BG Kritik:

London Has Fallen


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen.

London Has Fallen (US 2016)
Regisseur: Baba Najafi
Cast: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman

Story: Anlässlich des mysteriösen Todes des Premierministers von England, werden alle Staatsoberhäupter der westlichen Welt zur Trauerfeier nach London geladen. Selbstverständlich auch US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart), der seinen Sicherheitschef Mike Banning (Gerard Butler) mit im Gepäck hat. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können mehrere terroristische Anschläge am Tage der Trauerfeier im Zentrum von London nicht verhindert werden. Nahezu alle führenden Männer und Frauen der großen Nationen und mehrere hundert Zivilisten zahlen mit ihrem Leben dafür. Präsident Asher und Banning überleben, sind aber fortan Gejagte auf und unter den Straßen Londons.

‚How can the same shit happen to the same guy twice?‘. Gerard Butler als Mike Banning erneut im Kampf gegen Terroristen um die westliche Hemisphäre zu retten.

Das Sequel zu Olympus Has Fallen


Als 2013 Olympus Has Fallen (Regie: Antoine Fuqua) in die Kinos kam, stand unterhaltsame, harte Action auf der haben Seite, was den augenscheinlich etwas dürftigen CGI-Effekten und dem üblichen Patriotismusvorwurf entgegen gestellt wurde. Daran ändert sich leider auch im zweiten Teil nicht viel. Barak Najafi, ein iranisch-schwedischer Regisseur, übernahm den Regiestuhl und punktet, aber scheitert auch ähnlich, wie Fuqua an bestimmten Punkten. Sie folgen dabei aber einem ähnlichen Bauplan der Banning – und diesmal auch Präsident Asher – von Raum zu Raum oder Level zu Level bewegt, was das Ganze mit einer gewissen Videospieldramaturgie überzieht.

In Zeiten des Islamischen Staates und wo Terroranschläge nicht nur mehr Saat willkürlicher Actionfantasien sind, wird auch deren Reflektion in Actionfilmen auf den Prüfstand gelegt. Das vierköpfige Autorenteam, um die Autoren des ersten Teils, Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt, entzieht sich einer solchen Untersuchung indem sie dem Bösen das Gesicht eines Waffenhändlers geben, der aufgrund eines persönlichen Rachefeldzuges gegen den Westen unterwegs ist. Das Böse bekommt ein klares Gesicht, welches das Ziel hat Angst zu schüren und die westliche Welt wie wir sie kennen zu zerstören, doch gleichzeitig bewegt sich der Film auf dünnem Eis, wenn er versucht die Taten des Westen – Einsatz von Drohnen – in der Vergangenheit zu rechtfertigen. Aber da man sich noch immer in einem Actionfilm befindet, wird sich diesbezüglich nicht an einen Tisch gesetzt, sondern der Gegner in aller Konsequenz eliminiert. So endet der Film auch mit der kompletten Eliminierung des Bösen. Das Werk nimmt also auch abseits seiner Zerstörungsorgien Wege fern der Realität.

Bei Erfolg sollen weitere Teile folgen


Die Fortsetzung stellt nun ähnlich wie dem Pendant des Originals im gleichen Jahr, White House Down (USA 2013, R: Roland Emmerich), dem Helden seinen eigenen Präsidenten zur Seite. Zusammen befinden sie sich alleine auf der Flucht vor den Terroristen, die in Imitationen von englischen Polizisten oder Soldaten hinter jeder Ecke der leeren Straßen von London lauern könnten. So ist dann auch nicht mehr viel von der Stadt London und seinen Sehenswürdigkeiten zu sehen. Die beliebtesten Sightseeing-Orte werden samt den europäischen Regierungsführern im ersten Akt des Films zerstört. Diese Anschläge sehen leider aufgrund der dürftigen CGI-Effekte weder gut aus, noch ist die ganze Sequenz sonderlich spannend in Szene gesetzt. Wenn es danach zu einer Art Buddy-Action-Movie wird, findet der Film nicht nur nicht mehr den richtigen Ton für sein Thema, sondern kehrt sich auch völlig von seinem anfänglichen Konzept ab. Die menschenleeren Straßen bei Nacht lassen nur noch erahnen, dass man sich überhaupt noch in London befindet. Ein bekannter Aufsatz von Drehli Robnik und Isabella Reicher, „Das Action-Kammerspiel. Hollywood-Filme nach dem Die-Hard-Bauplan.“, erkannte schon in den 90er Jahren die Tendenz, dass im Actionfilm die Action die Bewegungen der Figuren leitet und sie wie in einem Videospiel von Raum zu Raum kämpfen lässt – um diese schlussendlich zu zerstören.

Die so bereits erwähnte Videospieldramaturgie wird spätestens im Finale offensichtlich und auch auf der Bildebene praktiziert. Wenn in einer längeren Plansequenz, welche mit gezielt gesetzten Reisschwenks zu „schummeln“ scheint, Banning mit militärischer Unterstützung das Versteck der Bösewichte stürmt und sich von Punkt zu Punkt vorarbeitet, erweckt dies eine ähnliche Immersion wie ein Videospiel. Auch wenn man später, wenn Banning sich eines Nachtsichtgerätes ermächtigt, in seine POV übergeht, wenn er nach etwas greift oder schaut, fühlt man sich an einen First-Person-Shooter erinnert. Banning muss dabei aber auch kräftig „gecheatet“ haben, denn während er für die Kugeln der Gegner nahezu unmöglich zu treffen ist, ist bei ihm jeder Schuss ein Treffer.





Erfreulicherweise konnte man das Personal vor der Kamera wieder zusammenführen. Dies führt dann aber zu sonderbaren Auftritten von Melissa Leo oder neu auch Jackie Earle Haley, die mehr Komparsen- denn Nebenrollen einnehmen. Gerard Butler weiß in den Actionszenen zu überzeugen und bekommt hier und da auch mal einen flotten Oneliner zum Vorsagen, doch sein diesmal extrem stoisches Spiel bekommt vor allem in den ruhigen Momenten und im Zusammenspiel mit Aaron Eckhart, der wie Morgan Freeman schrecklich unterfordert zu sein scheint, seine Grenzen aufgezeigt. Das Duo aus Banning und seinem Präsidenten wirkt dabei von Beginn an aufgesetzt. Trevor Morris komponierte wie schon für Olympus Has Fallen die Musik. Er variiert ein paar seiner Themen wieder und hat auch was Neues zu bieten, aber gerade in den Action-Momenten muss sein Score den Soundeffekten weichen.

Fazit:

Das Spiel zum Film oder der Film zum Spiel? Die Grenzen sind teilweise kaum mehr erkennbar. Inhaltich faul, hohl und feige vermag London Has Fallen nur mit rasanter Action im letzten Drittel zu punkten. Der Film wird dann gut, wenn er sich dem anderen Medium nähert. Ansonsten möchte man den Controller nur gegen die Leinwand werfen. Gerard Butler bringt überzeugend die Physis für seine Rolle mit, sein sonstiges schauspielerisches Können übersteigt aber kaum das einer Tasse Tee.

4 / 10

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