielen Larson und ihre Kollegen also vielschichtige Figuren? Nein, absolut nicht. Vielmehr sind die Teilnehmer der Expedition nahezu völlig austauschbar, erfüllen genau eine Aufgabe und bekommen auch genau einen Moment der emotionalen Unterfütterung. Fertig. Brie Larson macht Photos von allem und jedem, John C. Reilly gibt den Erklärbär von Skull Island, Toby Kebbell schreibt einen Brief... und Samuel L. Jackson will dem motherfucking Riesenaffen ans Fell. Das ist es, aber wenigstens sind ihre Figuren dabei nicht so langweiligen wie Aaron Taylor-Johnson und Elizabeth Olsen in Edwards Godzilla präsentiert. Sie sind aber auch nur als Menschen getarnte Abziehbildchen, deren Existenzbedingung darin besteht, im Helikopter zu hocken, abzustürzen, und über die Insel zu spazieren. So für solange, bis wieder jemand aus dem Team in einer Action-Szene verspeist, zerquetscht oder anderweitig getötet wird. So zur puren Unterhaltung der Zuschauer, und musikalisch untermalt von einem guten und antreibendem, aber nach einmaligem Genuss noch wenig einprägsamen Original-Score von Henry Jackman (Kingsman: The Secret Service, Captain Phillips). Daneben gibt es mehrheitlich 70er Jahre-Songs aus gefühlt jedweder 70th Classic-Hits Playlist auf die Ohren. Hierunter Jefferson Airplanes White Rabbit, David Bowies Ziggy Stardust oder Paranoid von Black Sabbath. Nicht unbedingt neu, aber bekanntermaßen wirkungsvoll sorgen die Klassiker für Stimmung und untermalen die Szenen mit Style. So ist Kong: Skull Island unterm Strich nicht mehr und nicht weniger als ein typischer, moderner Blockbuster mit massenhaft Action, markig coolen Sprüchen, auflockerndem Humor und dabei stilisiert bis in das letzte Frame. Grandios aussehendes Hochglanzkino 2017. Und bei Kong, die Action ist hierbei übersichtlich, findet nicht nur bei Dunkelheit statt und verbleibt dort wo was abgeht. Hier wird nicht wie bei Godzilla immer dann weg geswitcht, wenn es gerade interessant zu werden beginnt. Grell, laut, bunt und mit viel Popcorn und Nachos mit Käse- und Jalapeno-Salsa angerichtet, um mit einem eiskalten Getränk nach freier Wahl herunter gekippt zu werden. Das ist vielleicht nicht nachhaltig, aber launig und gut schmeckend allemal.

Fazit:

Der neue Kong bietet starkes Monster-Gekloppe mit flachen Figuren, zumeist sehr ordentlichen Effekten und jeder Menge Spaß. Wer übertriebene Blockbuster-Unterhaltung mit hohem Unterhaltungswert sucht, wird hier wohl fündig werden. Auch wenn dem großen Affen kurz vor dem gewaltigen Finale mal kurz die Puste ausgeht und allgemein etwas mehr Tiefgang drin gewesen wäre.

7 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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