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Kritik:
Krampus


von Christian Mester

Krampus (2015)
Regie: Michael Dougherty
Cast: Adam Scott, Toni Collette, David Koechner

Story:
Spekulatius, Zimtsterne und Clowns aus der Hölle stehen bei Familie Engel auf dem Programm, als sie sich ausgerechnet zu Weihnachten in einen boshaften Streit verwickeln. Es ruft den Krampus herbei, einen krampushaften Gruselwusel, der seine Minions des Bösen schickt…

Kritik:
Weihnachten ist alle zwölf Monate, doch neue Filme von Michael Dougherty kommen bloß alle sieben Jahre – so scheint es. So lange hat es nämlich seit Trick R Treat gedauert, seinem vielgelobten Anthologie-Erstling über mehrere unheimliche Geschehnisse in der Halloween-Nacht. Um gleich den nächsten Feiertag abzuhaken, erzählt er, nun im Langformat, eine Story über die Weihnachtsnacht, bei der streitsüchtige Verwandte auf speichelgeifernde Verwandlungen stoßen.

Damit das zunächst ein klein wenig an den Chevy Chase Klassiker Schöne Bescherung erinnert, lässt er mit Adam Scott (aus Parks and Recreation), David Koechner (aus Scouts vs Zombies),  Alison Tolman (aus der Fargo Serie) und Toni Collette (aus allem Möglichen) zwei gegensätzliche Familien aufeinander stoßen, die sich ganz nach dem typischen Klischee der ach so schrecklichen Pflichtveranstaltung Weihnachtsfest kaum ausstehen können und nur meckernd darauf warten, wieder abziehen zu können. Dieses Mal manifestiert sich der Unfriede allerdings in Form von dämonischen Entitäten, die im Auftrag des Weihnachtsmannmonsters Krampus aus Schneewehen, Kamin und Backofen heraus angreifen.

Zum Teil fällt das auch recht gruselig aus, wenn draußen urplötzlich alle Nachbarn verschwinden und irgendein gehörntes Riesenvieh im Schnee herumstapft, und drinnen Monsterteddys und Clownschlangen für höchst unchristlichen Terror sorgen. Dougherty tischt einige wahrlich höllische Wesen auf, die man ganz sicher nicht zwischen Geschenkpapierfetzen und Strickpullis antreffen will, und für deren mentale Verarbeitung es reichlich Glühwein bedarf.

So gemütlich die Kamingeschichte allerdings inszeniert und gespielt sein mag, verrennt sich der pfeifenschmauchende Michi in tonale Problemchen. Dass ein böser Lebkuchenmann sowohl visuell als auch als ernstzunehmende Bedrohung problematisch störend sein kann, mag ihm noch bewusst gewesen sein. So greift er immer mal wieder in die Comedyschublade und lässt die Absurdität schräger Momente bemerken, lässt die Figuren passend drauf reagieren (ein böser Kuchen, wirklich?), doch genau das distanziert letzten Endes von der anfangs geschaffenen, wirklich schummrig guten Atmosphäre. Krampus kauft sich Gags auf Kosten des eigenen Grusels, der so immer wieder unnötig aufgelockert und entschärft scheint. Für Kinder, und der Auslöser des gesamten Krampusfluches ist in diesem Fall ein Kind, wirkt gerade die Clownschlange zu monströs, doch immer mal wieder hat man das Gefühl, dass auch sie ruhig dabei sein sollen, selbst der Showdown fällt in Kinderhände.

Verpasst wird ebenso, die eigentliche Message des weihnachtlichen Zusammenhalts via der Figuren zu unterstreichen. Es sollte was dran sein, wie die zerrüttete Familie im gemeinsamen Kampf gegen das Böse wieder zusammenwächst und Elemente wie Wärme, Herzlichkeit und Frieden wieder zu schätzen gelernt werden. Scott, Koechner und Co geben zwar durchweg nette Helden ab, doch so wirklich zu erzählen hat Dougherty nichts mehr über sie.

Das gibt trotz zahlreicher exzellenter Momente, der charismatischen Besetzung und der kompetenten Regie unter’m Weihnachtsbaum noch immer einen sehenswerten Horrorfilm ab, doch in Anbetracht einzelner wirkungsvollen Ideen und des ohnehin selten genutzten Themas Weihnachten kommt man nicht drum herum, es eine verpasste Möglichkeit zu nennen. Dreiviertel des Films tragen gar die Handschrift eines möglichen Klassikers, doch das übrige Viertel schmeckt nach liegen gebliebenen Kokosmakronen. Ist man besonders kniepig, mag man womöglich noch kritisieren, dass der besagte Krampus in seinem eigenen Film selbst fast nicht zu sehen ist, daher fast nicht titelgebend sein sollte.

Fazit:
Stephen Kings Der Nebel trifft Tobe Hoopers Poltergeist. Mit Krampus meldet er sich mit einem neuen Feiertagshorrorstreifen zurück, der viele gute Ideen mitbringt, schick ausschaut, dem einen oder anderen aber womöglich zu unnötig gewollt witzig sein könnte.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

 

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