BG Kritik:

Kubo - Der tapfere Samurai


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Kubo and the Two Strings (US 2016)
Regisseur: Travis Knight
Stimmen: Art Parkinson, Charlize Theron, Matthew McConaughey, Ralph Fiennes

Story: Im feudalen Japan lebt der junge Kubo mit seiner lethargischen Mutter in einer Höhle, unweit eines kleinen Küstendorfes, wo er als Geschichtenerzähler tagsüber die Bewohner mit sagenhaften Erzählungen voller heldenmutiger Samurais unterhält. Immer dazu angehalten, noch vor Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein, kommt es eines Abends doch anders, wodurch ein alter Feind auf den Jungen aufmerksam wird. Ein Abenteuer voller Phantasie und Magie nimmt seinen Lauf.

Pixar und Disney kennt wohl jedes Kind. Geht es um Animationsfilme und die dahinter stehenden Macher, könnte es an dieser Stelle aber zumeist auch schon aufhören, und weit weniger Zuschauern (egal welchen Alters) dürften die Studios hinter Ice Age, Madagascar oder einfach unverbesserlichen Minions aus dem Stehgreif nennen können. Ähnlich wie jenen Blue Sky Studios, DreamWorks Animation und Illumination Entertainment - nur noch eine Spur weniger namentlich bekannt - geht es wohl auch Laika Entertainment, von wo sich u.a. bereits Tim Burton’s Corpse Bride, ParaNorman und natürlich Coraline ihren Weg in die Kinos und in diverse Herzen der Zuschauer bahnten. Nun macht sich Kubo – Der tapfere Samurai auf, es ihnen gleich zu tun. Und abermals ist es ein wunderschön anzusehender Film geworden, entstanden mit der Laika typischen, anspruchsvollen Stop-Motion Technik.

Vom Studio von Coraline und ParaNorman


Nicht basierend auf einem alten japanischen Volksmärchen oder ähnlichem, handelt es sich bei Kubo – Der tapfere Samurai anders als man vielleicht und auch leicht vermuten könnte, um eine durch und durch originale, und phasenweise auch sehr originelle Geschichte. Nach einem Drehbuch von ParaNorman-Autor Chris Butler und Marc Haimes erschafft das Team um Regiedebütant Travis Knight (war vorher u.a. Hauptanimator bei Coraline) hier eine Welt, welche sowohl fremdartig und magisch, als auch greifbar und menschlich erscheint. Wenn Kubo z.B. relativ zu Beginn des Abenteuers auf dem Marktplatz des Dorfes, allein durch die Klänge seiner Shamisen (ein traditionelles, dreisaitiges, Lauteninstrument) auf magische Weise Origami-Papier faltet und die kunstvoll gefalteten Figuren die von Kubo vorgetragene Geschichte nachspielen, dann wirkt dies zwar zweifelsohne magisch, verblüffend und zum Staunen anregend, aber nicht sonderlich sonderbar oder merkwürdig.

Es wirkt hier erstaunlich organisch, und wie in der Origami-Faltkunst, aus einem Stück gefaltet. Natürlich ohne Zuhilfenahme eine Schere oder gar Kleber. Und das ist nur der Anfang, denn sobald Kubo sich durch seinen bis nach Einbruch der Dunkelheit andauernden Besuch im Dorf versehentlich dem alten Feind, bekannt als Mondkönig (gesprochen von Ralph Fiennes) offenbart hat, wird es noch viel magischer, zauberhafter und vor allem gefährlicher. Als Kleinkind raubte jener Mondkönig dem kleinen Kubo bereits ein Auge, und nun da er um Kubos Aufenthaltsort weiß, schickt ihm der König zwei finstere Schwestern (im Doppel gesprochen von Rooney Mara) hinterher, um auch noch das zweite Guckerchen zu beschaffen. Glücklicherweise findet Kubo schnell Unterstützung in einem (nahezu) immer grantigen, sprechenden Pavian (Charlize Theron), einem vergesslichen, tollpatschigen und ebenfalls sprechenden Samurai-Käfer (Matthew McConaughey), sowie der den Weg weisenden, stummen Origami-Figur Little Hanzo. Zusammen gilt es für Team-Kubo die magische Rüstung von dessen verstorbenem Vater zu finden. Denn nur mit Helm, Harnisch und dem Schwert Unzerbrechlich kann Kubo dem Mondkönig etwas entgegen setzen, bevor dieser auch Kubos zweites Auge stehlen kann.

Gehört zu den bestbewertesten animierten Filmen des Jahres


Eine runter gebrochen relativ klassische Gut gegen Böse-Geschichte in der ein Heranwachsender sich mit Gleichgesinnten zusammen schließt, wappnen, einem Übel stellen und obsiegen muss. Aber damit täte man dem Abenteuer von Kubo dem tapferen Samurai und seinen Kameraden Unrecht. Denn auch wenn einige Eckpunkte der Handlung (auch jenseits der geschilderten) offenkundig nicht ohne Vorbild waren, und erinnern, so heißt es doch einem dem Philosophen Konfuzius (ja, der war Chinese und nicht Japaner, passt aber trotzdem) zugeordnetem Zitat: „Der Weg ist das Ziel.“ Einer simplifizierten aber gängigen Interpretation dieses berühmten Zitates nach, sind es also die Zwischenschritte und Details die eine Reise ausmachen. So auch hier, und so gefühl- und phantasievoll bebildert und humorvoll wie Kubos Reise geraten ist, tun die wenigen geliehenen Eckpunkte hier kaum einen Abbruch. Dafür ist Kubo – Der tapfere Samurai an anderer Stelle und zumeist einfach zu mutig, melancholisch, märchen- und meisterhaft und einfach zu schön und dabei für fast die ganze Familie gemacht.

Aber eben auch nur fast, denn ein paar Szenen dürften wie schon bei Coraline für die ganz Kleinen wohl etwas zu gruselig geraten sein. Letzteres bleibt aber die Ausnahme. Für das Gros der Zuschauer dürfte der Mix aus Düsternis, Humor und Spannung aber stimmen, und so lässt das Abenteuer mit dem tapferen Samurai in eine andere Kultur, Zeit und Welt eintauchen, untermalt von stimmungsvollen und passenden (natürlich hört man u.a. auch eine Shamisen) Klängen. Nach den enttäuschend mittelmäßigen (aber keinesfalls wirklich schlechten) ParaNorman und Die Boxtrolls finden die Stop-Motion Künstler von Laika wieder zur vollen Stärke ihres Coraline zurück, und ihr schöner und kreativer Abspann lässt hieraus entlassend erahnen, welche Arbeit und Zeit die Verantwortlichen in die gut 100 Minuten des Abenteuers von Kubo gesteckt haben.

Fazit:

Kubo – Der tapfere Samurai ist eine sagenhaft schöne, kreative und mal witzige und mal düstere Heldengeschichte über einen einäugigen jungen Helden und seine mutigen Begleiter Monkey, Beetle und Hanzo. Voller Detailliebe steckend, bezaubernd und visuell berauschendes Kino in exzellentem 3D.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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