Kritik:
Lockout
von Christian Mester
LOCKOUT (2012)
Regie: James Mather, Stephen St.
Leger
Cast: Guy Pearce, Maggie Grace
Story:
In der Zukunft hat man ausbüchsene
Gefangene satt und schafft ein
Weltraumgefängnis, in das
der Abschaum der Welt
ohne Chance auf Flucht weggesperrt
werden kann. Nun wäre Lockout kein Actionfilm wenn
nicht alles schief gehen würde, und
so kommt es dazu, dass
die Häftlinge trotz aller Maßnahmen
freikommen. Was die Regierung davon
abhält, das fehlgeschlagene
Experiment restlos aus dem Orbit zu
sprengen, oder auch einfach dort
treiben zu lassen - sie können
schließlich nirgends hin:
eine obligatorische Geisel.
Natürlich die Tochter (Maggie Grace)
des US Präsidenten, die rein
zufällig während des Ausbruchs an
Bord war. Also ist man zu Plan B gezwungen, der vorsieht,
dass der ehemalige Cop Snow (Guy
Pearce), ein Sprüche klopfender
fuck-auf-alles Typ, alleine reingeht
und sie zu holen versucht...
Kritik:
In Europa ist er der
Mann für Action: Luc Besson. Der
Franzose, der gelegentlich selbst
Filme dreht (darunter Leon - Der
Profi und Das 5. Element),
produziert star-besetzte
Actionfilme, die es in der Regel mit
US-Produktionen aufnehmen können. Er
brachte Kiss of the Dragon, From
Paris with Love, Taxi 1-4, Unleashed,
The Transporter 1-3, Hitman, Ghetto
Gangz 1-2 und zuletzt 96 Hours auf
den Markt, die zwar qualitativ alle
schwanken, sich aber in der Regel
sehen lassen können. Nach
ausschließlich modernen Geschichten
wagt er sich mit Lockout jetzt an
seinen ersten Sci-Fi Actionfilm.
Lockout geht dabei auf Nummer sicher
und erreicht keine neuen Horizonte - es
ist nicht zu übersehen, dass der
Film ein Remake
von John Carpenters Sci-Fi Klassiker
Escape from New York / Die Klapperschlange ist. Eins, das
an seine Vorlage leider nicht herankommt.
Da wäre die Grundidee: ein Gefängnis
im Weltall mag zwar extremer sein
als Manhattan zu Umzäunen (und
greift Gerüchte auf, wo ein dritter
Klapperschlange gespielt hätte),
lässt jedoch direkt grübeln,
inwiefern das Konzept, Gefangene
jedes Mal extra ins All zu fliegen
jemals rentabel sein könnte. Zwar
wird am Rande grob erklärt, dass ein
Pharmaunternehmen Experimente
durchführt, als öffentliche
Einrichtung lässt sich das jedoch
schwerlich argumentieren. Dann hat
er, wie leider so oft in Sci-Fi
Filmen allgemein, eine langweilige
Umgebung. Kurt Russells Snake Plissken auf dem World Trade Center
landen zu sehen und ihn durch ein
brennendes, herunter gekommenes New
York City zu begleiten hatte etwas,
doch die Weltraumstation MS One
sieht genau so aus, wie man es aus
dutzenden anderen Space-Filmen oder
-Shootern
kennt: lange sterile Gänge,
Lüftungsschächte, Rettungskapseln
und vereinzelt Räume mit vielen
blinkenden Panels. Waffen und Anzüge
sehen 0815 aus, Hologramme, Roboter
oder faszinierende Gadgets gibt es
nicht. Atmosphäre kommt
dabei keine auf, doch in die
Richtung wollen die beiden
Regisseure auch
gar nicht. Lockout ist von Anfang
bis Ende flott inszeniert und soll
nur eins - Spaß machen.
