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Kritik:
Lord of War -
Händler des Todes


von Christian Mester

Lord of War
(2005)
Regisseur: Andrew Niccol
Cast: Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan

Story:
Jede Minute wird irgendwo auf der Welt jemand mit einer Schusswaffe ermordet; was für ein Mensch muss man also sein, um daraus ein Geschäft zu machen?

Kritik:
Nicolas Cage spielt Yuri Orlov, der in jungen Jahren als Emigrant in einem Armenviertel in New York aufwächst. Das Restaurant seiner Eltern läuft mehr schlecht als recht, und ihm und seinem Bruder bieten sich keine Chancen auf ein besseres Leben. Als er eines Tages schließlich Zeuge eines tödlichen Anschlags wird, findet Yuri seine wahre Bestimmung - er will Waffenhändler werden. Anfangs noch unsicher und mit mehr Glück als Geschick gesegnet, mausert er sich über die Jahre zu einem der größten und einflußreichsten Händler seiner Branche. Mit gutem Auge für Gesetzeslücken und Geschäftspartnern in jeder wichtigen Regierung bleibt er nahezu unfassbar, und lebt dies in vollen Zügen aus.

Teil seiner Welt sind auch noch sein labiler Bruder Vitaly (Leto), seine schöne aber ahnungslose Frau (Moynahan), ein afrikanischer Tyrann namens Baptiste, der ihn nicht in Ruhe lassen will, sowie ein hartnäckiger Fahnder (Hawke), der Yuri zu schnappen versucht... woraus sich so einige Probleme ergeben.

Lord of War wurde hauptsächlich mit ausländischen Geldern finanziert, da amerikanische Produzenten das Projekt für zu kritisch empfanden - und das ist er, ohne Zweifel. Der Film ist eine bitterböse Satire über ein sehr ernstes Thema geworden, der dank Andrew Niccol's exzellentem Script genau den richtigen Ton findet. Lustig mit Bedenken, tragisch und doch unterhaltsam, fungiert die Storyline hier keinesfalls als billige Grundlage für ein Drama, dass Waffenhandel plump kritisieren will; stattdessen spricht sie für sich, und wirkt demnach umso mehr. Wenn Yuri im ersten Drittel des Films darauf eingeht, mit welchen Tricks Waffenhändler arbeiten, wie sie Gesetze umgehen und was für gewaltige Geschäfte sie tätigen, erwischt man sich immer wieder, wie man über die schier unglaublichen Fakten und Ereignisse lachen und schmunzeln muss. Zu unglaublich wirkt es, aber die Realitätsnähe sorgt für Bedenken.

Wer Jarhead gesehen hat, kann ähnliches erwarten; Action ist nicht vorhanden, und scheinbar wurden aller Schußsequenzen derart in den Trailer geschnitten, das der ein oder andere einen Actionfilm Marke "Die Stunde der Patrioten" im Sinn haben könnte ...vonwegen. Sieht man erst einmal wie skrupellos diese Menschen agieren, mit ihrer "Was mit den Waffen gemacht wird, geht mich nichts an" und "Wenn ich keine Waffen verkaufe, macht es jemand anderes" Mentalität, dann wundert man sich nicht mehr, wieso es oft blutige Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Völkern kommt; so clever, wie Yuri seine Waren verkauft, könnte er sogar eine Kiste voller Gewehre an die Heilsarmee verscherbeln.

Er selbst ist kein böser Mensch, aber ein gewissenloser Geschäftsmann, der nur das Geschäft und seinen Verdienst daran sieht. Für ihn sind Kriege lediglich Einnahmequellen; er freut sich über Aufstände, Völkermorde und Diktaktoren, denn das schlimmste was ihm passieren kann, sind Friedensverträge. Cage spielt dies mit dem richtigen Mix aus Charme, Mut und Coolness, und bleibt dabei wunderbar unberechenbar. Jared Leto überzeugt in seiner Rolle als verzweifelter Loser, der ständig im Schatten seines großen Bruders steht. Zwar ist seine Story sehr vorsehbar, zusammen mit Cage wirken seine Auftritte jedoch und als Gegenpol funktionieren sie sehr gut. Moynahan ist schön anzusehen, trägt aber nicht wirklich viel bei; viel mehr ist es Ethan Hawke, er in kurzen, prägnanten Auftritten die Hilflosigkeit der "Guten" zeigt. Ian Holm als kerniger Konkurrent rundet die Cast letztendlich konsequent zufriedenstellend ab.


Fazit:
Das bitterböse Zitat "Jeder zwölfte Mensch auf der Erde hat eine Waffe, die Frage ist nun, wie bekommen die anderen elf eine?" fasst es gut zusammen; in Lord of War spricht der sympathische Irrsinn tragisch und effektiv für sich.

8,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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