BG Kritik:

Labor Day


von Christian Westhus

Labor Day (USA 2014)
Regisseur: Jason Reitman
Cast: Kate Winslet, Josh Brolin, Gattlin Griffith

Story:
Adele (Winslet) zieht nach der Trennung von ihrem Mann den gemeinsamen Sohn Henry überwiegend alleine groß. Doch Adele leidet an Einsamkeit und Depressionen. Eines Tages tritt Frank (Brolin) in das Leben der zurückgezogen lebenden Hausfrau und gibt ihr Hoffnung auf einen Neuanfang im Leben. Das Problem: Frank ist ein entflohener Sträfling, gesucht wegen Mordes.

Regisseur Jason Reitman hatte in seinen ersten Filmen schnell einen eigenen Stil und Ton etabliert, der ihn nicht nur als interessanten Filmemacher vorstellte, sondern auch von seinem berühmten Vater, Comedyregisseur Ivan Reitman, abgrenzte. Nun wagt der Regisseur von „Juno“ und „Up in the Air“ etwas Neues. Basierend auf dem Roman von Joyce Maynard inszeniert Reitman in „Labor Day“ ein Krimi-Liebesdrama. So könnte man jedenfalls denken.

Der Roman von Joyce Maynard erschien 2009


Tatsächlich ist „Labor Day“ so etwas wie melodramatisch überkochte Hausfrauen-Fantasy. Das muss noch nicht zwangsläufig schlecht sein. Douglas Sirk inszenierte in den 1950er Jahren gleich mehrere Meisterwerke nach diesem Muster. Jason Reitman allerdings fehlt die Entschlossenheit, sich wirklich komplett dem grell überstilisierten Weichzeichner-Kitsch hinzugeben. Sein Film ist schön inszeniert, mit ansprechender Lichtsetzung und einer Ausstattung, die trotz 80er Jahre Setting auch irgendwie in die 50er passen könnte. Aber inhaltlich funktioniert es nicht. „Labor Day“ ist übermäßig kitschig und absurd, bis an die Grenze der unfreiwilligen Komik. Niemals fühlt es sich authentisch an. Reitman geht nur 80% in Richtung Frontalkitsch, statt sich zu drosseln oder den 100% voll hinzugeben. Regelmäßig möchte man sich ungläubig an den Kopf fassen und wundern, ob oder vielmehr warum Jason Reitman diesen Käse denn so ernst meint.

Im Zentrum dieses häufig wirklich haarsträubenden Irrsinns steht der von Josh Brolin verkörperte Frank. Mit wenigen Worten und subtiler Bedrohlichkeit bringt er Adele dazu, ihn mit nach Hause zu nehmen. Nachdem der erste Schock vorbei ist, macht sich der gesuchte und verletzte Sträfling im Haushalt nützlich. Er ist ein wahrer Traummann; handwerklich begabt, räumt im Garten auf, erledigt kleinere Reparaturen, kann sogar putzen und kochen. In der absurd-symbolischen Kernszene backen Frank, Adele und Henry einen Pfirsichkuchen und machen eine Art Erweckungserlebnis als Patchworkfamilie wider Willen durch. In einem anderen Film wäre so ein Moment fast witzig.

Comic Alarm: Clark Gregg, JK Simmons und Tobey Maguire haben kleinere Rollen im Film.


Überwiegend auf das verlängerte „Labor Day“ Wochenende reduziert, steht die frische Verbindung zwischen Frank und Adele dem adoleszenten Erwachen von Henry gegenüber, der seiner psychisch labilen Mutter schon lange mehr als nur ein Sohn ist, der aber auch in der neuen Familie seines Vaters Eindrücke sammelt. Und damit es noch einen dramatischen Impuls für unseren rückblickenden Erzähler Henry gibt, quält sich die Handlung eine zusätzliche Figur hervor. Ein frühreifes Mädchen in Henrys Alter, das immer dann auftaucht und plump entscheidende Dinge von sich gibt, wenn das Drehbuch gerade wieder in einer hübsch eingefangenen Kitsch-Leere feststeckt. Fragmentarische Flashbacks in die Vergangenheit von Frank, die peu à peu andeuten, was er getan hat, um im Knast zu landen, sind elegant und überwiegend wortlos eingefangen, aber letztendlich auch meist brotlose Kunst.

Henry-Darsteller Gattlin Griffith macht seine Sache eigentlich gut. Er hat ein passendes Gesicht für eine Rolle, die zumeist von ihm verlangt zwischen Angst, Skepsis und vorsichtig aufkommender Hoffnung zu pendeln. Auch Brolin kann überwiegend überzeugen, lässt geschickt Wärme und Verletzlichkeit unter seiner bulligen Körperlichkeit hervortreten, während es für Winslet erneut eine Rolle ist, die sie hin und wieder zu emphatisch überspielt. Ähnlich wie in „Zeiten des Aufruhrs“, „Der Vorleser“ und der TV-Miniserie „Mildred Pierce“ fasst Winslet hier Reitmans Ansatz als Aufruf zum hohen Drama auf, statt sich vollends dem Melodrama hinzugeben. Wenn es am Ende fast ein bisschen spannend wird, dann nur, weil sämtliche Figuren kurz mal das Denken einstellen.

Fazit:

Für Regisseur Jason Reitman eine willkommene Abwechslung, aber trotz guter Darsteller gelingt es ihm nicht, aus dem Stoff mehr zu machen, als unfreiwillig komischer und äußerst kitschiger Edeltrash.

4 / 10
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