Dass das zeitweise funktioniert,
ist dem Trio Pearce, Grace und Peter Stormare
zu verdanken. Der Australier Guy
Pearce gibt einen amüsanten Badass
ab, der es zwar mitunter mit seiner
Gelassenheit übertreibt - wirklich
jeder einzelne Spruch ist ein
Oneliner, manchmal lustig, öfters zu
gewollt - doch es ist durchaus
unterhaltsam, ihn bei
seinem Auftrag zu begleiten. Maggie
Grace, die in Bessons produziertem
96 Hours als Liam Neesons Tochter
bloß kreischen durfte, ist hier mehr
als langweilige Geisel, wird nicht
auf ihre Aussehen reduziert und gibt
Pearce gutes Kontra. Peter Stormare
hingegen gibt mehr oder weniger den
Bösewicht, einen Geheimagenten, der
Snow beauftragt und ihm
zwischendurch immer wieder zusetzt
(es ist die Lee van Cleef/Stacy
Keach Rolle aus den Plisskens). Eine
Rolle, die Stormare schon oft hatte
und im Schlaf vortrefflich spielen kann.
Was das Lockout Abenteuer leider erheblich
im Spaß einschränkt, sind die zu
bewältigenden Hindernisse. So dürfte
den meisten Actionfans bei der
Ankündigung 500 Mörder gegen einen
Elitekämpfer das Wasser im Mund
zusammenlaufen, doch Killer zu sehen
gibt es im Film gefühlte... 10. Snow
trifft sie dabei auch nur selten, klettert
lieber durch Luftschächte und legt
Bomben. Wirkliche
Auseinandersetzungen gibt es keine,
und wenn, wirken sie oft
geschnitten: fast alles wird nur im
Off gezeigt.
Eingeleitet wird der Film von einer
einzigen schicken Kampfszene in einem
Badezimmer, die von der wohl
schlechtesten Actionszene des
Kinojahres gefolgt wird. Snow rast
darin mit einem an Extreme-G erinnerndes
Motorrad vor einem Hubschrauber
davon, und es sieht grafisch nach
Playstation-1-Optik aus. Vergleiche,
die sofort in Erinnerung kommen: die
Motorradjagd in Ultra Violet oder
der Showdown aus Torque - Hart am
Limit. Hart daneben, Snow wirkt
unterfordert, der Film als
Actionfilm wenig potent.
Die Gegner sind nicht der Rede wert.
Angeführt werden sie von einem
bärtigen Mann mit Narbe (Vincent
Regan), der sich als Chef gibt, aber
keine Persönlichkeit hat. Wesentlich
interessanter: sein völlig irrer
Bruder (Joseph Gilgun), der von der
Art her ideal zum Joker/Harley Quinn
Duo aus den Arkham Spielen passen
würde. Hier jedoch verloren ist, da
er nicht viel macht und auch nie auf
Snow trifft. Die Station selbst ist
auch kein interessanter Parcours:
abgesehen von einem größeren
Ventilatorenschacht ist die Security
in MS One nicht allzu Maximum, somit
insgesamt ein Spaziergang im Park
für Snow, der vollends unterfordert
ist und in einen deutlich besseren
Film gehört. Regietechnisch ist
Lockout ganz solide gemacht, wenn
auch nichts Besonderes. Der Score
ist Action-Einerlei ohne eigenes
Theme - und erinnert letzten Endes
vor allem an der Stelle daran,
wieviel besser Die Klapperschlange
war.
Fazit:
Es scheint, als habe Luc Besson
versucht, einen inoffiziellen
dritten Snake Plissken zu drehen.
Das wäre kein Problem gewesen, hätte
sein Team eine Kopie dessen ersten
Teils Die Klapperschlange
abgeliefert, doch mit seinen
miserablen Effekten, der mauen
Hürden und insgesamt wenig
interessanten Figuren hat man hier
eher einen neuen Teil 2: Flucht aus
LA geschaffen. Und so wie Kurt
Russells Plissken einen besseren
Film als seinen zweiten verdient
hatte, verdient auch Snow einen
besseren als - in diesem Fall wohl,
seinen ersten und einzigen. Darf man
schade nennen.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Deine Meinung
zum Film?
|