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KRITIK:
DER LETZTE EXORZISMUS
von
Christian Mester
THE LAST EXORCISM (2010)
Regie: Daniel Stamm
Cast: Patrick Fabian, Ashley Bell
Story:
Cotton Marcus (Patrick Fabian) ist ein überhaus
charismatischer Prediger, der sein Leben damit
verbringt, Messen zu halten und Menschen Phrasen
dreschend von Dämonen zu befreien. Eine Berufung,
für die er zutiefst geliebt und himmlisch bezahlt
wird, allerdings weiß niemand, dass er in Wahrheit
schummelt. Der Sohn eines Priesters glaubt selbst
nicht an Gott und hält auch Teufelsaustreibung für
Unsinn.
Aus schlechtem Gewissen, jahrelang gut davon gelebt
zu haben, bietet er sich eines Tages einer
Filmemacherin an, eine kontroverse Dokumentation
über seine Arbeit zu machen. Anhand eines
vermeintlichen Exorzismus will er offen legen, dass
derartige Hilfe falsch ist und es so etwas wie
Dämonen nicht gibt. Aus der vermeintlichen
Veranschaulichung wird jedoch böser Ernst, denn ein
scheinbar harmloses Farmermädchen (Ashley Bell)
entpuppt sich als echte Gefahr
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Ashley Bell schaffte all ihre Verrenkungen
ohne Special FX |
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Kritik:
Denkt man heutzutage an Exorzismus, stellt man sich
einen ergrauten alten Priester vor, der Weihwasser
spritzend, Bibel und Kreuz fuchtelnd vor einem Bett
steht und eindringlich befiehlt, das Böse solle sein
Opfer verlassen. Das Opfer selbst sieht meist
bettlägerig und seekrank aus, schwebt in der Luft,
verrenkt sich auf unmögliche Weise und flucht in
verschiedenen Stimmlagen (bevorzugt tief grollend),
an guten Tagen wird auch noch grüner Schleim
hochgewürgt. Ein Klischee, das man ausnahmslos den
fünf Teilen von
"Der Exorzist" zu verdanken hat, jener wohl
berühmtesten Filmreihe des umstrittenen Themas. Wer
den 37 Jahre alten Klassiker vielleicht nicht kennt,
kennt zumindest "Scary Movie 2", in dem er gnadenlos
verwurstet wurde.
Besagten Themas hat sich nun der deutsche Daniel
Stamm angenommen, ein junger Neuling, der sich mit
einer Fake-Dokumentation über Selbstmörder einen
Namen auf Festivals machen konnte. Das gleiche
Prinzip hat er für seine Exorzismusgeschichte
beibehalten, denn wie schon "A Necessary Death" ist
auch Stamms zweiter Film "Der letzte Exorzismus"
eine gefälschte Dokumentation. Mit "The Blair Witch
Project", "Cloverfield" und
"Paranormal Activity" klappte das schon dreimal,
also wieso nicht mal einen Exorzismus echt aussehen
lassen?
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Der Exorzismusstreifen stammt
von einem Deutschen |
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Eines muss man der gefälschten Kamerasicht in Filmen
wie diesem lassen: auch wenn es immer verdächtig
kinoreif aussieht und vortrefflich geschnitten ist,
ist das Prinzip immer effektiv. Egal ob es
"[Rec]", "Cloverfield" oder die gute alte
Hexenjagd in den Berkittsville Wäldern war, es wird
immer spannend, Menschen des Nachts mit der Kamera
zu verfolgen, die von irgendetwas bedroht werden.
Das ist auch einer der gelungensten Aspekte von
Stamms Horrordebüt, da es in der Tat immer wieder
schaurig wird, die Farm des Mädchens auf gefühlt
eigene Faust zu erkunden. Schade ist, dass die
Handlung da nicht nachhilft. Zwar gibt es immer
wieder Szenen, die mögliche Schocks einleiten und
fürchterlich fiese Überraschungen erwarten lassen,
doch seltsamerweise lässt man immer wieder ab. Jedes
Mal, wenn es richtig gruselig – und damit für einen
Horrorfilm richtig intensiv werden könnte, stoppt
man. Damit verliert der Film auch recht schnell
seinen Horrorcharakter, da es ohne Horror mehr oder
weniger zum religiösen Drama wird.
Als Drama ist "Der
letzte Exorzismus" allerdings gar nicht mal
schlecht, da vor allem der Hauptdarsteller selbst
überzeugt. Patrick Fabian, bis dato hauptsächlich
übersehener Nebendarsteller in zahlreichen
Fernsehserien gewesen, überragt als facettenreicher
Pfarrer, der gleichermaßen eigennütziger Scharlatan,
wie auch besorgter Mann mit gebrochener Seele ist.
Es macht Spaß, ihn bei der Inszenierung der
angeblichen Befreiung zuzusehen, andererseits geht
er manches Mal zu weit. Auch seine Gegnerin, die
zunächst harmlos anmutende Ashley Bell, offenbart
sich als vielschichtig und unberechenbar, sodass ihr
hauptsächlich geistiges Duell durchaus interessant
ausfällt.
Ebenso gelungen ist die Entfaltung der Handlung
selbst, da sich das Geschehen spannend entwickelt
und man mit immer neuen Indizien versorgt wird, die
immer wieder andere Hintergründe vermuten lassen. Es
wird sehr clever mit der Frage gespielt, ob das
ganze tatsächlich übernatürliche Erklärungen hat
oder doch nur ein tragischer Fall düsterer
Familientragödie ist. Nachdem erst der Priester als
genialer Betrüger vorgestellt wird, darf man sich
selbst bald fragen, ob nicht auch die Familie auf
ähnliche Tricks zurückgreift. Man darf raten, ob und
wer letzten Endes der Betrogene ist. Erst die
allerletzten Minuten zeigen, was wirklich hinter dem
Farmersmädchen steckt, doch das allzu abrupte Ende
enttäuscht.
Das Finale, das an dieser Stelle natürlich nicht
verraten wird, will als Twist funktionieren, als
unerwartete, geniale Wendung, die die bis dato eher
ruhige Handlung mit dem Dampfhammer abschließt. Das
funktioniert allerdings nicht so wirklich, da das
Gezeigte zu plötzlich aufkommt und nicht zum Ton des
sorgfältig, wen auch teilweise zu harmlos
inszenierten Rest passt. Abgesehen davon, dass es
schwer grübeln lässt, wer diese Doku letzten Endes
überhaupt zusammen geschnitten hat, lässt es nur
müde lächeln. Es kommt also in erster Linie auf die
Erwartung an, da der als harter Horrorthriller
beworbene Film bevorzugt auf Charaktere und die
Schwierigkeiten religiöser Motive setzt. Ein
dezenter, fast versteckter Score unterstreicht die
ungemütliche Atmosphäre.
Fazit:
"Der
letzte Exorzismus" ist längst kein Sakrileg, aber
auch leider weit davon entfernt, als wirklich
gelungenes Sakrament in Erinnerung zu bleiben.
Echter Grusel bleibt aus, wer damit leben kann,
bekommt ein gut gespieltes Religionsdrama mit
einigen spannenden Momenten, doch der erhoffte große
Horrortitel ist es nicht.
5,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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