BG Kritik:

Lone Survivor


von Daniel Schmitt

Lone Survivor (USA, 2014)
Regisseur: Peter Berg
Cast: Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster, Eric Bana

Story:
Vier US-Soldaten stehen nach einer gescheiterten Afghanistan-Mission einer Übermacht gegenüber. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.



Navy SEALS sind eine amerikanische Militärspezialeinheit. Ihre Aufträge finden, in kleiner Zahl, hinter feindlichen Linien statt und sind meist geheim. Ihre Ausbildung ist eine der härtesten der Welt, denn jeder kommt dabei an seine geistigen und körperlichen Grenzen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bewerber darf der Einheit beitreten und daher haben sie einen gewissen heldenhaften Ruf in Amerika. Ganz in diesem Sinne weist uns „Lone Survivor“ in den Film ein. Erst Training, erst Zusammenhalt, Motivation und Heldenverehrung und wer diesen anstrengenden Anfang übersteht, bekommt das eigentliche markante Ereignis zu sehen. Dieses basiert auf dem Buch „Lone Survivor“, welches von dem ehemaligen SEAL Marcus Luttrell geschrieben wurde und die Geschehnisse der „Operation Red Wing“ behandelt, welche er, wie der Titel bereits verrät, als einziges überlebt.

Basiert auf einem echten Ereignis


Die vier Soldaten Marcus (Mark Wahlberg), Axe (Ben Foster), Danny (Emile Hirsch) und Murphy (Taylor Kitsch) sollen den gesuchten Talibanführer Shah töten oder gefangen nehmen. Bei der Prüfung der Lage werden die vier von ein paar Ziegenhirten entdeckt und stehen nun vor der Wahl, die Zeugen zu töten oder gehen zu lassen. Nach kurzer Beratung entschließen sie sich, die Männer gehen zu lassen und das Weite zu suchen. Nur leider alarmieren die Hirten die übrigen Taliban, welche die vier SEALS einholen und unerbittlich jagen.

„Lone Survivor“ ist kein Anti-Kriegsfilm. Das heißt nicht, dass er ein verfälschtes, patriotisches Bild zeigt, aber für Autor / Soldat Luttrell sind kriegerische Konflikte Alltag. Wären die SEALS nicht in Afghanistan, wären sie woanders. Sie mögen was sie sind, sie wollten sein was sie sind. Sie mögen ihre Kameraden um sich herum. Es ist Pathos, geschrieben von jemanden der dabei war, der das Geschehene erlebt und gesehen hat und über seine gefallenen Freunde berichtet. Daher muss man sich von Anfang an darauf einlassen, dass der Blick parteiisch ausfällt und es keine, wie sonst typisch, allgemein kriegskritische Perspektive gibt. Wenn man damit kein Problem hat, ist man bereit sich auf sehr packende 121 Minuten einzulassen, denn Regisseur Peter Berg inszeniert hier ein sehr packendes Kriegsdrama.

Berg verzichtete auf seine übliche Gage, um den Film drehen zu können


Man kann es sich nur schwer vorstellen, dass Berg hinter der Kamera stand. Derselbe Regisseur, der es für nötig hielt, das Brettspiel Schiffe Versenken zu verfilmen. "Battleship" war ein überpatriotischer, aber auch hirnloser Actionfilm, was „Lone Survivor“ eindeutig nicht ist. Er erinnert eher an einen seiner anderen Filmen „Operation: Kingdom“, in dem eine FBI Einheit in Pakistan Terroristen jagte. In „Lone Survivor“ schafft er hier den Todeskampf von vier Soldaten so zu inszenieren, das man mit ihnen mitfiebert, obwohl der Titel bereits verrät wie es endet. Berg verwendet dabei den Soundtrack von Transformers-Komponist Steven Jablonsky nur dezent und konzentriert sich hauptsächlich auf die (Oscar nominierte) Soundkulisse. Projektile fliegen, beide Seiten feuern. Explosionen und schmerzhafte Bilder. Ein Feuergefecht, das von seiner Intensität an frühere Michael Mann Filme wie „Heat“ erinnert. Technisch und stilistisch, macht Peter Berg seine Arbeit sehr gut. Der Knackpunkt ist das Drehbuch, an dem er auch beteiligt war.

Botschaft hin oder her, inmitten der Action gehen die Charaktere etwas verloren. Ihr Kampf wird eindrucksvoll gezeigt aber eigentlich erfährt man nur wenig über ihre Hintergründe, was eindeutig am Drehbuch liegt und nicht an den Schauspielern. Mark Wahlberg gefällt die Soldatenrollen und diese spielt er gut, die eigentliche Leistung liegt aber bei Foster, Kitsch und Hirsch, welche nicht nur gut besetzt worden sind, sondern überzeugend spielen. Es wird einem nur nicht ganz klar, warum ein Film, der sich eigentlich stark auf die Kameradschaft bezieht, die eigentlichen Kameraden nur oberflächlich darstellt. Außerdem, schwächelt das letzte Viertel des Films und verliert sich in bekannten Klischees des Kriegsfilmgenres. Davon aber mal abgesehen, funktioniert das Gesamtergebnis von „Lone Survivor“ und hält was er verspricht. Kriegsaction und ein wenig mehr.

Das Drehbuch von Filmen, welche auf wahren Begebenheiten basieren zu kritisieren, ist ein Drahtseilakt. Wie nah ist der Film am Leben, wie nah am Buch, wie nah war das Buch am Leben? Vorab, „Lone Survivor“ erinnert am Anfang wie ein Rekrutierungsvideo. Eindrucksvolle Musik, Kavallerie Effekt und Heldenverehrung, danach zeigt der Film aber stundenlang, warum dieser Job doch nicht für jeden ist. Dabei kommt das Thema Zusammenhalt und Einheit zu tragen aber auch die Sinnlosigkeit der ganzen Aktion. Die Fehler der Verantwortlichen in der Organisation, die vielen Menschen das Leben kostet, wie grundlos und schmerzhaft junge Menschen in der Wüster verheizt werden, gegen einen dämonisierten Feind. Dabei wird aber ganz klar unterschieden zwischen Afghanen und Taliban. Wie schon in Bergs „Operation Kingdom“ wird gezeigt, dass nicht alle gleich sind. Alle wollen in Frieden leben und das ist eine Botschaft, die in solchen Filmen gerne näher gebracht werden darf. Leider präsentiert er im selben Moment die Aussage, das dieser Kampf niemals endet und rückt diesen Umstand in ein positives Licht, was einem sauer aufstoßen lässt.

Fazit:

„Lone Survivor“ ist ein knallharter und spannend inszenierter Kriegsfilm, welcher ja zur Kameradschaft und nein zum Krieg sagt. Wer Action will kriegt sie, wer Filme wie „Black Hawk Down“ und „Der Soldat James Ryan“ mochte, wird ebenfalls zufrieden sein. Pazifisten schauen sich aber lieber was anderes an.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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