BG Kritik:

The Legend of Hercules


von Christian Westhus

The Legend of Hercules (USA 2014)
Regisseur: Renny Harlin
Cast: Kellan Lutz, Scott Atkins, Gaia Weiss, Liam Garrigan

Story:
Von seinem menschlichen Vater hintergangen, muss sich Halbgott Herkules als Gladiator verdingen. Doch der mächtige Heros plant bereits Rache und Rückkehr, um sein Königreich zu befreien und seine Geliebte zurückzuerobern.

Die Mythen und Sagen der alten Griechen sind seit ein paar Jahren wieder regelmäßiger zu Gast in den Lichtspielhäusern der Welt. Moderne Tricktechnik und das nicht enden wollende Interesse an bunt kostümierten Helden mit übernatürlichen Fähigkeiten rücken auch antike Heldensagen und Abenteuer wieder in den Fokus der Zuschauer. Zu Hercules (oder Herakles, aber so kleinlich wollen wir mal nicht sein) entstanden aktuell gleich mehrere Filme. Aber wie so oft, wenn mehrere Parteien im Steinbruch nach Schätzen suchen, ist nicht alles, das glänzt, Gold.

Auf sie mit Gebrüll: Der Halbgott beim Frühsport.


In der reichlich angeschlagenen Karriere von Regisseur Renny Harlin, der in den 80ern mit „Cliffhanger“ und „Stirb Langsam 2“ tatsächlich mal zu den erfolgreichsten Genreregisseuren seiner Zeit gehörte, reiht sich „The Legend of Hercules“ eher zu Gurken wie „Driven“, „Der Pakt – The Covenant“ und „Exorzist: The Beginning“ ein. Es ist ein von vorne bis hinten minderwertiger Film, der trotz anständigem Budget (angeblich rund 70 Millionen Dollar) nur selten überhaupt TV-Niveau erreicht. Und das sagt noch nichts über die inhaltlichen Qualitäten dieses lieblosen Machwerks aus.

Die Drehbuchautoren haben bei der Fünf-Minuten-Recherche auf Wikipedia immerhin reizvolle Ansätze entdeckt und packen „The Legend of Hercules“ voll mit Mini-Konflikten zwischen Männern. Der tyrannische König Amphitryon sieht Sohn Hercules als Kuckuckskind, das ihm von Göttervater Zeus untergeschoben wurde. Der will damit Amphitryons Herrschaft beenden. Unterdessen verspürt Iphicles, Amphitryons leiblicher Sohn, eine schwammig begründete Rivalität zu seinem Bruder Hercules. Und wenn man lange sucht, haben Hercules und sein göttlicher Vater Zeus auch noch Gesprächsbedarf. Annehmbare Ansätze, die aber sagenhaft schlecht erzählt und legendär inkonsequent motiviert sind. Man lässt Hercules verwirrenderweise viele Jahre mit einem anderen Namen durch die Gegend laufen, sieht Amphitryon nur zickig die Muskeln spielen und bekommt exakt gar nichts mit auf den Weg, was den Bruderkonflikt vernünftig einleiten würde.

Hercules und Kumpan: These abs don't lie!


Um diese kläglichen Reste mythologischer Ränkespiele vollends zur Soap verkommen zu lassen, streiten Hercules und Iphicles um eine Frau, die Amphitryon, der dreiste Kerl, direkt seinem leiblichen Sohn zuspricht. Diese Frau, Hebe (eigentlich auch eine Zeus-Tochter, was hier aber nicht erwähnt wird), hat aber selbst nur Augen für Hercules, obwohl dieser mit dem ausdruckslos-dumpfen Gesicht von Kellan Lutz herumläuft, der zwar stattliche Brustmuskeln präsentieren kann, aber darstellerisch nun wahrlich keine Leuchte ist. So wird diese unglaubwürdige Alibi-Liebe mit unwürdigen Dialogen zugeworfen und Darstellerin Gaia (!) Weiss muss an Emotionen und Ausdruck das kompensieren, was ihr Gegenüber nicht aufbringen kann. Hercules wird verbannt, hintergangen, wird Gladiator und schwört Menschenvater und Bruder Rache. Denn warum die faszinierenden und spannenden Details des Hercules-Mythos nutzen, wenn man stattdessen dutzendfach gesehene Gladiatorenkämpfe und banales Antiken-Geknüppel in miserabler Umsetzung zeigen kann. Die berühmten 12 Arbeiten des Hercules? Nix. Nada. Aber der nemeische Löwe taucht einfach mal unangekündigt als Miniatur-Miezekatze auf und erlebt schwach getrickst sein ihm angedachtes Schicksal.

Es ist wirklich unglaublich, wie billig und lieblos „The Legend of Hercules“ häufig aussieht. Digital erweiterte Kulissen, farbgefilterte Nachtszenen und komplett computergenerierte Hintergründe lassen an „300“ erinnern, sind hier aber nur Ausdruck für schlechte Tricktechnik und schwache Inszenierungen. Denn was bei „300“ noch durchgängig zum stilistischen Konzept gehörte, steht hier real gedrehten Waldszenen und ein paar halbwegs anständigen Innenräumen gegenüber. Überhaupt war „300“ wohl das große Vorbild, denn Harlin versucht sich an den Zeitlupen- und Beschleunigungsspielereien von Zack Snyder, nur ohne Gefühl für Wirkung. Die zahlreichen, aber selten wirklich mitreißenden Actionszenen werden von den Tempo-Effekten noch vermehrt um ihre ohnehin schon minderwertige Wirkung gebracht. Wenn Hercules mal seine Kraft als Halbgott ausspielt oder wenn Zeus ihn mit einer Blitzpeitsche ausstattet, könnte man sich theoretisch einen Ast freuen, dass man mythologische Fantasy so kindisch-unterhaltsam anpackt, bis man erkennt, dass der Film zu ernst, zu trocken, zu spießig ist, um diese kurzen Momente zu rechtfertigen. Wer jedoch nicht gleich in schallendes Spottgelächter verfällt, wenn eine vertraute Person den totgeglaubten Hercules albern planschend in einem See entdeckt, könnte diesem Witz von einem Mythenactionfilm vielleicht noch etwas abgewinnen. Und Scott Adkins, der neben Lutz fast wie ein richtiger Schauspieler wirkt, trägt einen famosen Bart. Das ist auch was Feines.

Fazit:

Einfallslose, langweilige und komplett austauschbare Mythenaction. Für ein antikes Drama fehlt es Script, Regie und Darstellern an Talent, für zünftige Unterhaltung ebenfalls. Nicht mal als „so schlecht, dass es wieder gut ist“ Film wirklich lohnenswert.

2 / 10
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