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Kritik:
Lost River


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

LOST RIVER
(2015)
Regie: Ryan Gosling
Cast: Christina Hendricks, Ben Mendelsohn, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan, Eva Mendes, Rob Zabrecky

Story:
In einer kleinen Stadt in der Nähe von Detroit lebt Billy (Christina Hendricks) mit ihren beiden Söhnen Bones (Iain De Caestecker) und dem kleinen Franky. Billy hat in der sonst fast ausgestorbenen Stadt, Probleme die Miete zu bezahlen und bittet dabei an den Bankmanager Dave (Ben Mendelsohn) um Hilfe und landet so in dem geheimnisvollen Nachtclub von Cat (Eva Mendes). Derweil versucht Bones mit seiner Nachbarin Rat (Saoirse Ronan) die dörfliche Diktatur von Bully (Matt Smith) zu stürzen.

Ryan Gosling auf den Pfaden seiner Vorbilder. Kann er Spuren hinterlassen?

Kritik:
Ryan Gosling ist mittlerweile mehr als der Schauspieler für wortkarge Charaktere bekannt. Die Frauenwelt liegt ihm zu Füßen, die Männerwelt ist neidisch auf seine einnehmende Präsenz mit nur einem Blick. 2004 eroberte er an der Seite von Rachel McAdams mit dem Liebesfilm THE NOTEBOOK (Nick Cassavetes, 2004) zum ersten Mal die große Leinwand und konnte schon zwei Jahre später mit HALF NELSON (Ryan Fleck, 2006), indem er einen drogenabhängigen Lehrer spielt, eine erste Oscarnominierung einheimsen. Mit den Filmen DRIVE (Nicolas Winding Refn, 2011) und ONLY GOD FORGIVES (Nicolas Winding Refn, 2013) des Regisseurs Nicolas Winding Refn Jahre später prägte er sein derzeitiges Image als Darsteller von Figuren mit wenig Dialog. Nebenher konnte er aber auch viel Kritikerlob durch beispielsweise seine Rollen in IDES OF MARCH (George Clooney, 2011), BLUE VALENTINE (Derek Cianfrance, 2010) oder THE PLACE BEYOND THE PINES (Derek Cianfrance, 2012). Nun verschlug es ihn hinter die Kamera als Regisseur/Autor in Personalunion und herausgekommen ist das Fantasy-Neo-Noir-Drama LOST RIVER, was ein Konglomerat aus den letzten Schauspielarbeiten Goslings zu sein scheint.

In einer Geisterstadt zieht es nach Wirtschafts- und Immoblienkrise die meisten Bewohner aus der Stadt. Warum genau die alleinerziehende Billy mit ihren Söhnen nicht gehen möchte und so sehr an Haus oder Stadt festhält, bleibt den ganzen Film über unklar. Gosling zeigt eine Stadt mit den Bildern des belgischen Kameramanns Benoît Debie (ENTER THE VOID, SPRING BREAKERS), die wie nach einer Apokalypse ausgestorben zu sein scheint. Bunte Graffitis schmücken ein leeres Stadtzentrum, ein ehemaliges Nachbardorf liegt geflutet in der Nähe, wo nur noch die Spitzen von Straßenlaternen wie Periskope aus dem Wasser ragen. Drei Handlungsstränge eröffnen sich in diesem Zuge dem Zuschauer, welche später mehr oder weniger ineinander übergehen.

Die Geschichten um Rat und Bones finden sich ziemlich schnell zusammen und bilden visuell die Gegenstücke zu Billys Ausflügen in die verruchte Welt des Clubs von Cats. Mit Ihnen lernen wir das Stadtbild kennen und die Welt, die unter der Wasseroberfläche jenseits ihres Wohnortes zu hausen scheint. Ihr Widersacher Bully bleibt dabei ähnlich konturenlos wie vieles im Film. Bei Matt Smiths Figur ist es ähnlich, wie mit vielem Film. Er ist wie er ist und daran ändert sich nichts und daraus wird aber auch nicht wirklich was gemacht. Man kann mit Mysterien spielen und sie offen halten, doch legt Gosling seinen Film nur visuell so an und vermag es nicht auf der Erzählebene eine ähnliche Dramaturgie aufzubauen, die ihm solche Freiheiten geben könnte.

Christina Hendricks Billy ist eine liebende, aber auch sorgenvolle Mutter. Bekannt aus MAD MEN (2007-2015) ist dies ihre erste wirkliche große Hauptrolle. Sie darf weinen, leiden und auf das Mitleid der Zuschauer hoffen und doch wird sie nicht wirklich gefordert oder gibt ihrer Figur besondere Facetten. Sie spielt die Rolle ohne Wenn und Aber, aber auch ohne Ecken und Kanten. Dies gilt für das gesamte Ensemble, wo keiner besonders hervorstechen kann. Ben Mendelsohn bekommt wohl die beiden ikonischsten Szenen aus dem Lynch’schen Baukasten serviert und scheint dabei aber selbst nicht immer zu wissen, was er mit seiner Figur anstellen soll.

Man kann nicht sagen, dass der Film eklatante Fehler hat. Das Problem liegt eher darin, dass es Gosling nicht schafft sich von seinen Idolen zu lösen und was Eigenes zu schaffen. Er hat sich bestimmt Gedanken gemacht und bestimmte Bilder vor seinen Augen gehabt. Aber so wenig sie teilweise direkt aus seinem Kopf entspringen, so wenig folgen sie auch einem bestimmten Konzept. Vieles wirkt abgekupfert oder wohlwollend als Hommage gemeint, doch erreicht der Film nie eine Eigenständigkeit, die es ihm ermöglicht sich in so eine honorierende Position für andere Filme und Filmemacher zu begeben.

Fazit:
Gosling scharrt Schauspielkollegen vor der Kamera und bereits ihm bekannte Künstler hinter der Kamera und verliert dabei einzelne Fäden. Er klammert sich zu sehr an seine Vorbilder und hat sich für sein Regiedebüt dabei wohl etwas übernommen. Er will etwas zu viel und schafft es mit einem im Grunde formelhaften Drehbuch am Ende nicht die einzelnen Fäden seiner Geschichten sinnvoll abzuschließen und überhaupt mit ihnen zu arbeiten. Schicke Bilder und ein netter Score von James Jewels können da nur etwas kaschieren. Buhen wie auf den Filmfestspielen in Cannes letztes Jahr, muss man dafür aber nicht.

5 / 10

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